Brügge sehen … und sterben?

brügge sehen und sterbenSeit dem Jahr 2008 haftet der belgischen Hauptstadt Westflanderns dieses düstere Gerücht an. Begründet wurde es durch einen actiongeladenen Filmstreifen aus Irland, dessen dunkler Schauplatz die mittelalterliche Stadt mit ihren verwinkelten Gassen, den alten Gebäuden und den wasserreichen Kanälen ist. Und obwohl sich der Hauptdarsteller des Filmes (Colin Farrell) zu Beginn von dem historischen Charme des nördlichen Venezia unbeeindruckt zeigt, kann auch er sich dem Charme der Stadt nicht entziehen…


Das Venedig des Nordens

Es scheint so, als sei man wieder in das florierende Brügge des 15. Jahrhunderts zurückversetzt worden. KanaaaaalMittelalterliche Wohnsitze, gotische Kirchen, enge Gassen und natürlich die idyllischen Grachten zeugen bis heute von dem Reichtum der Stadt, die zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert zum Zentrum des internationalen Tuch- und Spitzenhandels in Nordeuropa aufstieg.
Nicht ohne Grund wurde deshalb die Altstadt im Jahr 2002 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Besonders lohnenswert sind die halbstündigen Bootsrundfahrten auf den zahlreichen Kanälen, die den Besucher zu den malerischsten Winkeln der Stadt führen.

Kunst und Kultur

Wie viele historische Städte bietet auch Brügge ein breites Spektrum an kulturellen Angeboten, die zu Fuß leicht erreichbar sind. Für einen Tagestrip seien im Folgenden die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten genannt, die man sich bei einem ersten Besuch nicht entgehen lassen sollte.

Bei längerem Aufenthalt kann euch die Internetseite der Stadt weitere Tipps und Empfehlungen geben: http://www.brugge.be/internet/de/index.htm.

Zentraler Punkt bildet der Marktplatz mit seinen reichen und repräsentativen Kaufmannshäusern, die einen ersten Eindruck der Stadt vermitteln. Genehmigt euch ruhig eine Pause in einem der zahlreichen Cafés und staunt über die Geräumigkeit der alten Häuser hinter den Fassaden.Turmtest
Der achteckige Turm des Belfort gilt als Wahrzeichen der Stadt. Von oben genießt man eine herrliche Aussicht über Brügge.
Nicht weit vom Marktplatz entfernt befindet sich das Groeningemuseum. Es ist besonders für seine Sammlung hochkarätiger Werke früher flämischer sowie niederländischer Meister bekannt: darunter Jan van Eycks Madonna des Kanonikus Joris van Paele und Hieronymus Boschs Jüngstes Gericht.MadonnaTest
Die im 13. Jahrhundert errichtete Liebfrauenkirche (Onze lieve Vrouwekerk) liegt nicht weit vom Museum entfernt. Sie beherbergt einen der bedeutendsten Kunstschätze der Stadt: Eine Madonna mit Kind, die der große italienische Bildhauer Michelangelo im Jahr 1504 schuf.

Die Skulptur ist im Übrigen das einzige Werk des Künstlers, das noch zu seinen Lebzeiten ins Ausland exportiert wurde.

Wer sich für Kunst weniger begeistern kann, für den lohnt sich der Besuch des direkt gegenüber der Kirche gelegenen Gruuthusemuseums. Sein bedeutender Bestand an altem Mobiliar, Küchengeräten sowie Tapisserien lässt die Besucher in die Welt des 15. Jahrhunderts eintauchen.

Die Gruuthuse waren ein flämisch-brabantisches Adelsgeschlecht, dessen Name sich von dem Wort grut ableitet. Das grut war eine Zutat zum Bierbrauen, auf die man bereits im 15. Jh. Steuern erhob. Das Privileg, diese Steuern festzusetzen, war nur wenigen Menschen vorbehalten, die sich daran eine goldene Nase verdienten.

Die Spezialitäten der Stadt

CIMG6473BrauereiDaraus ist zu schließen, dass bereits zur damaligen Zeit der Bierkonsum enorm war. Und bis heute kann man Belgien mit seinen über 100 verschiedenen Biersorten getrost als Bierlandschaft bezeichnen. Jeder, der auf den schmackhaften Gerstensaft zählt, sollte sich ein Glas in den kleinen, urigen Kneipen Brügges nicht entgehen lassen. Mit ihrer rustikalen Einrichtung verbreiten diese besonders in den Abendstunden ein gewisses englisches Pub-Flair.
Für den kleinen Hunger empfehlen wir dazu eine große Portion Pommes. Spätestens seit Asterix weiß jeder um die Geschichte und den Ursprung des frittierten Erdapfels. Bis heute rühmen sich die Belgier als Erfinder der so genannten frieten und sind darauf mächtig stolz. Nicht umsonst gibt es in Brügge ein eigens hierfür eingerichtetes Museum.

Am Ende eines langen Tages lohnt es sich durch die engen Gassen zu flanieren. Diese werden gesäumt von einem vielfältigen Angebot an Pralinés und Süßigkeiten aller Art.
Im Gegensatz zu den Gelaterien des Südens zählt Brügge eher auf die süße, braune Masse und macht seinem Namen als heimlicher Hauptstadt der Schokolade alle Ehre.P1020179Schokolade
Um ihre teilweise sehr kostspieligen Genüsse an den Mann zu bringen, trumpfen einige Läden mit den ausgefallendsten Kreationen auf. Unter anderem kann man da mit Schokolade umhüllte Pralinen entdecken – gefüllt mit japanischer Wasabi-Paste. Angesichts der Schärfe können bei dem ein oder anderen zwar die Tränen fließen, lebensgefährlich ist der Verzehr jedoch nicht.

Für Kunst- und Kulturinteressierte stellt Brügge ein exquisites Reiseziel dar und bietet besonders all denjenigen unvergessliche Eindrücke, die sich dem Zauber einer mittelalterlichen Stadt hingeben wollen. In diesem Sinne ist Brügge mehr als nur ein Geheimtipp!

Edda Behringer

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Eine Reaktion zu “Brügge sehen … und sterben?”

  1. Sabrina

    Wow, der Artikel ist sprachlich echt einwandfrei geschrieben! Lässt sich gut lesen und macht einem dadurch – und natürlich auch wegen der vielen informativen Kästchen – Brügge wirklich schmackhaft! Großes Lob!

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