Bitte recht kinder-freundlich

Es ist ein strahlender Tag, an dem die ersten Sonnenstrahlen die Stadt wieder mit Leben füllen. Auf dem Weg zum nächsten Termin öffnet sich zwischen all den regen Menschen der Marktplatz und es erscheinen die Pyramide und das Rathaus. Das Zentrum der Stadt ist erreicht. Auf der Suche nach einem schnellen Kaffee erregt ein Plakat das Interesse. Einige Kinder verschiedenster Nationen lachen dem Betrachter entgegen. Darauf geschrieben steht: „Bitte recht kinder-freundlich! Unterstützen Sie Karlsruhe, die UNICEF-Kinderstadt 2010. Für mehr Kinderfreundlichkeit auf dieser Welt.“


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Die Fächerstadt ist UNICEF-Kinderstadt 2010? Es kommen Fragen auf. Was bedeutet dieser Titel für die Stadt und für die UNICEF? Wie macht sich dies im Alltag bemerkbar? Bei der Recherche stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine Partnerschaft der Stadt Karlsruhe mit der UNICEF handelt. Im Jahr 2010 engagiert sich die Stadt besonders für Kinderfreundlichkeit.

Die UNICEF, die 1946 gegründet wurde und heute in über 150 Ländern arbeitet, ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Schirmherrin in Deutschland ist momentan Eva Luise Köhler, die Gattin des Bundespräsidenten. Das Werk setzt sich unter dem Leitsatz „Gemeinsam für Kinder“ für die Rechte eines jeden Kindes und gegen Missbrauch, Ausbeutung, Hunger und Gewalt ein. Grundlage hierbei sind die Rechte der Kinder.

Auftakt zur 18. Kinderstadt-Partnerschaft zwischen einer Kommune und UNICEF war am 13. Januar, als in Leipzig in feierlicher Atmosphäre die UNICEF-Fahne als Symbol des Projekts an den Karlsruher Oberbürgermeister Heinz Fenrich übergeben wurde. Dieser eröffnete mit einer großen Pressekonferenz am 14. Januar den Start in das UNICEF-Kinderstadt-Jahr 2010 im Beisein der UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen. Fenrich erklärte, Karlsruhe werde den Titel mit Leben erfüllen und „alle mit der Partnerschaft verbunden Chancen nutzen.“ Zu diesen Chancen gehört auch, dass alle Bürgerinnen und Bürger sich ein Jahr lang intensiv mit der Situation von Kindern in Karlsruhe und weltweit auseinander setzen können und helfen sollen, deren Situation zu verbessern.

“Unser Ziel ist klar: Ein Euro pro Einwohner” gab Fenrich als Zielvorgabe seitens der Stadt Karlsruhe zu Gunsten von Projekten des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen aus. Aber das ist nicht alles. Karlsruhe wolle im Laufe des Jahres “für noch mehr Kinderfreundlichkeit werben”. Es seien vor allem drei UNICEF-Projekte, die man besonders unterstützen wolle.

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Das erste Entwicklungshilfeprojekt ist die Verbesserung der Bildung von Kindern und Müttern in Burundi. 80 Prozent der Einwohner müssen dort mit weniger als umgerechnet einem Dollar am Tag auskommen. Jedes fünfte Kind stirbt dort noch vor seinem fünften Geburtstag, was bedeutet, dass dort jeden Tag etwa 200 Kinder unter fünf Jahren sterben. Landesweit kommt durchschnittlich ein Arzt auf 20.000 Menschen. Mit den Spenden sollen Schulungen der medizinischen Mitarbeiter, Geräte und Medikamente finanziert werden.

Das zweite Entwicklungshilfeprojekt ist die Verbesserung der Bildung für Mädchen und Mütter in Niger. Dort gehen rund eine Million Kinder nicht zur Schule. Jedes zweite Kind wird nicht einmal eingeschult. Gerade die Situation der Mädchen sieht noch schlechter aus. 28 Prozent der erwachsenen Männer können Lesen und Schreiben, aber gerade mal 12 Prozent der Frauen. Die gesammelten Spenden sollen die Ausbildung von circa 5.000 Lehrern ermöglichen, die Mädchenbildung fördern und die Lern- und Unterrichtsbedingungen verbessern. Es sollen alle 150.000 Kinder in ganz Niger erreicht werden. UNICEF-Botschafter Sir Roger Moore über die Projekte der UNICEF: „Jedes, und ich meine wirklich jedes Kind, sollte in den Genuss der grundlegenden Gesundheitsfürsorge und Bildung kommen.“

Aufgrund der aktuellen Lage in Haiti warb UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen bei der Pressekonferenz besonders für das dritte Projekt: die Unterstützung der Kinder aus dem ärmsten Land der Erde. Mit den Spenden soll weiterhin die Versorgung von medizinischen, hygienischen und aufbauenden Maßnahmen unterstützt werden.

In Karlsruhe gibt es bereits einige Institutionen, Unternehmen und Vereine, die sich im Rahmen der Partnerschaft und in Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe engagieren. Dazu zählen zum Beispiel der Stadtjugendausschuss e.V. als Dachverband von rund 40 Jugendverbänden, das Kinderbüro der Stadt Karlsruhe, der Filmpalast am ZKM, die Messe Karlsruhe sowie verschiedene Vereine und Schulen. Das Engagement zeigt sich beispielsweise beim Stadtjugendausschuss Karlsruhe durch vielseitige Projekte und Aktionen. Angelehnt an das UNICEF-Kinderstadt-Jahr gibt es unter anderem das Angebot „mp13“, den „Karlsruher Kinderpass“, Veranstaltungen wie „Kinder für Kinder“ und die Zirkus-Gala vom „Circus Delawari“, bei der ein Euro des Eintrittsgeldes an die UNICEF gehen wird. Der Geschäftsführer Klaus Pistorius des StJA zu den Projekten: „Der Stadtjugendausschuss e. V. setzt bei der Bekämpfung von Kinderarmut in Karlsruhe einen seiner Schwerpunkte in der täglichen Arbeit. Grundsätzlich sollen die regelmäßigen Angebote der offenen Jugendarbeit des Stadtjugendausschuss e. V. kostenlos zugänglich sein, sodass niemand ausgeschlossen ist. Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben zudem die Möglichkeit, zu deutlich vergünstigten Konditionen an Ferienfreizeiten und –camps des Jugendfreizeit- und Bildungswerks (jfbw) teilzunehmen. Außerdem hat der Stadtjugendausschuss e. V. in mehreren Kinder- und Jugendtreffs über die ganze Stadt verteilt das Angebot „mp13 – Die starke Mittagspause“ gestartet – neben einer kostenlosen Hausaufgabenbetreuung wird dort unter anderem ein kostengünstiges und gesundes Mittagessen angeboten. Durch Spenden wird ermöglicht, dass auch die Kinder essen können, die sich das aufgrund ihrer sozialen Herkunft nicht leisten können. Ausgegeben wird im jfbw auch der Karlsruher Kinderpass und der Karlsruher Pass – zwei Instrumente, bei denen es um die Teilhabe von Kindern und Familien geht, welche finanziell weniger gut gestellt sind.“
Zu den weiteren Projekten, bei denen die Stadt Karlsruhe als Koordinator fungiert, zählen beispielsweise auch der Karlsruher Kinderstadtplan, der Familienfreundliche Service, der City Initiative Karlsruhe (CIK) und des Bündnisses für Familien sowie die Kinderfreundliche Hausordnung, die in Zusammenarbeit aller großen Wohnungsbaugesellschaften in Karlsruhe entwickelt wurde. Das Kinderbüro der Stadt Karlsruhe setzt sich zusätzlich für die Belange von Kindern, Jugendlichen und Familien ein. Schwerpunkte werden hier bei der Unterstützung der Erziehungskompetenz und Entlastung von Familien durch die frühe Prävention, Familienbildung und dem Landesprogramm STÄRKE gesetzt.

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Es gab bereits einige Veranstaltungen zugunsten der UNICEF-Projekte. Am 2. Januar startete die BG Karlsruhe mit einer Aktion für die UNICEF-Kinderstadt. Das Junior-Team der Arbeitsgruppe Karlsruhe war mit einer Ausstellung zur Bildungssituation im südlichen Afrika in der Europahalle dabei und informierte interessierte Besucherinnen und Besucher, welche danach an einem “Afrika-Quiz” teilnehmen durften. Nach dem furchtbaren Erdbeben in Haiti setzte eine Welle an Hilfsbereitschaft ein: Kinder musizierten für Kinder, verkauften Kaffee und Kuchen. Das Einkaufscenter Ettlinger Tor rief durch ein Riesenplakat die Besucherinnen zu Spenden auf, an einem Infostand der UNICEF AG Karlsruhe konnte man sich über den aktuellen Stand der UNICEF-Nothilfe informieren. Centermanager Alexander Balzer konnte am 19. Februar einen Scheck in Höhe von 3000 € übergeben. Die Mitarbeiter der Spedition Schneider sammelten bei einem Betriebsfest, und der Geschäftsführer der Firma verdoppelte die Summe.
In den nächsten Monaten werden noch einige Veranstaltungen folgen. Darunter am 9. April die Zirkus-Gala vom „Circus Delawari“, am 24. und 25. April „The Show“, Baden-Württembergs größtes Streetdance-Festival und vom 23. Mai bis zum 28. Mai das Kinderzirkusfestival des Stadtjugendausschusses. Desweiteren sollen im Jahr der UNICEF-Kinderstadt die bereits bestehenden Veranstaltungen, Events und Aktivitäten der Stadt stärker auf die Kinder in Karlsruhe ausgerichtet werden. Alle Termine auf einen Blick findet ihr unter: www.karlsruhe.de/stadt/international/unicef-kinderstadt/termine.de .

Das Stadtmarketing, das die UNICEF-Kinderstadt federführend organisiert, bündelt und vernetzt mit einer Arbeitsgruppe zur UNICEF-Kinderstadt die Aktivitäten. Ursula Grass, Leiterin dieser Arbeitsgruppe, freut sich sehr, dass Karlsruhe in diesem Jahr die 18. UNICEF-Partnerstadt ist. Sie spricht über die Ziele und Erfolge der Partnerschaft: „Ein Ziel dieser Städtepartnerschaft besteht darin, die Arbeit von UNICEF und somit die Situation der Kinder in Entwicklungsländern bekannt zu machen. Es ist uns ein besonderes Anliegen, die von der Stadt unterstützten Projekte “Überleben in Burundi” sowie die Bildungssituation der Kinder im afrikanischen Niger und nicht zuletzt die zur Zeit sehr wichtige UNICEF-Nothilfe in Haiti den Karlsruher Bürgerinnen und Bürgern anschaulich darzustellen. Ich wünsche mir sehr, dass die ehrenamtliche Arbeit unserer UNICEF AG Karlsruhe für die Kinder der Welt auch über das Partnerschaftsjahr hinaus nachhaltig unterstützt wird.
Es gibt mittlerweile zahlreiche Akteure, die eine Unterstützung für UNICEF während des Partnerschaftsjahres angekündigt haben. Ich bin mir sicher, dass bei dieser Hilfsbereitschaft das angestrebte Spendenziel in Höhe von 1 € pro Einwohner erreicht werden wird.“

Die Stadt Karlsruhe begrüßt das Engagement, mit dem sich Mitwirkende beteiligen. Margret Mergen, Erste Bürgermeisterin von Karlsruhe, zieht Bilanz: „Das Ergebnis der ersten zwei Monate zeigt, dass das Projekt von einer großen Mehrheit unterstützt wird. Auch die Kinder bringen sich mit vielen kreativen Vorschlägen ein. Bei der Bevölkerung und bei den Firmen, Unternehmen, Vereinen und Institutionen in dieser Stadt entstehen ständig neue Ideen, die mit verschiedenen Spendensammelaktionen verknüpft werden. Die Begeisterung ist groß, ebenso wie die Spendenbereitschaft. Inzwischen haben wir rund 53.000 Euro gesammelt. Wir hoffen, dass der Schneeballeffekt noch stärker ins Rollen gerät und sich dadurch noch mehr Menschen an der UNICEF-Kinderstadt 2010 beteiligen.“

Es ist ein durchaus positives Ergebnis, das man bisher aus der Partnerschaft ziehen kann und dabei das Gefühl entsteht, mithelfen zu wollen – ein Teil des Engagements zu werden. Es gibt viele Möglichkeiten sich zu beteiligen – sei es der Besuch der Veranstaltungen, eine Spende, oder die Umsetzung eigener Ideen. Es scheint, als wachse Karlsruhe für die gute Sache ein Stück näher zusammen.

Am Marktplatz hält der Trubel an. Hier gibt es viele Menschen, viele gute Gedanken und viel zu tun für die Kinder verschiedenster Nationen, die einem entgegen lachen. Die ersten Sonnenstrahlen setzen neue Energien frei. Einen schnellen Kaffee und vielleicht bleibt dann noch Zeit für ein wenig Engagement…

Du möchtest auch helfen?

Unterstütze die Erdbebenopfer in Haiti und die UNICEF-Kinderstadt-Projekte in Burundi und Niger mit deiner Spende!

Kontonummer: 98 98 98 2
Bankleitzahl: 660 501 01
bei der Sparkasse Karlsruhe

Weitere Informationen erhälst du auf den folgenden Homepages:

Stadt Karlsruhe: www.unicef-kinderstadt2010.de
UNICEF Deutschland: www.unicef.de
Stadtjugendausschuss Karlsruhe: www.stja.de
Stadtmarketing Karlsruhe GmbH: www.stadtmarketing-karlsruhe.de

Katharina Langpeter

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