Studieren mit Kind – zwischen Pampers und Parties

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Neben dem anstrengenden Studium noch ein Kind großziehen? Viele junge Studenten schrecken vor dieser großen Herausforderung zurück. Zu hoch sind die Kosten für Kita, Windeln und Spielzeug, zu schwer lassen sich Vorlesungen und Kinderbetreuung miteinander vereinbaren. Um trotz Nachwuchs erfolgreich studieren zu können, benötigt es eine große Portion Organisationstalent und Eigenverantwortung. Sonst kommt es zu großen Schwierigkeiten, wenn man Studium, Kind, Haushalt, Finanzen und Nebenjob unter einen Hut bringen will.

Auf dem Kinderzimmer-Fußboden liegen überall Puppen, Plüschtiere und Puzzelbücher verteilt. Dazwischen sitzt die dreijährige Laura und wartet ungeduldig darauf, dass ihre Mama mit ihr malt. Diese ist gedanklich allerdings gerade bei ihrem Referat, welches sie übermorgen halten muss. Ein Aufschub hat ihr der Professor nicht gewährt- obwohl er von ihrer Tochter weiß.

Spagat zwischen Hörsaal und Wickeltisch

Wie sieben Prozent der deutschen Studenten hat sich Jasmin für ein Studium mit Kind entschieden. In welchem Maße diese Entscheidung ihr Leben auf den Kopf stellen würde, hat sie damals nicht geahnt. Statt sich zwischen den Vorlesungen ihre Zeit beim Kaffee mit Freundinnen zu vertreiben, nutzt die Pädagogikstudentin lieber die freien Minuten, um in Ruhe in der Bibliothek zu lernen. Zu Hause hat sie dafür oftmals erst spät abends Zeit. Wie anstrengend es ist, zwischen Seminaren, Referaten und Abgabefristen ein Kind zu erziehen war der jungen Frau nicht bewusst. „Früher war ich absolut chaotisch. Aber Laura hat aus mir ein kleines Koordinationstalent gemacht“, witzelt die 25-Jährige. „Ohne einen konsequent durchorganisierten Ablaufplan würde ich keinen Tag mehr überstehen.“

Studium und Kind?

Kinder möchten die meisten Studenten schon – aber bitte nicht während des Studiums. Laut Dr. Waltraud Cornelißen vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) könnten sich lediglich zwei Prozent der kinderlosen Studenten vorstellen, in dieser Zeit Nachwuchs zu bekommen. Auch die Erfahrungsberichte von Mitarbeiterinnen aus Beratungszentren deuten an, dass Kinder, die während der Studienzeit zur Welt kommen, in den wenigsten Fällen geplant waren. Entweder wurde das Studium schon mit Kind begonnen, oder die Eltern entschieden sich für den spontanen Familienzuwachs. Studenten die Kinder bekommen befinden sich dafür in den häufigsten Fällen in einer gefestigten Partnerschaft. Wenn sie nicht sogar, wie Jasmin und ihr Mann Patrick, verheiratet sind. “Ich habe mich vor drei Jahren bewusst für ein Leben als Mutter, Ehefrau und Studentin entschieden. Wir wollten ohnehin irgendwann heiraten. Durch Laura wurde die Familiengründung einfach etwas vorgezogen”, sagt Jasmin.

Balanceakt und Doppelbelastung

Den Drahtseilakt zwischen Studium und Elterndasein bekommt nicht jeder so gut hin wie Jasmin. Häufig zehren die sprichwörtlich tauben Ohren der Professoren, das Unverständnis der Kommilitonen und die finanzielle Lage an den Nerven. Solche Tage kennt auch Jasmin. „Wenn mir die Abgabefrist meiner Hausarbeit im Nacken sitzt, am nächsten Tag ein Referat ansteht, die Kleine schreit und das Geschirr noch gespült werden muss, bin ich froh, dass Patrick für mich da ist. Wäre ich alleinerziehend, wüsste nicht, ob ich mein Studium und Laura unter einen Hut bringen könnte.“

Übrigens: Wenn Prüfungstermine auf Grund eines kranken Kindes nicht eingehalten werden können, kann man in jedem Fall auf Attest vom Arzt einen Nachschreibtermin wahrnehmen.

Der Druck, der auf den jungen Eltern lastet ist enorm. Schaffe ich die nächsten Klausuren? Wie sieht mein Kontostand aus? Bekomme ich den Platz an der Uni-Kita? Untersuchungen haben gezeigt, dass geschätzte 40 Prozent der Studenten mit Kind ihr Studium wegen der enormen Doppelbelastung abbrechen. Viele unterbrechen das Studium auch, um es nach wenigen Semestern wieder aufzunehmen. Dennoch hält die Mehrheit (60%) der studentischen Eltern Studium und Kind für prinzipiell miteinander vereinbar. Studenten mit Kind kritisieren häufig die mangelnde Rücksichtnahme auf die Zeitstrukturen der Studierenden mit kleinen Kindern, da die zeitliche Konkurrenz zwischen Studium und Kinderbetreuung seitens der Studienorganisation meist nicht beachtet wird.

Übrigens: Zwar gibt es keine Erleichterung bezüglich der Studienleistungen, aber ein Gespräch mit dem Dozenten kann Abhilfe schaffen. In den meisten Fällen lassen sich so Lösungen finden, mit denen beiden Parteien einverstanden sind.

1Plakat: Jürgen Gehm

Wohin mit den lieben Kleinen?

Wer in Ruhe studieren will, muss sein Kind während dieser Zeit gut versorgt wissen. Auf die eigenen Eltern als Babysitter können nur wenige zurückgreifen. Zum einen ist die Uni meist zu weit von der Heimatstadt entfernt, zum anderen sind die eigenen Eltern häufig selbst berufstätig. Doch wohin nun mit dem Nachwuchs? Glück für jeden, der flexible Eltern, Tanten und Omas um sich hat. Eine Erkenntnis, die auch Jasmin und Patrick schnell gewonnen haben. Zu dritt wohnen sie in einem kleinen Häuschen auf dem Grundstück von Jasmins Mutter. „Erfreulicherweise ist meine Mutter zeitlich sehr flexibel und passt tagsüber auf Laura auf. Sie kommt bald in die Kita, aber es beruhigt mich, meine Mutter als Ansprechpartner vor Ort zu haben“, sagt Jasmin. Die 18. Sozialerhebung des Deutschenstudentenwerks (2008) ermittelte 120.000 Studenten mit Kind unter der bundesdeutschen Studentenschaft. Damit sind Eltern ein fester Bestandteil der heutigen Hochschulrealität geworden. „Ich persönlich finde es in Ordnung wenn Kinder in meine Veranstaltungen mitgebracht werden. Zu meiner Studienzeit war das überhaupt kein Problem und wurde von allen Betroffenen gut angenommen. Wobei es natürlich Entwicklungsphasen des Kindes gibt in denen ein solches Unternehmen mal einfacher, mal weniger einfach ist“, sagt Jutta Gemeinhardt, Dozentin am KIT. Da Kinder jedoch nicht von jedem Dozenten gerne gesehen sind, reagierten die meisten Universitäten auf diese Entwicklung und bieten Kinderbetreuungseinrichtungen rund um den Campus an. Doch leider sind die meisten Plätze dieser Einrichtungen schon vergeben, so dass es oftmals eine lange Wartelist gibt. Gerade die Betreuung von Kleinstkindern unter 3 Jahren wird dadurch erschwert. Auf Grund der langen Wartelisten und der schlechten Betreuungssituation am Wochenende schließen sich vielerorts Eltern zusammen, die in Eigenregie die Betreuung des Nachwuchses übernehmen. So weiß man die Kleinen auch während des Blockseminars am Wochenende gut versorgt.

Übrigens: Zur Sicherheit sollte sich schon vor der Geburt um einen Betreuungsplatz gekümmert werden.

Kinder kosten Geld!

Als Student ist das Geld ohnehin oft knapp – unbezahlbar scheinen da Windeln und Kinderspielzeug. Doch es gibt eine ganz Reihe von Formen der staatlichen Unterstützung. Bezuschusst werden Studenten mit Kind durch BAföG, Elterngeld, Kindergeld und Wohngeld. Die Höhe des staatlichen Zuschusses ist situationsabhängig. Die finanzielle Absicherung der Studenten bleibt ein heikles Thema. Viele Studenten versorgen sich selbst, indem 58 Prozent von ihnen einen Nebenjob annimmt. Eine zusätzliche Belastung zum ohnehin stressigen Alltag. Jasmin hingegen kann sich glücklich schätzen. „Das Gehalt meines Mannes reicht für uns drei. Ich bin sehr froh, dass wir keine Geldsorgen haben. Neben der Uni und Laura noch arbeiten zu gehen würde ich mir nicht zutrauen.“

Übrigens: Studenten mit Kind werden in der Regel von Studiengebühren befreit.

Studieren mit Kind birgt auch einige Vorteile. Die Flexibilität während des Studiums hat man im späteren Arbeitsalltag nicht mehr. Zumal Frauen mit Kindern dem Arbeitgeber attraktiver erscheinen. „Ausfallszeiten, die durch Schwangerschaft, Elternzeit und fehlende institutionalisierte Kleinkindbetreuung entstehen, fallen weg, wenn die Kinder schon da sind. Außerdem zeugt es doch von Willenskraft, Durchhaltevermögen und Organisationstalent, wenn Studium und Mutterschaft erfolgreich miteinander kombiniert werden konnten“, erklärt Jutta Gemeinhardt.
Wer also mit Kind sein Studium bestreiten will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dies durchaus machbar ist, aber alles andere als ein Kinderspiel!

Kristin Weinstock

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