Studieren mit Kind – zwischen Pampers und Parties

1Plakat: Jürgen Gehm

Wohin mit den lieben Kleinen?

Wer in Ruhe studieren will, muss sein Kind während dieser Zeit gut versorgt wissen. Auf die eigenen Eltern als Babysitter können nur wenige zurückgreifen. Zum einen ist die Uni meist zu weit von der Heimatstadt entfernt, zum anderen sind die eigenen Eltern häufig selbst berufstätig. Doch wohin nun mit dem Nachwuchs? Glück für jeden, der flexible Eltern, Tanten und Omas um sich hat. Eine Erkenntnis, die auch Jasmin und Patrick schnell gewonnen haben. Zu dritt wohnen sie in einem kleinen Häuschen auf dem Grundstück von Jasmins Mutter. „Erfreulicherweise ist meine Mutter zeitlich sehr flexibel und passt tagsüber auf Laura auf. Sie kommt bald in die Kita, aber es beruhigt mich, meine Mutter als Ansprechpartner vor Ort zu haben“, sagt Jasmin. Die 18. Sozialerhebung des Deutschenstudentenwerks (2008) ermittelte 120.000 Studenten mit Kind unter der bundesdeutschen Studentenschaft. Damit sind Eltern ein fester Bestandteil der heutigen Hochschulrealität geworden. „Ich persönlich finde es in Ordnung wenn Kinder in meine Veranstaltungen mitgebracht werden. Zu meiner Studienzeit war das überhaupt kein Problem und wurde von allen Betroffenen gut angenommen. Wobei es natürlich Entwicklungsphasen des Kindes gibt in denen ein solches Unternehmen mal einfacher, mal weniger einfach ist“, sagt Jutta Gemeinhardt, Dozentin am KIT. Da Kinder jedoch nicht von jedem Dozenten gerne gesehen sind, reagierten die meisten Universitäten auf diese Entwicklung und bieten Kinderbetreuungseinrichtungen rund um den Campus an. Doch leider sind die meisten Plätze dieser Einrichtungen schon vergeben, so dass es oftmals eine lange Wartelist gibt. Gerade die Betreuung von Kleinstkindern unter 3 Jahren wird dadurch erschwert. Auf Grund der langen Wartelisten und der schlechten Betreuungssituation am Wochenende schließen sich vielerorts Eltern zusammen, die in Eigenregie die Betreuung des Nachwuchses übernehmen. So weiß man die Kleinen auch während des Blockseminars am Wochenende gut versorgt.

Übrigens: Zur Sicherheit sollte sich schon vor der Geburt um einen Betreuungsplatz gekümmert werden.

Kinder kosten Geld!

Als Student ist das Geld ohnehin oft knapp – unbezahlbar scheinen da Windeln und Kinderspielzeug. Doch es gibt eine ganz Reihe von Formen der staatlichen Unterstützung. Bezuschusst werden Studenten mit Kind durch BAföG, Elterngeld, Kindergeld und Wohngeld. Die Höhe des staatlichen Zuschusses ist situationsabhängig. Die finanzielle Absicherung der Studenten bleibt ein heikles Thema. Viele Studenten versorgen sich selbst, indem 58 Prozent von ihnen einen Nebenjob annimmt. Eine zusätzliche Belastung zum ohnehin stressigen Alltag. Jasmin hingegen kann sich glücklich schätzen. „Das Gehalt meines Mannes reicht für uns drei. Ich bin sehr froh, dass wir keine Geldsorgen haben. Neben der Uni und Laura noch arbeiten zu gehen würde ich mir nicht zutrauen.“

Übrigens: Studenten mit Kind werden in der Regel von Studiengebühren befreit.

Studieren mit Kind birgt auch einige Vorteile. Die Flexibilität während des Studiums hat man im späteren Arbeitsalltag nicht mehr. Zumal Frauen mit Kindern dem Arbeitgeber attraktiver erscheinen. „Ausfallszeiten, die durch Schwangerschaft, Elternzeit und fehlende institutionalisierte Kleinkindbetreuung entstehen, fallen weg, wenn die Kinder schon da sind. Außerdem zeugt es doch von Willenskraft, Durchhaltevermögen und Organisationstalent, wenn Studium und Mutterschaft erfolgreich miteinander kombiniert werden konnten“, erklärt Jutta Gemeinhardt.
Wer also mit Kind sein Studium bestreiten will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dies durchaus machbar ist, aber alles andere als ein Kinderspiel!

Kristin Weinstock

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