Lernen wie eine Maschine – Die Vernunftdroge

„Wir leben in einer nervösen Welt“, sagt Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie in Zürich, und erklärt sich das Phänomen Ritalin durch seine Koffein-ähnliche Wirkung ohne nervöse Nebenwirkung. In einer Zeit in der massenweise Mittel auf den Markt geschwemmt werden, die sich ihre Anwendung noch suchen müssen, könnte Ritalin, das schon 1954 entwickelt wurde, heute in jedem Supermarkt gleich nach den Vitamintabletten stehen, deren Wirkung auch immer umstrittener wird. Kann man das wollen? Die sich unmittelbar anschließende und ebenso entscheidende Frage ist ob man die Freiheit hat zu entscheiden – und da wird es gesellschaftskritisch! Was nützt die Moral dem Wesen, das in dieser Leistungsgesellschaft einen Platz ergattern muss? Solange es keine greifende Regelung gibt oder es überall Doping-Kontrollen gibt, wäre man dumm nicht dem Trend zu folgen. Hier wiederholt sich 400 Jahre nachdem Thomas Hobbes seinen Leviathan geschrieben hat sein Gesetz des rationalen Egoismus in einem Gesellschaftsdrama in dem die größte individuelle Rationalität bei gleichzeitig größter kollektiver Irrationalität Wirklichkeit wird. In solch düsterer Welt muss man sich fragen: Kann ich mir es leisten meinen Kommilitonen zu trauen?

Noch vielleicht – zumindest in Deutschland und abseits der klassischen Paukfächer. Doch in Zukunft wird sich der Kreis der User vom klassischen Klientel der Manager auf alle Bereiche des Arbeitsmarktes ausweiten und die noch dunkle Ziffer derer, die auf Pharmazeutische Erzeugnisse zurückgreifen um dem Körper zu sagen wann er sich wie lange in welchem Zustand befinden soll, wird weiter steigen. Dafür sorgt eine Gesellschaft die auf Nutzenmaximierung ausgerichtet ist et pereat mundus. Mittel wie Ritalin werden mit den ausbreitenden Symptomen der Managerkrankheit ihre Anwendung finden. Als Konsequenz wären entweder Gesetze und Doping-Tests für Wissenschaft und Arbeitsmarkt notwendig oder es müsste eine breite ethische Auseinandersetzung angestoßen werden – eines wohl unrealistischer als das Andere.

Was wäre wenn Einstein Ritalin genommen hätte?

Albert war ein Chaot, griff Autorität an und war schlecht in der Schule – ein typischer Ritalin-Kandidat. Hätten wir trotzdem E=mc² oder die Relativitätstheorie, wenn er schnurstracks durch das (Bildungs-)System gelaufen wäre? Manche Leute sind einfach schneller gelangweilt, vielleicht weil sie durch mediale Reizüberflutung abgestumpft sind, vielleicht suchen sie aber schlicht nach etwas Anderem, Neuem, und verstoßen deshalb gegen die Konventionen.

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2 Reaktionen zu “Lernen wie eine Maschine – Die Vernunftdroge”

  1. Emilio

    muy bien!

  2. mister tister

    Hallo, falls jemand Ritalin (Novartis,10mg) braucht,

    ich kann welches senden

    mistertister@gmx.at

    lg

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