Lernen wie eine Maschine – Die Vernunftdroge

In den USA soll schon jeder vierte Student, jeder fünfte Professor Ritalin nehmen, eine Droge, die zum Symbol einer ganzen Generation werden kann.

ritalin-worth-1000Nach dem LSD der Siebziger, dem Kokain der Achtziger und den Ecstasy-Pillen der Neunziger nimmt man heute eine Art Vernunftdroge. Statt zu rebellieren unterwirft man sich der Pflicht. Den erschreckenden Zahlen nach wäre es an der Zeit über Konsequenzen nachzudenken, denn die könnten nicht nur im universitären Bereich fatal sein.

Konzentrationsprobleme? Kenne ich. Die Volksweisheit in die Bibliothek zu gehen ist mir auch bekannt, doch löst das nicht mein Problem der Konzentration. Ich studiere Philosophie, das heißt Lettern, Sätze, Werke und ideelle Zeitalter. Bevor jedoch eine Erkenntnis den Hürdenlauf der Ablenkung besteht und nicht vorher auf der Strecke bleibt, vergeht eine Menge Zeit. Zeit zum knüpfen von Assoziationsketten, die nichts mit der Arbeit zu tun haben aber unaufhaltsam sind. Ich brauche nicht einmal aus dem Fenster zu schauen, der vorliegende Text kann genauso durchlässig sein für meinen Konzentrationsstrahl, sodass ich oft erst nach einem Absatz realisiere, dass ich mir beim Lesen scheinbar nicht einmal selbst zuhören konnte. Die Träume oder Grübeleien die stattdessen den Geist beschäftigen – es sind zwecklose Tätigkeiten, die einem zudem auch nicht glücklich machen – im Gegenteil.

Diese Konfusion führt zu der allgemein bekannten Prokrastination, dem Handlungsaufschub, und hat mein Studium zum Kampf gegen mich selbst gemacht. Doch mit Erleichterung wie Schrecken sehe ich, dass es offensichtlich immer mehr Leuten und – wie ich jetzt fürchte – bald der gesamten Zivilisation, als ihre Krankheit, zum Problem werden kann! Denn eine scheinbare Lösung des Konzentrationsproblems wurde schon erkannt. In den USA etwas früher als hier, doch auch in Deutschland scheint es eine zunehmende Dunkelziffer derer zu geben, die einen Beipackzettel mit der Warnung eines „plötzlichen Todes“ und „anderen ernsten Nebenwirkungen am Herz-Kreislauf-System“ einfach übersehen will. Vielen Eltern wird dagegen die Hauptwirkung dieses schwachen Kokains bekannt sein – die Zahl der hyperaktiv erklärten Kinder scheint mit dem Bekanntheitsgrad des Wundermittels Methylphenidat proportional zu steigen. Ungeachtet der ADHS-Hypothese hat sich jedoch bereits ein weitaus größerer Absatzmarkt gebildet, der für mehr Leistung einiges in Kauf nimmt.

Was unterscheidet die Wissenschaft vom Sport? In erster Linie geht es um Erkenntnis, nicht um Gewinnen. Doch was kann einem das Wert sein, wenn zum Schluss die Note des zeit-knappen Bachelors zählt? Hier wird der ehrliche und eigentliche Student nicht nur zum Dummen, der Teufelskreis, in dem den erfolgreichen Robotern nur noch stigmatisierte Verlierer gegenüberstehen, wird sich auch immer weiter zuspitzen. Denn wenn gedopt wird verschlechtert sich mittelfristig das relative Maß der Leistung derer, die nicht dopen. Das ist nicht nur unsportlich, sondern führt uns in ein Zeitalter in welchem die technische Verbesserung des Menschen nicht nur erwünscht, sondern ohne Alternativen ist.

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2 Reaktionen zu “Lernen wie eine Maschine – Die Vernunftdroge”

  1. Emilio

    muy bien!

  2. mister tister

    Hallo, falls jemand Ritalin (Novartis,10mg) braucht,

    ich kann welches senden

    mistertister@gmx.at

    lg

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