Die Pop- Ikone vom Centre Court

Als rebellischer Superstar ist Andre Agassi in die Annalen eingegangen. Mit neonfarbenen Radlerhosen und abgeschnittenen Jeans hat er in den achtziger Jahren die weiß bekleidete, konservative und elitäre Tennisgemeinschaft aufgemischt. Zwischen Perfektionismus und Selbstzerfleischung gewann er insgesamt acht Grand-Slam-Turniere und bis dato als einziger Tennisspieler den Career Golden Slam.
"Open- Das Selbstporträt" von Andre Agassi“Open- Das Selbstporträt” von Andre Agassi


In seinem autobiographischen Werk Open stellt Andre Agassi schonungslos und mit einer großen Portion Ironie sein Leben als Tennisstar dar. Schon in der frühen Kindheit wurde er vom dominanten Vater mittels einer selbstgebastelten Ballmaschine malträtiert, die in ihm enormen Hass, aber auch besonderen Ehrgeiz hinsichtlich des Tennisspielens auslöste. Mit elf Jahren wurde Agassi in ein Tennisinternat gesteckt, in dem er sich von Anfang an unwohl fühlte. Aus einem Rebellionsgeist heraus fing er an, sich wie ein Punk zu kleiden und lackierte seine Fingernägel rot, was in der Öffentlichkeit und in seiner Familie auf Empörung und Unverständnis stieß.

Obwohl seine Stimmung sehr schlecht war, wurde sein Ballspiel immer besser und er begann, sich auf dem Olymp des Tennisspiels hochzuarbeiten. Durch hartes Training gelang es Agassi nach langem Kampf, Weltranglistenerster zu werden, doch seine Selbstzweifel schienen ihn zeitweise fast aufzufressen. Sein unbändiger Ehrgeiz peitschte ihn in seiner Tenniskarriere voran, hinderte ihn aber auch nach jeder Niederlage daran, wieder auf die Beine zu kommen. Dem Druck und seinen Depressionen nicht gewachsen, begann er Drogen zu konsumieren, was den Amerikaner beinahe seine Laufbahn gekostet hätte. Erst seine Beziehung zu Steffi Graf, für die er schon immer große Bewunderung hegte, ließ ihn ruhiger und ausgeglichener werden. Als ältester Tennisspieler im Dienst verabschiedete sich der damals 36- jährige schließlich vom Center Court.

Ebenso wie Agassis Abschiedsrede, gehalten bei seinem letzten Turnier, ist auch sein Selbstporträt bewegend, offen und mutig. Das Buch Open ist sehr unterhaltsam und leicht verständlich geschrieben. Neben den spannenden Beschreibungen seiner Matches und seines Privatlebens enthält das Werk auch einige Enthüllungen. Diejenigen unter uns, die den Paradiesvogel damals auf Grund seiner außergewöhnlich langen Mähne bewunderten, werden überrascht sein. Agassi gesteht, dass seine Haare nicht echt waren, er vielmehr schon als junger Mann unter Haarausfall litt und daher ein Toupet tragen musste. Mit viel Witz beschreibt er, wie er bei jeder Partie aus Angst davor zitterte, dass die Perücke vom Kopf fallen könnte und sein Geheimnis gelüftet werden würde. Nun, zehn Jahre später, geht er wie damals als Tennisspieler in die Offensive, nimmt den Leser an die Hand und vertraut ihm die geheimsten Dinge seines Lebens an. Als Sieger und Publikumsschwarm geht er vom Platz, in der Gewissheit, wieder einmal für Publicity gesorgt zu haben!

Für einen eingefleischten Tennisfan ist die Lektüre von Open ein absolutes Muss, aber auch diejenigen, die auf witzige und leichte Art und Weise unterhalten werden wollen, kommen auf ihre Kosten.

Ariane Dony
“Open: Das Selbstporträt” von Andre Agassi erschien im November 2009 im Droemer Knaur Verlag und kostet 22,95 €.
Eine Leseprobe gefällig?

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben