Und was macht man dann damit???

Taxi

Die Frage nach dem Studienfach kann schon mal zur Geduldsprobe werden, wenn man nach der Antwort immer wieder mit diesem einen Satz konfrontiert wird: „Ja und was kann man dann später damit machen?“ Warum gibt es so viele scheinbar unbekannte und unterschätzte Studiengänge und welche Antwort außer einem ironischen „Taxi fahren..“ kann man den Fragestellern geben?


Die StudiVZ-Gruppe „…und was macht man dann später mal damit???“ zählt momentan mehr als 6000 Mitglieder, von denen der Großteil nicht zwangsläufig Geisteswissenschaften studiert. Den Studenten geisteswissenschaftlicher Fächer attestiert man zwar gern eine fehlende Berufsperspektive, jedoch sind nicht nur sie, sondern auch Studenten weniger bekannter Studienfächer von der Frage nach den möglichen Perspektiven betroffen. Die Ursachen für diese Frage sind unterschiedlich. Zum einen ist es die Vielfalt an Studiengängen, deren Bezeichnung selten Rückschlüsse auf ihren genauen Inhalt liefert und zum anderen werden bestimmten Studienfächern, wie den bereits erwähnten Geisteswissenschaften, in unserer Gesellschaft generell fehlende Berufsaussichten und Chancen zugeordnet.

Die Vielfalt an neuen Studienmöglichkeiten hängt mit der Veränderung der Universitäten und der Lehre an sich zusammen. Wo früher nur Jura, Medizin und Naturwissenschaften gelehrt wurden, weht längst ein anderer Wind. Außerdem spielt eine Veränderung des Arbeitsmarktes eine große Rolle, die bei vielen die Frage aufwirft, ob ein bestimmtes Studienfach denn sinnvoll sei. Die Rate an arbeitslosen Akademikern steigt, denn ein abgeschlossenes Hochschulstudium gewährt längst keinen sicheren Job mehr. Die Frage nach dem Sinn des Studiums stellen sich also auch oft die Studenten selbst, unabhängig aus welchem Fachbereich. Auch die Universitäten tragen meist nicht zur Lösung der Verwirrung bei.

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Der Begriff der Universität steht seit dem europäischen Mittelalter für eine Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden, für einen Ort der Allgemeinbildung. Seitdem wurde das Universitätswesen immer wieder reformiert, was in Deutschland ganz offensichtlich noch kein Ende gefunden hat. Wen wundert es da, dass selbst diejenigen, die gerade studieren, längst den Überblick über Hochschulpolitik und die verschiedenen Studienfächer verloren haben. Doch eins ist klar, die Zeiten der klassischen Lehre, in denen es nur wenige, klar definierte und strukturierte Studiengänge gab, sind vorbei. Es entstehen neue Studiengänge, die den Inhalt verschiedener Fächer miteinander verbinden, wie zum Beispiel die Wirtschaftswissenschaften, die Elemente aus der VWL, der BWL und der Soziologie vereinen. Der Aspekt der Allgemeinbildung im Studium tritt in den Hintergrund, um der stärkeren Berufsqualifizierung und spezifischen Ausbildung den Vortritt zu überlassen. Die neuen Studiengänge verbinden Fächer und Themenbereiche, die von Natur aus oder aus Anwendungsgründen miteinander verbunden sind, wie etwa Geschichte mit Politikwissenschaft und Philosophie. Da viele dieser Studiengänge noch nicht allzu lange existieren, sind ihre Absolventen in der freien Wildbahn der Wirtschaft oftmals noch rar gesät und werfen Fragen bei vermeintlichen Arbeitgebern auf. Doch eine Erklärung hilft hier meistens weiter, schließlich liegen die Vorteile von innovativen Studiengängen klar auf der Hand. Sie ermöglichen es ihren Studenten, den Tunnelblick auszuschalten und mehr als die eigenen Fachgebiete im Auge zu behalten und zu verbinden. Somit bleibt den Opfern der berüchtigten Frage nur eins: tief durchatmen, lächeln und erklären wie individuell und besonders der eigene Studiengang eigentlich ist.

Sonja Maurer

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