Journalist – ein Traumberuf?

Zeitung1Spannende Reportagen schreiben, wichtige Persönlichkeiten interviewen und durch die Welt reisen: der Beruf des Journalisten ist für viele Menschen der Traumberuf schlechthin. Kaum ein Berufswunsch ist heutzutage so populär. Laut einer Untersuchung der Universität Hamburg aus dem Jahr 2005 gibt es in Deutschland rund 48 000 hauptberufliche Journalisten, festangestellt sind davon circa 36 000. Anhand dieser Zahlen ist schon ersichtlich, dass die Konkurrenz nicht schläft und die Anforderungen hoch sind.

Wer Journalist werden will, muss hart arbeiten, denn Journalist ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Demnach bieten sich verschiedene Möglichkeiten in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen. Nach dem Hochschulabschluss kann man entweder ein Volontariat absolvieren, sich für ein Aufbaustudium Journalistik bewerben oder eine Journalistenschule besuchen. Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Journalistenschulen, die wichtigsten und bekanntesten sind die Burda Journalistenschule in München und Offenburg, die Axel Springer Akademie Berlin, die Bayrische Akademie für Fernsehen, die Berliner Journalistenschule, die Deutsche Journalistenschule und die RTL Journalistenschule für TV und Multimedia. Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass die Bewerberzahlen sehr hoch und die Kapazitäten der Schulen eher gering sind. Verdeutlicht wird dies in der Klassenstärke der oben genannten Schulen, denn diese beträgt im Durchschnitt 20 Schüler. In der Regel wird anhand von Arbeitsproben und Lebensläufen eine Vorauswahl getroffen. Hat man diese Hürde gemeistert, kommen dann die strengen Testverfahren und Auswahlgespräche. Danach wird entschieden wer seine Chance am Schopfe packen kann und für meistens zwei Jahre die Journalistenschule besuchen darf.

Bei der Vergabe eines Volontariates gibt es unterschiedliche Auswahlkriterien. Die größeren Verlage haben Testverfahren entwickelt, die kleineren treffen ihre Entscheidungen anhand der Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgespräche. Sicher ist: je mehr praktische Erfahrung man mitbringt, desto höher sind die Chancen auf ein Volontariat.

Mike Bartel ist der Chefredakteur des Pforzheimer Kuriers, Kolumnist und Autor. Er hat KA.mpus einige Fragen zum Thema Journalismus beantwortet.

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KA.mpus: Könnten Sie unseren Lesern Ihren Werdegang beschreiben? Wie kamen Sie zu Ihrer ersten Arbeit als Journalist? 
Bartel: Mein Werdegang ist teilweise sehr untypisch. Mit Mittlerer Reife das Gymnasium zu verlassen und dann unmittelbar anschließend ein Volontariat zu machen – das wäre heute unmöglich. Und schon damals, Anfang der 1980er Jahre, war ich der absolute Ausnahmefall. Mein großes Plus war, dass die große Regionalzeitung, bei der ich das Volontariat bekam, mich schon als freien und talentierten Mitarbeiter kannte. Das gilt auch heute noch: Wer Journalist werden will, sollte sich so früh wie möglich um Praktika und freie Mitarbeiterschaft bemühen. Zu meinen ersten Aufträgen kam ich ganz einfach dadurch, dass ich zunächst mal ein paar Berichte und Bilder über Ereignisse von unserer Schule an die Redaktion geschickt habe. Und dann habe ich gefragt, ob ich nicht auch über andere Ereignisse und Themen berichten darf. Zum Glück ging das dann auch.   

KA.mpus:Wollten Sie schon immer Journalist werden? 
Bartel: Mit dem Gedanken, Journalist zu werden, habe ich schon seit dem Wechsel aufs Gymnasium in der fünften Klasse gespielt. Ich habe dann auch ziemlich schnell eine Schülerzeitung gegründet und für diese eigene Artikel geschrieben. Mit 14 Jahren habe ich angefangen, für lokale Tageszeitungen zu schreiben und bald war ich als freier Mitarbeiter so beschäftigt, dass die Schule immer mehr darunter gelitten hat.

KA.mpus: Was verdient man als Journalist in der Regel? 
Bartel: Laut Gehaltstarifvertrag für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen erhalten Volontäre im ersten Ausbildungsjahr, wenn sie älter als 22 Jahre sind, monatlich 1.755 Euro, im ersten Berufsjahr als Redakteur verdient man 2.987 Euro und das steigert sich dann bis hin zu beispielsweise 4.401 Euro im elften Berufsjahr.   

KA.mpus: Für viele ist der Beruf des Journalisten ein Traumberuf, ist dies bei Ihnen auch noch so? 
Bartel: Ich kann mir für mich keinen schöneren Beruf vorstellen. Es wird nie langweilig, ich lerne immer wieder neue Menschen kennen und mache interessante Erfahrungen, die meinen Horizont erweitern. Außerdem passt die Arbeit des Journalisten genau zu dem, was ich am besten kann und am liebsten mache: Lesen und Schreiben – und mit anderen Menschen sprechen.    

KA.mpus:Was würden Sie den jungen Leuten raten, die gerne diesen Berufsweg einschlagen möchten? 
Bartel: Möglichst früh Praktika machen, um herauszufinden, ob das wirklich etwas für sie ist. Und sich dann auch mit Menschen, die diesen Beruf schon länger ausüben, über dessen Vor- und Nachteile unterhalten. Zu den Nachteilen gehört beispielsweise, dass man oft auch abends oder am Wochenende arbeiten muss.

Auch wenn es ein langer Weg zu einem Top-Journalisten ist, die harte Arbeit lohnt sich. Denn wie heißt es so schön? Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben. Also ran an die Feder!

Amanda Kollross

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