Was wird aus The Patricks? Die Band im Gespräch

alle-geschminkt
KA.mpus: Seit ihr schon so eingespielt, dass ihr mit Fehlern, die auf der Bühne passieren, gut umgehen könnt oder kommt ihr da schon noch ab und zu ins Straucheln?
Sir Henry: Mittlerweile macht uns das keine Probleme mehr. Wir sind ja auch schwer Betablockerabhängig, da bringt uns nichts so leicht aus der Rolle.

KA.mpus: Wer gibt bei euch den Ton an?
Cecil b: Ich mache die Öffentlichkeitsarbeit und organisiere die meisten Auftritte. Wir hatten zwar mal ne Managerin, die ihren Job echt gut machte, aber jetzt ist das ja auch hinfällig.

KA.mpus: Im Sommer dieses Jahres habt ihr auch schon unplugged gespielt. Erzählt doch mal, wie das für euch war und vor allem – kam es gut bei den Hörern an?
Cecil b: Das war im Zuge der Pop-Open in Stuttgart. Da spielten wir auf der Straße. Logistisch war das nicht schlau gemacht. Die stellten uns auf die Fußgängerzone an eine möglichst windige Stelle und sagten “Spielt!”. Nur wenige Passanten fanden es gut.

KA.mpus: Mit Milk Me habt ihr euer erstes Studioalbum veröffentlich. Sind weitere in Planung?
Sir Henry: Leider nicht. Obwohl wir noch ziemlich viel unveröffentlichtes Material in petto haben. Wir haben einige schöne Balladen und weniger rockige Songs, die noch keiner kennt.
Cecil b: Schöne handgemachte Musik, die den Jurys bestimmt gut gefallen würde.
Sir Henry: Wir wollten auch schon mal ein Konzert geben, auf dem wir in der ersten Hälfte unsere bekannten Songs spielen würden – verkleidet versteht sich – und in der zweiten Hälfte mit ernsterer Musik aufwarten wollten. Alle seriös und Cecil b würde aussehen wie Roger Cicero. (alle lachen)

copkillah

Copkillah

KA.mpus: Steigt es euch zu Kopf, wenn ihr die wildgewordenen Mädels vor der Bühne tanzen seht oder lässt euch das eher kalt?
Sir Henry: Roxy hat nen geilen Arsch!
Timecut: Das ist fast so wie Internetpornografie. Aber die machen mich ja auch nicht an.
Cecil b: Wir binden uns vor jedem Konzert die Klöten ab, damit wir uns nicht irritieren lassen und uns einzig auf die Musik konzentrieren können.

KA.mpus: Wenn man so eure Myspacesite anschaut, gibt es viele schöne aber vor allem bizarre Bilder von euch zu sehen. Wäre es falsch zu sagen, dass ihr im Laufe der Zeit alle einen kleinen Verkleidungstick entwickelt habt?
Sir Henry: Definitiv haben wir das!
Timecut: Nichts passt besser zu der Musik als verranzte Kleidung. Wir haben aber auch schon unverkleidet gespielt.
Butterfly: Auch das ist schon mal geschehen.
Cecil b: Als wir mal in Freiburg spielten, da wollten wir die ganzen Geisteswissenschaftsstudenten ärgern. Die wollten Hard Core hören und wir hatten uns alle als Wolfgang Pertys verkleidet und dann auch noch ne 8-minütige Freejazzvorstellung geliefert.

KA.mpus: Bei der einen oder anderen Vorstellung von euch habt ihr auch schon mal eure blanken Hintern gezeigt. Gehört das einfach dazu oder sind das bereits die ersten Anzeichen von sich anbahnenden Starallüren?
Cecil b: Auf jeden Fall, das sind Starallüren, ganz klar.
Sir Henry: Das ist gesunder Exhibitionismus.

KA.mpus: Ihr habt es ja 2007 schon auf Das Fest geschafft. Hat dieser Auftritt euch noch mehr Fans eingebracht?
Sir Henry: Mit Sicherheit. Das war ein sehr gut besuchtes Konzert und die Leute hatten Spaß. Das Zelt tobte, was keiner von uns erwartet hatte.

KA.mpus: Was tut ihr um mehr Präsenz zu erwirken, so dass man eure Songs vielleicht auch mal im Radio hört?
Timecut: Im kleineren Rahmen sind die Leute meist auf uns zugekommen. Wir hatten eigentlich gar keine Intention. Meist war es Glück. Die Leute kommen auf uns zu und nicht andersherum. Ansonsten gibts den ein oder anderen DJ in Karlsruhe, der unsere Lieder auch schon mal in der Kneipe oder im Club spielt.

KA.mpus: Euer Frontmann und Sänger Cecil b zieht ja jetzt nach Berlin. Was bedeutet das für die Zukunft der Patricks?
Sir Henry: Viel entscheidender ist momentan, dass unser Gitarrist Timecut und unser Bassist Butterfly aussteigen. Aus studiumstechnischen Gründen finden beide gerade keine Zeit mehr.
KA.mpus: Für immer?
Butterfly: Nein, wir haben vor, uns trotzdem noch so oft wie möglich zu treffen.
Sir Henry: Uns gibt es nur in dieser Konstellation, wie sie jetzt ist. Die zwei Abgänger haben in Zukunft viel mehr den Status von Gastspielern. Und The Patricks sind wohl vorerst einmal gestorben.
Cecil b: Auf jeden Fall muss gesagt sein, dass es The Patricks nur in dieser Besetzung geben kann. Wir waren zwar auch schon mal zu sechst, aber Professor Onz hat uns früh verlassen.
Sir Henry: Das lustige ist: immer wenn man einer unseren Jamsessions beiwohnt – da nicht alle anwesend sind – kommt immer etwas ganz anderes dabei heraus. Uns kann es nur so geben, selbst wenn wir wollten können wir keinen anderen zu The Patricks mit an Bord nehmen. Das Patricksgefühl gibt es nur zu fünft.

KA.mpus: Wie wird die Kommunikation aussehen, wenn die Bandmitglieder so weit voneinander getrennt sein werden?
Cecil b: Sir Henry, Copkillah und ich machen erst einmal weiter. Das wird so aussehen, dass die zwei in erster Linie Schlagwerk machen und für die Synthesizer zuständig sind. Es wird sehr digital werden. Jede Probe wird aufgenommen werden. So können wir uns das gegenseitig hin und her schicken.
Sir Henry: Es wird halt schwierig mit Livegeschichten.
Cecil b: Da ich immer noch im Theater mitspiele, werde ich nach wie vor des Öfteren in Karlsruhe sein. Einmal im Monat für ein paar Tage.
Sir Henry: Es wird auf jeden Fall eine Arbeitsteilung geben. Cecil b schreibt Texte, wir anderen komponieren und in der wenigen Zeit, die wir haben, versuchen wir sowohl zu proben, als auch live aufzutreten.
Cecil b: Die Texte werden hauptsächlich deutsch sein.
Sir Henry: Das heißt die drei Gründungsväter machen weiter unter neuem Namen. Wir sind auch nicht mehr Sir Henry, Cecil b oder Copkillah. Die neue Musik darf man sich nicht mehr als exponierte Rockmusik vorstellen, sondern als klangliches Phänomen. Bis jetzt ist das Ganze sehr psychedelisch. Es kann aber gut sein, dass wir sehr geradlinig werden. Die Besetzung ist nicht festgelegt und wir wollen es vermeiden, dass immer ein und derselbe das gleiche Instrument spielen wird. Soviel sei schon mal gesagt, der Looper wird ein wichtiges Instrument darstellen.

KA.mpus: Euer eigentlich letztes Konzert war am 11.09.09 in der Fleischmarkthalle. Hatte das Konzert an diesem bedeutungsvollen Datum die erwartete Einschlagskraft?
Butterfly: Tendenziell ja, allerdings sind keine zwei Türme gefallen.

basil-harmonika

Sir Henry

Sir Henry: Es machte auf jeden Fall Riesenspaß. Bei unserem Song Naked Gardeners hatten wir einen Gastauftritt, da ein Freund von uns, der selbst Gärtner ist, nackt und vor begeistertem Publikum zuerst einen kleinen Baum eintopfte, um ihn kurz danach mit einer Kettensäge wieder niederzumetzeln.

(vorherige Seite)

  1. Page 1
  2. Page 3
  3. Kompletten Artikel anzeigen
(nächste Seite)

Seiten: 1 2 3

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben