To learn or not to learn. Ein Tag in der Bibliothek

Schlafen in der Bibliothek

Gerade hat man es geschafft, das Semester ist vorüber und monatelange Semesterferienwarten nur darauf mit Sonne, Strand und Fröhlichkeit gefüllt zu werden. Von wegen: Für uns Studenten ist das noch lange kein Grund zum Faulenzen.

Dafür belegt einfach zu viel Literatur den heimischen Schreibtisch, die darauf aufmerksam macht, dass Unmengen von Klausuren und Hausarbeiten noch vorbereitet oder geschrieben werden müssen. Um „Ferien“ handelt es sich hier also keinesfalls mehr. Deshalb ist wohl auch der Ausdruck „vorlesungsfreie Zeit“ sehr viel passender. Der fleißige Student fügt sich in sein Schicksal und macht sich auf den Weg in die Unibibliothek, denn er weiß aus Erfahrung, dass er daheim unproduktiv ist. In der Bibliothek zu lernen oder Hausarbeiten zu schreiben ist aber schwerer als vermutet. Und auch unterhaltender.

Der müde und völlig unmotivierte Student macht sich also um 11 Uhr morgens (früher wäre einfach unzumutbar) auf den Weg in die Bibliothek, nur um dort sogleich festzustellen, dass alle Plätze belegt sind. Auf den meisten Tischen liegen nur ein paar strategisch verstreute Blätter, Stifte und ein aufgeschlagenes Buch, um den raren Platz zu besetzen. Die Eigentümer genehmigen sich wahrscheinlich gerade ein ausgedehntes Frühstück samt Mittagessen und kommen erst Stunden später wieder an ihren Platz.
Irgendwie findet man jedoch immer ein kleines Tischchen. Bevor sich der Student aber seiner Aufgabe widmen kann, gilt es erst einmal die aktualisierten Profile aller Freunde auf StudiVZ zu begutachten. Andere loggen sich auch in Facebook ein und verhelfen ihrer Farm zu mehr Ertrag oder erschießen mit Don Carlos ein paar Typen der gegnerischen Mafiabande. Dies kann allerdings nicht ewig so weitergehen und man macht sich leise stöhnend an die Arbeit. Manche machen es sich dabei bequem wie auf der heimischen Couch, fläzen sich in den Stuhl und ziehen erst einmal die Schuhe aus. Dabei wird auf die Nase des Nachbarn keine Rücksicht genommen.

Nach arbeitsintensiven 20 Minuten beschließt man schließlich in der Bibliothek nach bekannten Gesichtern zu suchen. Weil die halbe Universität da ist, hat man meist auch Glück und kann ein bißchen plaudern. Doch kaum hat man angefangen, schon erblickt man böse mahnende Augen, wenn nicht sogar irgendein übermotivierter Student daherkommt, der einen zur Ruhe mahnt, obwohl ihn etwa 20 Meter Luftlinie vom störenden Lärmpegel trennen. Da fragt man sich unweigerlich, ob er die Ohren einer Fledermaus hat oder ob man selbst wirklich mit einem solch durchdringenden Organ gestraft ist.

Wegen des chronischen Sauerstoffmangels, der schlechten Luft – wir erinnern uns an die luftigen Füßchen – und der daraus resultierenden Müdigkeit sieht man immer mehr Studenten, die völlig erschöpft von den letzten zehn Stunden lernen oder der Party vom Vortag mit dem Kopf auf ihre Bücher sinken und in eine Art komaähnlichen Zustand verfallen. Selbst fallen einem auch schon die Augen zu und so hat man keine andere Wahl als zur nahen Cafeteria zu schlendern und sich erst mal einen Kaffee zu gönnen. Dann schlendert man mit dem heißen Getränk gemächlich zurück, aber auch nur bis einem siedend heiß einfällt, dass in der Bibliothek keine offenen Getränke erlaubt sind. Der Weg nach oben wird dann zu einer mission impossible. Der Student versucht das dringend benötigte Koffein irgendwie an den wachsam Ausschau haltenden Mitarbeiter vorbei zu schmuggeln, versteckt sich hinter Computern und Pflanzen und hastet schließlich die Treppen wieder hoch. Dabei fühlt man sich als würde man die Zugspitze besteigen, die Luft wird dünner, die Schritte kraftloser und die Treppen dennoch immer endloser.

Als man sich, oben angekommen, dann endlich von seinem Asthmaanfall erholt hat, stellt man entsetzt fest, den Bildschirmschoner nicht geändert zu haben und gerade flackern lustig die Bilder des letzten Urlaubs auf dem Display und die Studenten, die hinter einem sitzen, können nun die Fotos bewundern, auf denen nicht nur man selbst, sondern auch die Freunde leichtbekleidet am Strand entlang hüpfen.
So bleibt nichts anderes übrig, als fluchtartig sein Hab und Gut zu packen und ein wenig mit sich zu hadern, weil das Tagespensum natürlich nicht erreicht wurde. Jetzt geht es auf jeden Fall erst einmal heim, denn am Abend steigt eine Party und da heißt es ordentlich vorschlafen, um am nächsten Tag in der Bibliothek viel produktiver zu sein als heute.

Sandra Wienke

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Eine Reaktion zu “To learn or not to learn. Ein Tag in der Bibliothek”

  1. Horst Oliver

    Volle Zustimmung – alle relevanten Fakten und Tatsachen sind genannt!

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