Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore

KAmpus: Und wie ist es in Deutschland als Hardcore-Band?
Sebastian: Du fährst oft stundenlang zu einem Auftritt hin, musst aufbauen, warten, bis man an der Reihe ist, spielen, abbauen und hier ausladen und dann ist man meist erst sechs Uhr morgens wieder zuhause. Der Aufwand ist um einiges größer als der finanzielle Verdienst. Ich musste dieses Jahr sehr viel Urlaub nehmen, um Shows spielen zu können.
Michael: Man muss schon ideologisch dahinter stehen und mal Plus-Minus-Null rauszukommen ist schön.
Sebastian: Es steckt schon sehr viel dahinter.
Michael: Wir sind ja auch nicht darauf aus…
Sebastian: Doch! Black Jack und Nutten! (Lacht.)

KAmpus: Und wie steht es um deutsche Labels?
Mirko: Gibt’s keine. (Lacht.)
Michael: Es gibt ein paar Labels, aber das sind so Klüngelgeschichten, wo man in erster Linie über Vitamin B reinkommt.
Thomas: …oder sie merken, dass sich die Musik gut verkaufen lässt. Sie sind meist nicht sehr experimentierfreudig.
Michael: Wir haben zwar versucht, bei ein paar Labels anzufragen, haben dann aber die erste Platte in Eigenproduktion gemacht, weil wir kein Label gefunden haben. Die zweite, Zur Vernunft begabter Mensch, ist bei Deaf Cult, einem österreichischen Label in Salzburg entstanden. Die betreiben das Ganze mit sehr viel Herzblut und schielen nicht auf Gewinn.
Thomas: In der deutschen Hardcore-Szene gibt es auch viele Bands, die einen auf gut Kumpel machen, nur weil sie denken, du könntest ihnen nützen.
Sebastian: Oberflächlichkeit und Fashion sind sehr groß in der Szene.
Mirko: Egoismus auch.
Thomas: Andererseits gibt es auch viele tolle Leute, die aufrichtig, mit offenem Herzen und einfach nur gut sind, bei denen man sich freut, sie zu sehen. (Zustimmung von allen.) Das sind Bands, die dann auch mal auf Konzerten von dir sind, obwohl sie an dem Abend nicht spielen, sondern einfach so im Publikum stehen, wie zum Beispiel die Jungs von Man The Change aus Mannheim oder eben Todd Anderson.
Sebastian: Oder wie gestern We Had A Deal.

“Wenn die Hoffnung sich zerschlug – wann und wo sie auch entfloh’n:
Ob bei Nacht im Schattenflug, ob am Tage als Vision,
war sie darum wen’ger Trug?“ (Traum im Traum)

"Kaishakunin" am 31.01.09 in der "Alten Hackerei" in Karlsruhe (Foto: Michael Gebhardt)

KAmpus: Wie sieht die Zukunft für euch aus?
Thomas: Wir machen weiter, weil wir Spaß daran haben und werden auch so lange weiter machen, wie wir Spaß daran haben. Geld verdienen werden wir damit nicht.
Sebastian: Wir wollen an die Leute weitergeben, sich auf das zu besinnen, was wirklich zählt.
Thomas: Musik sollte nicht mehr nur als Konsumgut oder etwas Austauschbares gesehen werden, nicht als etwas, das man an- und ausmacht, sondern als etwas, das einen begleitet. Das klingt schmalzig, aber Musik ist eine Herzensangelegenheit.

KAmpus: Vielen Dank für das Interview.

Miriam Bußkamp
Link zu Kaishakunin bei Myspace: http://www.myspace.com/thekaishakunin
Link zu Kaishakunin bei Last.fm: http://last.fm/music/kaishakunin
Link zu Kaishakunin bei Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=EjghzOXm8mg
Link zu Kaishakunin in der Visions: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=28035168&blogId=370112894

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Eine Reaktion zu “Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore”

  1. Denis

    Gelungenes Interview für eine unglaublich gute Band:)

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