Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore

„Bewegung im Stillstand – ein Leben nah der Null-Linie. Ein Schritt zu viel – die Gleichung kippt.“ (Entropie)
"Kaishakunin" am 26.09.08 im "Gotec" in Karlsruhe (Foto: Michael Gebhardt)
KAmpus: Mal abgesehen von den Texten – woher nehmt ihr euch Inspiration?
Michael: Von Bands, die wir gut finden. Wenn ich ein Riff schreibe, arbeite ich sehr lange daran und das, was ich behalten kann, wird dann genommen.
Thomas: Am Anfang steht quasi nur eine grobe Idee, ein Gefühl, das der Song transportieren soll. Du gehst in den Proberaum und von Woche zu Woche wird der Song mehr. Wir brauchen Wochen, manchmal Monate, für einen neuen Song.
Michael: Das liegt aber auch daran, dass wir alle sehr weit auseinander wohnen und leider nicht so oft proben können.

KAmpus: Wie seht ihr den deutschen Hardcore im Gegensatz zum amerikanischen?
Thomas: Puh, das ist schwierig und nichts, was man so pauschal sagen kann. Man merkt manchmal, wie manche Labels sich auf Bands des gerade angesagten Subgenres schmeißen und dann den Markt mit Platten überfluten. Und diese Platten verkaufen sich, obwohl sich oft zig andere Bands genauso anhören.
Auf der anderen Seite hast du die kleinen Labels, die über Jahre konstant Einzigartiges herausbringen…
Wenn man aus Deutschland kommt und die eigene Kohle in solch ein Projekt stecken muss, kommt dabei nicht viel rum.
Michael: Ich finde aber, es kristallisiert sich gerade eine deutschsprachige Hardcore-Szene heraus, die eine Wende bewirkt, sodass eben nicht nur amerikanische Bands erfolgreich sind.
Thomas: Deutsche Bands haben lange versucht, immer nur Abklatsch von irgendwelchen amerikanischen Bands zu sein und heute ist es so, dass sich da ein neuer Stil entwickelt, mit Bands wie Todd Anderson, Escapado und Ende-aus. Es ist schön zu sehen, dass es mittlerweile nicht nur noch Kopien gibt.

„Brustenge beim Gedanken an Morgen, Atemzug für Atemzug schwindet Wille, Gedanken bloß Fehlfunktionen“ (Pyrrhussieg)

"Kaishakunin" am 25.05.08 im "Art Canrobert" in Rastatt (Foto: Michael Gebhardt)

KAmpus: Könnte man sagen, dass amerikanische Bands vor allem deshalb erfolgreicher sind, weil amerikanische Plattenlabels viel größer sind?
Thomas: Es ist schon krass was für eine Riesen-PR-Maschine dahintersteckt. Man sieht das, wenn sich zum Beispiel amerikanische Hardcore-Bands in Tourneen größerer Künstler einkaufen. Für viele amerikanische Labels ist das einfach nur ein Geschäft, aber wie gesagt, es gibt ja auch die anderen.
Michael: Das Ganze wird finanziell ausgeschlachtet. Amerikanische Bands haben aber nicht viel davon. Das Geld geht wieder an die Labels und nicht an die Bands.
Thomas: Kleine amerikanische Bands, die mit großen Bands unterwegs sind, überleben fast nur über Merchandising.

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Eine Reaktion zu “Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore”

  1. Denis

    Gelungenes Interview für eine unglaublich gute Band:)

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