Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore

KAmpus: Wie würdet ihr eure Fans oder die Leute, die eure Musik hören, beschreiben?
Thomas: Sie fühlen und verstehen sie auf jeden Fall.
Mirko: Es gibt Leute, die finden sich eher in den brachialen Parts wieder und andere eher in den emotional-sphärischen.
Michael: Wir hören an Konzerten ganz oft: „Saucool – aber nicht mein Ding.“ Es ist aber interessant zu sehen, dass diese Leute sich wenigstens für den Moment auf unsere Musik einlassen.
Thomas: Es gibt keine Altersgruppe oder einen bestimmten Schlag Mensch, der angesprochen werden soll. Also man könnte unsere Fans nicht irgendwie in Emokids, Straight Edge- oder Hardcore-Fans einteilen. Du fährst in fremde Städte und denkst, da wird nicht viel passieren, weil dich eh keiner kennt. Und dann bist du in München oder Salzburg und da stehen Leute vor der Bühne und schreien deine Texte mit. Das berührt. Die Konzerte in Karlsruhe sind auch toll, aber oft trifft man hier auf ein eher reserviertes Publikum.
Michael: Ja, die Leute ticken nicht so aus. Allerdings sind die Konzerte besser, je enger die Räume sind, wie zum Beispiel in der Alten Hackerei. (Alle schwelgen für eine Minute in der Erinnerung an das letzte Konzert dort.)
Thomas: Es ist furchtbar, wenn man das Publikum nicht sehen kann, weil es zu viele Scheinwerfer gibt oder die Bühne zu hoch ist.
Mirko: …oder wenn das Publikum in einem 20 Meter entfernten Halbkreis vor der Bühne steht.
Thomas: Am liebsten sind mir Konzerte ohne Bühne.
Michael: Wenn es losgeht, lassen wir los. Vergessen alles um uns herum.
Thomas: Da wird dann all der Frust kompensiert und Gedanken und Gefühlswert werden kanalisiert.
Mirko: …womit wir wieder bei der Katharsis wären…
Thomas: …und beim Namen. Dahinter steckt ein freundschaftliches Prinzip, wie es eben der Kaishakunin ausführt.
Sebastian: Easy going guys. Wir sind die Nachbarn, die dir auch mal ein Päckchen Zucker leihen. (Lacht.)

Straight Edge
Straight Edge wird als Gegenkultur des Punk angesehen. In den USA begann man in den frühen 80er Jahren sich vom selbstzerstörerischen Drogenkonsum in der Szene zu distanzieren. Die Anhänger des Straight Edge verzichten also auf Drogen und häufig auch auf wechselnde Geschlechtspartner. Oft leben sie auch vegetarisch oder sogar vegan. (Bei Kaishakunin fallen hierüber sehr viele Witze, da Thomas und Michael Straight Edge und vegan leben. Die Band machte mir den Vorschlag, das Interview mit „Zwischen Tofu und Wahnsinn” zu betiteln…)

KAmpus: Wer schreibt die Texte?
Thomas: Ich.

KAmpus: Früher waren sie auf Englisch verfasst. Heute schreibst du nur noch deutsche. Woran liegt das?
Thomas: Ja, die ersten drei Texte waren auf Englisch, weil ich mich noch unwohl fühlte, deutsche Texte zu schreiben, war ja das erste Mal für mich als Sänger. Es ist anfangs ungewohnt, sich selbst klingen zu hören und dann auch noch mit Worten, die man auf Anhieb versteht. Englisch war da schon einfacher. Ab Song vier habe ich aber das Gefühl gehabt, dass ich mich auf Englisch gar nicht so ausdrücken kann, wie ich es gerne würde und dass ich das lieber auf Deutsch machen sollte.

KAmpus: Wovon handeln die Texte?
Thomas: Vom Gefühlsleben im Alltag. So doof das jetzt klingt: Von Höhen und Tiefen.
Michael: Vom Geist, in dem was nicht stimmt. (Lacht.)
Mirko: Therapie. (Lacht.)
Thomas: Irgendwie aber schon. Ich schreibe einfach das nieder, was mich gerade bewegt, deshalb sind die meisten Texte auch nicht so euphorisch. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann noch, einen fröhlichen Text zu schreiben. (Lacht.)

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Eine Reaktion zu “Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore”

  1. Denis

    Gelungenes Interview für eine unglaublich gute Band:)

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