Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore

"Kaishakunin" am 27.06.09 am "New Noise Festival" in Durmersheim (Foto: Michael Gebhardt)

Rastatt, Sonntag Nachmittag. Im Art Canrobert, dem Verein für Kunst, Musik und Jugendkultur, ist es zwar nicht ganz so sonnig wie draußen, aber dennoch sehr gemütlich. Hier bin ich mit den Jungs von der Hardcoreband Kaishakunin verabredet, deren Proberaum sich in einem Hinterzimmer des Art Canrobert befindet. Die Jungs von Kaishakunin, das sind Sänger Thomas (27, Student), Bassist Mirko (31, Schulsozialarbeiter), Schlagzeuger Sebastian (29, Produktionsmitarbeiter) und Gitarrist Michael (28, Student). Sie werden heute dem KA.mpus-Magazin ihr erstes Interview überhaupt geben, dabei existiert die Band bereits seit 2005 und hat sich in der regionalen Szene schon einen Namen gemacht. Hier kennt man ihr Album Zur Vernunft begabter Mensch. Aber auch national ist der Name Kaishakunin nicht gänzlich unbekannt, so erschienen bereits Reviews zu ihrer ersten, in Eigenproduktion entstandenen Platte in den Musikzeitschriften Visions und Rock Hard. Die Visions machte Kaishakunin im März 2008 sogar zum Demo des Monats.

Hardcore
Mit Hardcore wird meist Hardcore Punk bezeichnet, der Ende der 70er Jahre entstand und eine radikalere und schnellere Weiterentwicklung des Punkrock bezeichnet. Die Szene spaltete sich später in Old School-Hardcore, der dem Stil dieser frühen Hardcorebands treu blieb und New School-Hardcore, bei dem auch andere Stile großen Einfluss nahmen, wie zum Beispiel Metal. Heute gibt es eine Vielzahl an Strömungen, von Post-Hardcore bis Metalcore.

KAmpus: Woher kommt der Name Kaishakunin und welche Bedeutung hat er für euch und die Band?
Thomas: Der Name kommt aus dem Japanischen. Der Kaishakunin war Sekundant beim Seppuku, dem rituellen Selbstmord, der begangen wurde, um die Ehre eines Samurai wiederherzustellen. Dabei musste sich der in Ungnade Gefallene mit dem Messer auf eine vorgeschriebene Art und Weise Schnitte am Bauch zufügen. Das Ganze verlief nach strengen Regeln und er durfte dabei nicht vornüber kippen. Die Aufgabe des Kaishakunin hierbei war, ihm nach Ausführung dieser Schnitte den Hals weitgehend zu durchtrennen, jedoch nicht ganz, um einen schnelleren Tod herbeizuführen. Dabei handelte es sich um einen freundschaftlichen Dienst. Der Kaishakunin war meist ein enger Vertrauter oder Verwandter, der seinerseits ebenfalls Seppuku begehen musste, wenn er bei der Durchführung dieses Rituals einen Fehler beging.
Michael: Den Namen haben wir gewählt, da uns der damals herrschende Trend, Bandnamen mit einer Art „Angstprinzip“, also Blut, Gewalt oder Tod, zu versehen, auf die Nerven ging.
Thomas: Da der Kaishakunin ein enger Verwandter oder auch ein Familienmitglied war, ist es eine widersprüchliche Handlung. Sie ist einerseits ein schmerzhaftes Tun und andererseits eine Sache, die wichtig war und getan werden musste.
Mirko: Die Emotionen, die mit dem Namen in Verbindung gebracht werden können, sind Emotionen, die sich auch in unserer Musik wiederspiegeln. Sie ist brutal, aber gleichzeitig auch eine sehr emotionale Geschichte.
Michael: Der Name zeigt jedoch eine konsequente Haltung mit Aspekten, mit denen wir uns als Band konfrontiert sehen, gerade weil wir diese Art von Musik machen.
Dies schließt das Songwriting und die Reaktionen von sowohl Publikum, als auch Kritikern mit ein.

„Was ist Ordnung, wo beginnt der Zwang? Wie viel lähmt? Wie viel tötet?“ (Entropie)

KAmpus: Wie geht ihr mit solcher Kritik um?
Michael: Es ist egal, es trifft mich nicht.
Sebastian: Ich musste schon erstmal schlucken. Die Erwartungen, die ich an mich selbst gestellt hatte, waren sehr hoch, gerade weil ich ursprünglich aus einem anderen Genre, dem Punkrock, komme. Dadurch musste ich mich erstmal an andere Denkstrukturen und ein anderes Schlagzeugspiel gewöhnen.
Mirko: Du bist aber auch sensibel. (Grinst)
Sebastian: Ja, ich bin die “Drumerqueen”. (Lacht.)
Thomas: Wenn man Kritik bekommt, bei der man merkt, dass sich jemand nicht wirklich mit der Musik auseinandergesetzt hat, die CD nicht einmal komplett angehört hat, ist das schon zermürbend. Wir haben da Jahre an Arbeit reingesteckt, die dann zunichte gemacht werden.
Mirko: Ich würde wegen sowas aber nie den Stil ändern. (Zustimmung von allen.) Er hat aber schon recht damit, dass sich die Leute mit der Musik oft nicht richtig auseinandersetzen. Unsere Musik sollte man ganz bewusst hören.
Thomas: Manche Reviews zeigen, dass Musik zum Konsumgut verfällt. Die Produktion wird kritisiert, weil sie nicht so fett und überproduziert wie bei irgendwelchen amerikanischen Bands ist.
Mirko: Man kann das nicht von allen Reviews sagen. Klar gibt es 08/15-Reviews, aber andere gehen darauf ein und haben auch viel von unserer Musik gehört. Unsere Musik klingt nicht immer gleich. Bei mehrmaligem Hinhören kann man auch immer wieder neue Sachen raushören. Dabei kann es durchaus fundierte, negative Kritik geben, die man hinnehmen kann.
Thomas: Wir finden nicht nur die Reviews gut, die uns auch als gut bezeichnen.
Michael: Wir respektieren die Meinung eines jeden Menschen und wollen auch nicht jedem gefallen! Somit haben negative Kritiken auch ihr Gutes!

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Eine Reaktion zu “Kaishakunin und der neue deutsche Hardcore”

  1. Denis

    Gelungenes Interview für eine unglaublich gute Band:)

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