Being a student: Was zum Leben eines Karlsruher Studenten gehört

Studentenleben

Sobald sich ein wissbegieriger Schüler – nennen wir ihn Tim – dafür entschieden hat, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, wird er sich irgendwann die Frage stellen, was das Leben eines Studenten ausmacht, beziehungsweise was jeder macht und was man lieber lassen sollte.

studiVZ oder Lernverzögerungstaktik:

So wird sich Tim über kurz oder lang dafür entscheiden, sich im berühmtberüchtigten studiVZ zu registrieren. Natürlich gibt es Ausnahmen, doch meist ist man bemüht, sich baldmöglichst anzumelden und zahlreiche Freundschaften zu schließen, um seine Mitmenschen auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen und so zu zeigen, wie beliebt man ist. Und sobald Tim sich dann in seiner ersten Prüfungszeit wieder findet, wird er feststellen, wie nützlich es ist, dass er geschätzte 150 Freunde hat. Denn plötzlich werden die Fotoalben und Gruppen all seiner Freunde so interessant, dass er sich kaum davon loslösen kann.

Kleider machen Studienrichtungen:

WiwiNatürlich fällt Tim auch bald auf, dass manche Studenten ihre Kleidung anhand ihrer Studienrichtung auswählen. Deshalb benutzt auch unser Ersti fleißig die neu gelernten Bezeichnungen für bestimmte Studenten. Stehkragen ist in diesem Zusammenhang wohl die bekannteste Benennung, die zu den erlauchten Wirtschaftswissenschaftlern gehört. Die etwas lockereren Sozialwissenschaftler erkennt man meist an ihrem alternativen Stil, während die verschlossenen Informatiker eher unauffällig gekleidet sind. Bei jedem beliebt sind allerdings Chucks, die von den wahren Kennern so lange getragen werden, bis sie löchrig, zerschlissen und unter der Schmutzschicht kaum mehr zu erkennen sind.

Das gediegene Beisammensein:

KaramboNachdem Tim sich nun erstmal auf dem Campus eingelebt hat und seine Zeit zwischen den Vorlesungen nicht mehr dafür nutzt, zu den nächsten Informationstafeln zu hetzen, weil er nicht weiß, wo denn nun wieder Hörsaal 93 ist, kann sich er darauf konzentrieren, seine sozialen Kontakte zu pflegen. Mit seinen neuen Freunden kann er sich nun eine Stammkneipe auswählen. In Karlsruhe besteht glücklicherweise eine Riesenauswahl an unterschiedlichen Lokalitäten. Besonders bekannt ist das Carambolage, eine etwas (mehr) heruntergekommen aussehende Kneipe, die sich aber bei ihren Fans vor allem mittwochs größter Beliebtheit erfreut. Auch das Z10 kennt jeder Student, da er innerhalb seiner O-Phase von den verantwortungsbewussten höheren Semestern mindestens einmal dorthin geschleppt wird. Es wird von Langzeitstudenten geführt und man kann es als große Ehre betrachten, wenn man in der über der Kneipe liegenden WG einziehen darf. Natürlich wird Tim diese nie zuteil, da unser fleißiger und (noch) motivierter Student vor hat, sein Studium in Regelstudienzeit zu absolvieren. Für eingefleischte Stiletto- und Minirockträger und deren Fans ist das Agostea die passende Lokalität und wer auf Rock und Pop in niedrigen Gewölbekellern steht, sollte unbedingt den Krokokeller besuchen.

Warum Essen und Blechschilder zusammengehören:

EmailleDoch auch mit Essen will Tim versorgt werden und falls er sich einmal nicht in der Mensa in einer Schlange bis zwischen die Fahrradständer anstellen möchte, um nach 40minütiger Wartezeit festzustellen, dass das Essen ausgegangen ist, kann er auch in vielen Kneipen zum Studentenpreis essen. Zum Beispiel in den zusammengehörenden Studentenkneipen Kippe, Café Emaille und Café Bleu. Tim wird zwar bald merken, dass er sich dort nur die immer gleich bleibenden Hammerangebote leisten kann, aber er wird anfangs sowieso damit beschäftigt sein, sich alle Blechschilder an der Wand anzusehen, die auf jeden eine hypnotische Wirkung haben und ein angeregtes Tischgespräch gar nicht erst aufkommen lassen. Was nach drei langen und anstrengenden Vorlesungen wunderbar entspannend wirkt.

Coffee to Hörsaal:

KaffeeWährend den Vorlesungen wird Tim bald feststellen, dass es vielen Studenten wohl nicht möglich ist, ohne Kaffee wach zu bleiben. Eine Selbstverständlichkeit angesichts des anstrengenden, langen Tages eines fleißigen Studenten. Und so wird auch Tim bald mit seinen Kommilitonen zu den nahen Bäckereien, Campuscafeterien oder Ballermännern pilgern, sofern er nicht noch immer damit beschäftigt ist, sich den Weg zum nächsten Hörsaal zu erfragen.

Ein Mann (nicht noch) ein Wort:

Was Tim jedoch unterlassen sollte, ist das häufige Phänomen der Logorrhö, unter Freunden auch Sprechdurchfall genannt oder auch ununterbrochener Redefluss eines Menschen, der den zwanghaften Drang hat, sich verbal zu vermitteln (für die genannte Gruppe). Diese Form der Kommunikation wird von den meisten als überaus nervtötend und überflüssig empfunden und so macht man sich nicht unbedingt Freunde, wenn man seine Mitmenschen mit überlangen und hochgestochenen Reden quält.

Ich möchte ein Eisbär sein:

Bald wird Tim auch feststellen, dass seine weiblichen Kommilitoninnen ständig verschnupft über die kalten Hörsäle klagen. Denn fast überall sind die Klimaanlagen so weit aufgedreht, dass es innen bald kälter als außen ist und die Studenten erleichtert aufstöhnen, wenn sie danach endlich bei -5° C zur nächsten Vorlesung laufen können. Dieser Missstand erreicht mit dem Sporthörsaal seinen Höhepunkt, wo selbst im Sommer wohlige 10° herrschen und es wenig ratsam ist, ohne Mütze und Schal bei der Vorlesung zu erscheinen. Andernfalls drohen Erkältungen und Blasenentzündungen, während andere Studenten leichtbekleidet über das Forum hüpfen.

Und wie geht es Tim heute?

Nun hat Tim sein erstes Semester hinter sich. Er muss nicht mehr hilfesuchend über den Campus laufen und kann seine Zeit jetzt besser nutzen. Zum Beispiel damit, im AKK einen oder mehrere Kaffees zu trinken und so eine oder mehrere Vorlesungen ausfallen zu lassen. Nachdem sein Immunsystem durch die bitterkalten Hörsäle abgehärtet wurde, kann er mit seinem Kaffee sogar auf den Bänken im Freien sitzen. Später wird er zum Essen ins Café Emaille gehen, dort ein Schnitzel mit Bratkartoffeln essen und dabei die hübsche Persilfrau anschauen. Alles in allem ein schöner Tag im Leben eines Karlsruher Studenten.

Sandra Wienke

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