„ Um den Leuten möglichst den kürzesten Weg anzubieten und um einen attraktiven öffentlichen Verkehr zur Verfügung zu stellen, ist die Kombilösung das richtige Projekt für Karlsruhe.“

KA.mpus: Die Triebwagenführer haben ein andere Ausbildung als dies zum Fahren in einer U-Bahn nötig ist. Dürfen sich die älteren Mitarbeiter demnächst auf eine Fortbildung freuen?

Dr. Casazza: Das Fahrdienstpersonal wird regelmäßig geschult. Bei jeder Streckeneröffnung wird das Personal eingewiesen und auf die neuen Streckenverhältnisse hingewiesen. Da unterscheidet sich das Fahren im Untergrund vom Fahren an der Oberfläche nur geringfügig. Die Mitarbeiter werden optimal geschult. Ich bin davon überzeugt, dass dies auch für die Fahrzeugführer eine erhebliche Arbeitserleichterung sein wird. Die Stressmomente an der Oberfläche sind dann Vergangenheit.

KA.mpus: Die Kombilösung bietet die Gelegenheit zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Form von Neueinstellungen im Bereich Sicherheits- und Reinigungspersonal. Wird dem so sein? Wenn ja, wie stark wird die Mitarbeiterzahl angehoben?

Dr. Casazza: Man muss das noch umfassender betrachten: Die Kombilösung bietet schon während der Bauzeit zahlreiche Arbeitsplätze. Es werden nach derzeitigem Stand 588 Millionen Euro investiert. Die ganze Region wird davon profitieren. 80 Prozent der förderfähigen Kosten kommen von Bund und vom Land, so dass die regionale Wirtschaft dementsprechend eine Stärkung erfährt und sich das auch in Arbeitsplätzen auswirken wird.

KA.mpus: Die Zahl der Mitarbeiter wird wachsen: Können Sie in etwa sagen, in welcher Größenordnung dieser Zuwachs stattfindet?

Dr. Casazza: Der arbeitsmarktpolitische Effekt der Kombilösung ist derzeit nicht prognostizierbar. Ein Trend ist aber erkennbar: Es gibt auch Überlagerungseffekte. So sind beispielsweise die Energieressourcen begrenzt, die demografische Entwicklung schreitet voran, der Klimaschutz nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Und damit steigt auch die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs.

KA.mpus: Haben Sie keine Bedenken, dass der Kostenaufwand, der in Form der zusätzlichen Fahrerausbildungen, des zusätzlichen Reinigungspersonals oder der laufenden Instandhaltungskosten anfällt, die finanziellen Mittel der beteiligten Verkehrsunternehmen und der Stadt Karlsruhe langfristig überfordern könnte?

Dr. Casazza: Im Gegenteil. Wir haben in den Betriebsausgaben durch Gutachten belegt, dass die Kombilösung auch Einspareffekte bringt, weil der Fahrgastzuwachs wesentlich weiter ausgeprägt ist als die zusätzlichen Betriebskosten, die entstehen werden. Es ergibt sich ein positives Delta, das heißt wir können auch Geld sparen durch das Erbringen unserer Leistung.

KA.mpus: In der Moskauer U-Bahn und auch in der Pariser Metro wird ein Großteil der Untergrundstrecke regelmäßig und immer wieder neu künstlerisch gestaltet. Dürfen wir uns auf so etwas oder möglicherweise sogar auf Ausstellungen freuen?

Dr. Casazza: Sie kennen ja schon einige Bilder von unserer Kombilösung, wie die Haltestellen im Endzustand aussehen werden. Eine wichtige Rolle im Bereich Kommunikation wird auch unser Informationspavillon am Ettlinger Tor spielen. Neben einer Dauerausstellung wird vermittelt, wie die Haltestellen durch das eingesetzte Material und mit dem Lichtkonzept zukünftig in Erscheinung treten. Hier haben sich die Architekten ausgiebig eingebracht, so dass diese Erfahrungswelt über unseren Informationspavillon vermittelt werden kann. Wir werden anderen Städten in nichts nachstehen.

KA.mpus: Wie stehen Sie persönlich zu dem Projekt?

Dr. Casazza: Voll positiv. Meine persönlichen Erfahrungen haben mir dies am Beginn meiner Tätigkeit in Karlsruhe gezeigt. Als ich in der Kaiserstraße stand und den Betrieb dort erlebt habe, habe ich mich gefragt: „Ist das das berühmte Karlsruher Modell? – Das kann es nicht sein.“ Es fehlt die Krönung durch die Kombilösung. Man muss diesen Erfolg, den das Karlsruher Modell hat, fortführen und den „Flaschenhals“ in der Kaiserstraße entsprechend aufweiten. Dies gelingt nur mit der Kombilösung.

KA.mpus: Herr Dr. Casazza, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Inci-Nur Memili und Ümmü Susan

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