„ Um den Leuten möglichst den kürzesten Weg anzubieten und um einen attraktiven öffentlichen Verkehr zur Verfügung zu stellen, ist die Kombilösung das richtige Projekt für Karlsruhe.“

KA.mpus: Die meisten Bürger befürchten mit der Kombilösung den Einzug von „New Yorker/ Berliner“ – Verhältnissen. Die U-Haltestellen gelten schon jetzt, noch vor ihrem Bau, als potenzielle Schlafstätten für Obdachlose, als Bettelalleen, als Umschlagplätze für illegale Ware und als Ablagerungsplatz von Passantenmüll. Können Sie die Bürger in diesem Punkt beruhigen?

Dr. Casazza: Selbstverständlich ist die Sorge um Sicherheitsaspekte in den U-Bahn-Stationen nachvollziehbar. Es gibt auch andere Städte, die ebenfalls Untergrundbahnsysteme haben und in denen das Gegenteil der Fall ist. Ganz entscheidend ist, dass es helle, freundliche, unterirdische Haltestellen sind und dass diese mit Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet sind wie Videoschutzanlagen oder auch Notrufstellen. Auch muss eine hohe soziale Kontrolle in den Gebäuden stattfinden; wenn dies gut organisiert ist, dann haben wir Orte von hoher Aufenthaltsqualität. Die Sorge ist also aus meiner Sicht unbegründet. Wir wollen hier gute Verhältnisse schaffen. Es ist unser Ziel, dass möglichst viele Fahrgäste mit uns fahren. Alle künftigen unterirdischen Haltestellen besitzen barrierefreie Zugänge, das heißt wir haben auch den demografischen Wandel im Blick, um die besten Vorkehrungen für ein zukunftsweisendes Verkehrssystem zu treffen.

KA.mpus: In der Berliner U-Bahn gab es 2006 einen spontanen Amoklauf. Etliche weitere Gewalttaten ließen sich anhand der Kameraaufzeichnungen in vielen verschiedenen Städten dokumentieren. Wie sieht es künftig mit der Sicherheit der Fahrgäste in Karlsruhe aus?

Dr. Casazza: Grundsätzlich sind Amokläufe zum Glück extrem seltene Ereignisse, die leider überall geschehen können. Wir haben ja sogar erleben müssen, dass so etwas an Schulen passiert. Man kann also per se nicht sicher vorhersagen, an welchen Orten sich solche Gewaltakte vollziehen. Aber unsere Videoschutzanlagen haben bisher gezeigt, dass gerade im Bereich Vandalismus und Gewaltbereitschaft ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist. Von den Kameras geht eine Präventivwirkung aus, weil die hohe Aufklärungsrate potenzielle Täter abschreckt. Die Bilder werden für eine eng begrenzte Zeit aufgezeichnet – und nur im Bedarfsfall der Polizei ausgehändigt.

KA.mpus: Wie sehen die Sicherheitsmaßnahmen an den U-Haltestellen und im Tunnel aus? Stehen schon die Pläne für Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Feuer, Anschläge und Ähnliches?

Dr. Casazza: In puncto Sicherheit ist die Kombilösung natürlich auch auf dem aktuellsten Stand: Die Haltestellen werden hell, freundlich und von hoher Aufenthaltsqualität sein – und sie erhalten Videoschutzanlagen. Die Tunnelröhre hat einen Fluchtweg. Zudem liegen die Haltestellen wie jetzt schon oberirdisch unter der Erde eng beieinander. Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass wir in Karlsruhe nicht risikoreicher leben als in anderen Großstädten wie Stuttgart oder Wien.

KA.mpus: Welche Vorkehrungen werden unternommen, um während das Tunnelbaus Unfälle wie in Köln zu vermeiden?

Dr. Casazza: Wir unterscheiden uns vom Kölner Projekt erheblich. Wir haben ein anderes Bauverfahren im Einsatz. Das, was in Köln bedauerlicherweise geschehen ist, kann in dieser Form in Karlsruhe nicht passieren. Wir beobachten die Ergebnisse von Köln genau, und soweit sie für uns überhaupt verwertbar sind, können unsere Planungen entsprechend überarbeitet werden. Wir tun alles, damit wir in Karlsruhe mit solchen Schadensereignissen nicht konfrontiert werden.

KA.mpus: Wie sieht es mit der finanziellen Absicherung im Falle unvorhergesehener Ereignisse während des Tunnelbaus aus, zum Beispiel wenn ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wird oder eine Gasleitung platzt?

Dr. Casazza: Das sind alles Punkte, die im Vorfeld bereits untersucht wurden, wie bei allen anderen Bauvorhaben auch. Es wird eine sehr genaue Untersuchung auf Blindgänger geben, die Kampfmittelbeseitigung war zu Untersuchungen im Einsatz – und das alles, bevor überhaupt der Tunnel gebohrt wird. Diese Vorkehrungen sind selbstverständlich getroffen worden.

KA.mpus: Haben Sie bezüglich möglicher Finanzknappheit einen B-Plan?

Dr. Casazza: Ein Bauprojekt wird von der Finanzierung her im Vorfeld solide abgeprüft. Man beginnt nicht mit dem Bau, bevor die endgültige Gewissheit besteht, dass auch die Finanzierung gesichert ist. Die Kombilösung wird vom Bund und vom Land Baden-Württemberg gefördert, entsprechende Verträge liegen vor, so dass kein B-Plan erforderlich wird.

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