„ Um den Leuten möglichst den kürzesten Weg anzubieten und um einen attraktiven öffentlichen Verkehr zur Verfügung zu stellen, ist die Kombilösung das richtige Projekt für Karlsruhe.“

Dr_Casazza

Dr. Walter Casazza ist seit drei Jahren der Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und auch der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG), die das Projekt der Kombilösung leitet. Ohne größere Schwierigkeiten trat der Österreicher in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Dieter Ludwig, der das Karlsruher Nahverkehrssystem zum europäischen und internationalen Vorbild gemacht hatte. Das KA.mpus-Team sprach mit Casazza über das neue Untertunnelungsprojekt in der Kaiserstraße: die Kombilösung

KA.mpus: Guten Tag Dr. Herr Casazza! Viele Karlsruher haben große Bedenken hinsichtlich des Tunnelbaus. Wenn man auf die Straße geht und sich umhört, scheint eine Mehrheit dagegen zu sein, und das obwohl der Tunnelbau beim Bürgerentscheid 2002 mehrheitlich befürwortet wurde…

Dr. Casazza: Ich sehe es in die andere Richtung. Ich sehe jetzt schon wesentlich mehr Befürworter, als Sie es wiedergegeben haben. Mir liegt das Ergebnis einer repräsentativen Marktforschung vor, die für uns deutlich belegt, dass Zweidrittel der Bevölkerung Befürworter dieses Projektes sind, das heißt mehr Zuspruch als zum Zeitpunkt des Bürgerentscheides.

KA.mpus: Es gibt Gerüchte, dass die Freien Wähler im Stadtrat das Vorhaben in quasi letzter Minute per Unterschriftenaktion und Bürgerinitativen verhindern möchten. Für wie wahrscheinlich halten Sie das?

Dr. Casazza: Das ist sehr unwahrscheinlich. Die Arbeiten sind gut fortgeschritten. Bevor wir den großen Spatenstich im Januar 2010 machen können, kann man schon anhand zahlreicher Vorarbeiten erkennen, dass die Kombilösung schon in der Umsetzung ist. Beispielsweise wird am Berliner Platz eine Kanalumlegung durchgeführt. Der Zug rollt bereits und ist nicht mehr zu stoppen.

KA.mpus: Könnte es nicht sein, dass mit dem Tunnel die Probleme auf der Kaiserstraße lediglich eine Etage nach unten verlagert werden? Schließlich nimmt der Personenverkehr nicht ab, sondern stetig zu.

Dr. Casazza: Das Problem ist derzeit an der Oberfläche ein Nutzungskonflikt von verschiedenen Verkehrsteilnehmern. Große Probleme haben die Fußgänger, weil für sie momentan ein ungestörtes Passieren der Straßen nahezu unmöglich ist. Auch der Anliegerverkehr hat seine Probleme. Die neue Ebene im Stadtbahntunnel beziehungsweise die neue Verkehrsfläche soll diese Entflechtung gewährleisten, so dass an der Oberfläche ein echtes Flanieren der Fußgänger ermöglicht wird und eine echte Fußgängerzone entstehen kann. Dies ist ein wichtiger Beitrag, um unsere Stadt attraktiver zu gestalten.

KA.mpus: Der Marktplatz ist das Nadelöhr des Karlsruher Verkehrsverbundes. Viele Fahrgäste und Zwischenreisende steigen dort und auf der Kaiserstraße um. Geht der Gleis- und Tramwechsel mit Eröffnung des Tunnels unterirdisch oder oberirdisch vonstatten?

Dr. Casazza: Das Beispiel Marktplatz ist gut geeignet, um zu zeigen, dass die Umsteigevorgänge im Untergrund vollzogen werden. Es gibt Zwischenebenen, die das Umsteigen auf kurzem Wege ermöglichen. Das Karlsruher Modell zeichnet sich dadurch aus, dass man sich möglichst umsteigefrei bewegen kann. Daher führen unsere Linien durch die Kaiserstraße, damit die Mehrzahl der Fahrgäste ihre Zielorte umsteigefrei erreichen kann.

KA.mpus: Es gibt Bedenken, dass durch die Untertunnelung die Kaiserstraße wirtschaftlich veröden wird. Die Hauptgegner des Tunnels befürchten, dass zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze wegfallen. Was können Sie dem entgegenhalten?

Dr. Casazza: Genau das Gegenteil wird der Fall sein. Die Innenstadt wird attraktiver durch die Kombilösung. Man muss sagen, dass die Aufenthaltsqualität in der Kaiserstraße heute nicht besonders hoch ist. Durch dieses Projekt wird ein angenehmeres Verweilen ermöglicht. Das bedeutet auch, dass die Wirtschaftskraft gestärkt wird, weil attraktivere Lagen entstehen werden. Was auch sehr wichtig ist: Durch dieses Projekt entsteht Planungssicherheit für die Investoren als Basis für die weitere Stadtentwicklung. Ich bin mir sehr sicher, dass die Kaiserstraße eine Aufwertung erfährt.

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