Poetry Slam – von der Kunst Gedichte zum Leben zu erwecken

preisträgerin.jpg 4Heute gibt es in den USA eine Unmenge verschiedener Slam Clubs sowie einen eigenen Dachverband namens „Poetry Slam Incorporated“ (PSI). Diese Organisation engagiert sich zum einen sowohl für das amerikanische Bildungswesen als auch für die internationale Vernetzung des Dichterwettstreits, zum andern richtet sie den jährlich stattfindenden „US National Slam“ – die amerikanische Meisterschaft- aus, welche sich über einen Zeitraum von vier Tagen erstreckt.

Auch in Europa ließ der neue Trend des Dichterwettbewerbs nicht lange auf sich warten. 1993 schwappte er über nach London, Stockholm sowie Amsterdam und erreicht schließlich sogar Finnland.

Der erste Dichterwettstreit nach amerikanischem Vorbild auf deutschem Boden fand im Jahre 1994 in Berlin statt. Zwei Jahre später folgten dann München, Frankfurt am Main, Düsseldorf und 1997 auch Hamburg. Keine zwölf Monate vergingen und schon luden die vier Städte zum ersten „National Poetry Slam“ nach Berlin, welcher im Herbst diesen Jahres in Düsseldorf zum 13. Mal stattfindet.

Angesteckt vom „Slam–Fieber“ kamen in der darauf folgenden Zeit immer mehr deutsche Städte hinzu und 1999 schwappte die Welle über die Landesgrenzen und begann sich auch in Österreich und in der Schweiz auszubreiten. Deren begeisterte Teilnahme am „National Slam“ führte zwei Jahre später zu einer Umbenennung der Veranstaltung in „German International Poetry Slam“, kurz GIPS.

In Deutschland finden zurzeit an die 70 Poetry Slam-Veranstaltungen regelmäßig statt, die meisten davon in kleineren Kneipen, Cafes oder Kulturräumen wie dem Karlsruher KOHI. Jeden letzten Freitag im Monat ist dort Slammen angesagt und mit ein bisschen Glück wird es für wenige Sekunden so still im Raum, dass man eine Stecknadel zu Boden fallen hören könnte. Dann steht der Interpret mit geschlossenen Augen im warmen Licht des Scheinwerfers, während seine letzten Worte in ihm und den Köpfen der Zuhörer nachhallen. Vollkommen verzaubert von der Macht seiner Verse sitzt das Publikum in einem solchen Moment im Halbdunkel des Saales und wirkt vor lauter Bewunderung wie versteinert. Doch meist dauert es nicht lange bis ein ohrenbetäubender Applaus losbricht, für den sich der Vortragende mit einem kleinen Lächeln bedankt und das Rampenlicht dem nächsten Slammer überlässt.

Wer nun neugierig geworden ist und nicht mehr bis zum nächsten Life-Slam warten möchte, kann sich auf der Homepage des WDR schon mal einen kleinen Vorgeschmack holen.

http://www.wdr.de/tv/poetryslam/videos/uebersicht.jsp?medium=video

Marie-Luise Miczka

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