Poetry Slam – von der Kunst Gedichte zum Leben zu erwecken

mann.jpg 200.jpg copyrightSeine ursprünglichen Wurzeln hat der Poetry Slam in den USA, genauer gesagt in Chicago und ist zurückzuführen auf den Bauarbeiter und Poeten Marc Kelly Smith. Dieser empfand die konventionelle Form von Lesungen, in welchen sich der Vortragende hinter Tisch und Wasserglas verschanzt und das Publikum zu Passivität verurteilt ist, als antiquiert und langweilig. Er wünschte sich zum einen eine pompösere Bühnenperformance der Vortragenden und zum anderen eine aktivere Rolle für die Zuhörer.

Im Jahre 1985 gründete er deshalb das „Chicago Poetry Ensemble“, dem sowohl Schriftsteller als auch (Performance-)Poeten und Schauspieler angehörten. Die Künstlergruppe schrieb Stücke und führte diese dann einem meist „literarisch ungebildeten“ Publikum in der „Get Me High Lounge“ in Chicago vor, wobei die Zuschauer lautstark ihr Feedback zum Besten geben durften.

Im Jahre 1986 entschloss sich Mr. Smith dazu, eine wöchentliche Literatur-Show namens „Uptown Poetry Slam“ im Jazz Club „Green Mill“ ins Leben zu rufen. Sie bestand zunächst aus drei Teilen – dem „Open Mike“, bei dem jeder, der wollte, einen eigenen Text lesen konnte, einem Part mit Gästen aus den gesamten USA und im Anschluss daran trat das „Chicago Poetry Ensemble“ auf. Diese wöchentlichen Darbietungen stellten sich für das „Chicago Poetry Ensemble“ allerdings sehr bald als zu arbeitsintensiv heraus, weshalb Marc Kelly Smith auf den Gedanken kam, jede zweite Woche anstelle des Ensembles einen Dichterwettstreit zu organisieren. Die Geburtsstunde des Poetry Slam hatte geschlagen.

Am 20. Juli 1986 fand die erste Veranstaltung dieses Formats im legendären Chicagoer Jazz Club „Green Mill“ statt und auch heute noch ist der „Uptown Poetry Slam“ jeden Sonntag ein wahrer Publikumsmagnet.

Von Chicago ausgehend verbreitete sich der Dichterwettstreit zunächst in ganz Nordamerika und begeisterte im Jahre 1989, dank dem Literatur-Aktivisten Bob Holman, schließlich auch die New Yorker Bevölkerung im “Nuyorican Poets Cafe”.

Mit Hilfe Holman´s Beziehungen schaffte es der Poetry Slam 1992 sogar bis ins US- Fernsehen, das eigens für den Dichterwettstreit ein neues Format – MTV Poetry Unplugged – erstellte. Doch nicht nur über Fernsehbildschirme flimmerten die Poeten, auch Lifestyle-Magazine erkannten den neuen Trend und begannen ihre Cover mit den Slammern zu zieren.

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