About the Underground

Die+Zukunft
Das Modell der Zukunft

Im Januar 2010 ist es soweit, dass der Spatenstich für den Tunnel der Kombilösung demnächst erfolgt. Zahlreiche Baustellen werden in den kommenden Jahren entstehen, um Karlsruhe für seine Bewohner und Touristen attraktiver und vor allem verkehrssicherer zu machen. Alle Bürger der Stadt und im Landkreis sind eigentlich über die Vorgänge auf der Kaiserstraße bestens informiert. Eigentlich! Denn befragt man Kommilitonen auf dem Campus kommt meist zunächst die Gegenfrage: Was ist denn die Kombilösung?

Auf den ersten Blick erscheint diese Frage ein wenig erstaunlich, immerhin lässt die Informationspolitik der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG), welche die Kombilösung baut, doch nichts zu wünschen übrig. Abgesehen davon ist die Idee für eine Untertunnelung der Kaiserstraße mehr als 30 Jahre alt. Der oberirdische Schienenverkehr auf der Kaiserstraße galt schon in den 70er Jahren lediglich als mittelfristige Lösung, auch wenn die Karlsruher City ein verkehrstechnischer Traum zu sein scheint. Wie bei zentralistisch angelegten Städten üblich, ist der Reiseweg über den Mittelpunkt der Anlagen wesentlich kürzer und durch bessere Infrastruktur angenehmer als eine Umgehung. Es versteht sich daher von selbst, dass beinahe der gesamte Schienenverkehr des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) auf der Kaiserstraße zusammenläuft. Dank bester Verbindungen sind der Marktplatz und der Europaplatz das Herz des gesamten Personennahverkehrs.
Der verkehrstechnisch bedeutendste Vorteil unserer Stadt ist zugleich ihre Achillesferse: Durch die stetig zunehmende Verkehrsdichte ist die Kaiserstraße in den letzten 10 Jahren zu einem Nadelöhr geworden. Von Jahr zu Jahr werden Straßenseiten- und Fahrtrichtungswechsel gefährlicher, im Bereich der Herrenstraße ist ein Überqueren für Fußgänger nicht einfach. Der Umsicht der Triebwagenführer und einer gehörigen Portion Glück ist es zu verdanken, dass es bisher zu keinem nennenswerten Unfall, insbesondere an Samstagen oder zur Weihnachtszeit, kam.
Obwohl die aktuelle Verkehrssituation seit geraumer Zeit nicht mehr tragbar ist und die Hauptschlagader Karlsruhes dringend Entlastung braucht, erscheint die Kombilösung besonders den Bewohnern und Geschäftsinhabern der Innenstadt als zweischneidiges Schwert. Vielerorts wird eine jahrelange Beeinträchtigung der Wohnqualität durch Baustellen und Lärm während der Bauarbeiten befürchtet. Fakt ist, dass die meisten Arbeiten unterirdisch vonstatten gehen. Tatsächlich soll es nur an den geplanten U-Haltestellen über einen auf maximal zwei Jahre begrenzten Zeitraum offene Baustellen geben. Die Bedenken rühren offensichtlich vor allem von den zahlreichen, dringend benötigten, Gleißerneuerungsmaßnahmen im Netz und vor allem auf der Kaiserstraße her.
Geschäftsinhaber auf der Kaiserstraße rechnen bereits im Vorfeld damit, dass ihre Kunden ins ECE-Center aus Gründen der leichteren Zugänglichkeit abwandern. Vor allem die kleineren Geschäfte auf der Einkaufsmeile, welche bisher besonders von Spontaneinkäufen profitierten, sehen sich schon vor dem Ruin. Da die Kaiserstraße zur reinen Fußgängerzone umgewandelt werden soll, bleibt in dieser Hinsicht abzuwarten, ob sie letztendlich nicht zu den Gewinnern des Projekts zählen.

Problematischer+Straßenseitenwechsel
Was das Stadtbild ausmacht, behindert Fußgänger und Fahrradfahrer…

Neben der Diskussion, ob der Tunnel das Stadtbild Karlsruhes gefährdet, stellt sich seit Herbst 2008 zunehmend die Frage, ob sich die Ereignisse in Köln vielleicht wiederholen könnten. Zwar besteht zwischen dem Projekt Kombilösung und dem U-Bahnbau in Köln ein beachtlicher Unterschied. Geologen haben grundsätzlich Entwarnung gegeben, aber es waren auch Geologen, die den Kölner Boden für sicher hielten. Aus diesem Anlass verfolgt die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft die Untersuchungsergebnisse zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs genauestens, um möglicherweise verwertbare Ergebnisse in das eigene Projekt einfließen zu lassen. Angeblich existieren bei den Ermittlungen nach wie vor in Köln noch Informationslücken, die erst einmal geschlossen werden müssen.

Hauptkritikpunkt der Tunnelgegner, wie in Zeiten der hausgemachten Wirtschaftskrise zu erwarten ist, ist der Kosten-Nutzen-Faktor des Projekts. Abgesehen von der Frage aller noch nicht informierten Bürger, was für ein Projekt denn die Kombilösung überhaupt ist, stellt sich den meisten Bewohnern eine Frage, auf die bislang keine Antwort gegeben werden kann: Lohnt sich die Kombilösung überhaupt? Der Fahrgastzuwachs und damit auch der Personenverkehr sind in der heutigen Situation bereits an ihren Grenzen angekommen. Wenn sich dieser auch nach dem Tunnelbau so fortsetzt, droht langfristig betrachtet eine Kapazitätsauslastung des Stadtbahntunnels auf unabsehbare Zeit.
Neben dem Umstand, dass die Situation in der Kaiserstraße augenblicklich mehr als unbefriedigend erscheint und in einer verkehrstechnisch nicht mehr zu überblickenden Lage enden könnte, steht die Problematik der finanziellen Situation der Stadt gegenwärtig im Vordergrund. 20 Prozent der förderfähigen Kosten hat die Stadt selbst zu tragen, während der Rest vom Bund und vom Land Baden-Württemberg übernommen wird. Mit derzeitig veranschlagten Kosten von 588 Millionen Euro handelt es sich um ein aufwendiges Projekt – dementsprechend hoch sind die Erwartungen des Karlsruher Steuerzahlers. In die Zukunft gerichtet, sauber und höchsten Sicherheitsmaßnahmen entsprechend wurden die Haltestellen entworfen – ihre Praxistauglichkeit wird sich zeitgleich wie die Vorteile der Kombilösung erst nach ihrer Fertigstellung unter Beweis stellen können.

Trotz aller Kritikpunkte, welche die Gegner der Kombilösung vorbringen, besitzt das Projekt auch einen unschätzbaren Vorteil angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise: Nicht nur die Kaiserstraße wird entlastet, auch die Wirtschaft darf sich, dank der KASIG, auf eine Spritze und der Arbeitslosenmarkt auf Entlastung freuen. Die Kombilösung schafft Arbeitsplätze in noch nicht abschätzbarer Zahl. Im Vorfeld kam es durch die geplanten Bauarbeiten zu zahlreichen Neueinstellungen. Zusätzliches Sicherheits- und Reinigungspersonal wird, wenn die Kombilösung ihren Anforderungen entsprechen will, an U-Haltestellen und anderen Servicepunkten vertreten sein. Auch die Geschäfte in der Kaiserstraße werden in dieser Hinsicht sicherlich vom Stadtbahntunnel profitieren, denn zeitgleich mit der höheren Kaufkraft steigt auch das Beschäftigungspotenzial auf der Kaiserstraße.
Zusätzlich wird Karlsruhe unter klimatechnischen Gesichtspunkten Vorbild für andere Städte werden. Die Kaiserstraße sowie die Kriegsstraße werden im Zuge der Bauarbeiten umweltschonender und vermehrt mit Grünanlagen ausgestattet als bisher. Der neue Autotunnel unter der Kriegsstraße wird sich vom Mendelssohnplatz bis zum Karlstor erstrecken und damit die Luftqualität der Karlsruher City um ein Vielfaches verbessern, was besonders für Asthmatiker eine Erholung sein wird. Abgesehen von der Luftverschmutzung vermindert die Kombilösung auch die Lichtverschmutzung in der Innenstadt – in etwa zehn Jahren sitzt man in den heißen Sommernächten nicht mehr in grellem, beinahe taghellem Licht, sondern kann vielleicht sogar das ein oder andere Sternenbild erkennen.

verführt+zur+unvorsichtigkeit
…und verführt zu Unvorsichtigkeit.

Trotz Kritik an der Kombilösung: In Anbetracht der langfristigen Vorteile, die das Projekt die Stadt bringt, sind der Stadtbahntunnel und der neue Autotunnel unter der Kriegsstraße nur wünschenswert.
Der Informationsgrad der Bewohner Karlsruhes jeglichen Alters oder der Kommilitonen lässt nach wie vor zu wünschen übrig, und das, obwohl es an Informationsmaterialien sowohl in gedruckter Form als auch in Onlinepräsenz nicht mangelt. Mit dem Bau des Infopavillons am Ettlinger Tor, dessen Spatenstich im Juli 2009 erfolgte und der rechtzeitig vor dem Baubeginn der Kombilösung im Januar 2010 fertig sein wird sowie der Aufstellung von Info-Ständen an den zukünftigen U-Haltestellen wird sich die Frage: „Was ist denn die Kombilösung?“ sicherlich von jedermann beantworten lassen. Auf lange Sicht werden die beiden häufigsten Begriffe modern und fortschrittlich im Zusammenhang mit der Kombilösung zweifelsfrei fallen. Karlsruhe soll mit seiner neu gestalteten Innenstadt erneut weltweites Vorbild für funktionierenden urbanen Schienenverkehr werden.
Grün, lebendig und umweltfreundlich soll sie werden, unsere neue Innenstadt, damit möglichst viele Generationen sich an ihr erfreuen können. Ein Magnet für das Wirtschaftswachstum sowie Dreh- und Angelpunkt der gesamten Region. Die Kombilösung hat den Stadtbewohnern sehr viel versprochen und wir dürfen optimistisch in die Zukunft blicken

Inci-Nur Memili und Ümmü Susan

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