Viele Weltfriedenstage – kein einziger friedlicher Tag auf der Welt!

Friedenstaube


Der 1. Januar ein kirchlicher Friedenstag, der 1.September ein Antikriegstag und schließlich der 21. September der internationale Friedenstag. Es gibt eine Inflation von Friedenstagen, aber leider geht es auf der Welt nicht friedlicher zu.

In der heutigen Zeit ist der Krieg in der westlichen Hemisphäre ein Fremdwort und der Frieden in Europa etwas Selbstverständliches geworden. Die täglichen Bomben und Tötungen von Zivilisten im Irak, die ständige Terrorisierung der Bevölkerung durch die Taliban in Afghanistan und die zahlreichen endlosen Kämpfe in Afrika, in denen unschuldige Kinder an kriegsbedingten Hungersnöten leiden und sterben, sind in unseren Augen zu medial inszenierten, teilweise irrealen Randereignissen geworden.

Allzu lang ist es nicht her, dass auch in Europa vor 70 Jahren die deutsche Wehrmacht unter Hitler mit dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg veranlasst hatte. Weltweit starben ungefähr 55 Millionen Menschen an den Gräueltaten des fünfjährigen Krieges und erlebten massenweise Flucht und Vertreibungen aus ihren Heimatstaaten. Aus diesem Anlass gilt der 1. September als Antikriegstag.

Initiiert wurde er ursprünglich vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) am 1. September 1957 unter dem Motto “Nie wieder Krieg”. Wie jedes Jahr fand auch dieses Jahr im engsten Politikerkreis ein Opfergedenktag an dem Angriffsort in Danzig statt, jedoch mit weniger öffentlicher Resonanz als in den früheren Jahren. Auch in Karlsruhe war die Gedenkfeier am 1. September 2009 begrenzt auf eine einzige Mahnwache am Marktplatz und eine kleine Kundgebung. Die Mehrheit der Karlsruher Bevölkerung nahm davon keine Notiz.

Größere aufmerksamkeitserregende Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen sind lange nicht mehr üblich, es sein denn, es finden keine friedensgefährdeten Großereignisse statt. Davon zeugt noch der Nato-Doppelbeschluss, der in Westeuropa zugunsten der Wettrüstung in Kraft gesetzt wurde und demzufolge zahlreiche Großdemonstrationen bundesweit am 1. September 1983 stattfanden.

Ein weiterer meist unbekannter Friedenstag ist der 1. Januar, der seit 1968 mit einer vorab veröffentlichten Weltfriedensbotschaft des Papstes der katholischen Kirche verkündet wird. Dieser Gedenktag entstand 1965 auf Initiative von Papst Paul VI., welcher den Neujahrstag zum Weltfriedenstag erklärte. Damals war der besondere Anstoß wiederum eine drohende Kriegsgefahr während der Phase des Kalten Krieges.
Auch diese klerikalen Prozeduren, die im Rahmen der Gebetsstunden in den Kirchen stattfinden, stoßen auf taube Ohren und finden seitdem keinen Widerhall.

Globalere Wirkungen und weltweite Akzeptanz sollte der 21. September erfahren, der von der Generalversammlung der UN im Jahr 1981 ins Leben gerufen wurde und seit 2001 jährlich am 21. September offiziell als internationaler Friedenstag gefeiert wird. Die Aufforderung der UNO geht so weit, dass an diesem Tag weltweit die Kampfhandlungen ruhen, internationalen Hilfsorganisationen die Versorgung in Kriegsgebieten ermöglicht wird und Friedensverhandlungen ohne gleichzeitige Kampfhandlungen stattfinden sollen. Bislang ein frommes Wunschdenken, das bisher von keinem Kombattanten in Kriegsgebieten ernst genommen wurde. Vielmehr ist auch dieser Friedenstag heutzutage zu einer kleinen Fun- und Eventaktion verkommen, der meist nur von linksorientierten marginalen Parteien, an starkem Mitgliederschwund leidenden Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen organisiert wird, um auf die eigene Existenz und Aktivitäten aufmerksam zu machen. Das Ziel, auf den internationalen Tag des Friedens und den Zweck seiner Einführung aufmerksam zu machen, kommt meist zu kurz.

Auch die Streitfrage über den Abzug der Bundeswehr aus Afganistan, die vor kurzem angeblich unberechtigt einen Luftangriff der Nato ausgeübt hatte, findet in der breiten Masse bisher wenig Beachtung. Inwiefern eine massenweise antimilitaristische Bewegung in Form einer Zunahme von Aktionen und Massendemonstrationen in den nächsten Tagen und Wochen noch entstehen werden, bleibt noch abzuwarten.

Wenn die bisher offiziell deklarierten Weltfriedenstage gegen die weltweit geführten Kriege nichts bewirken können, die breite Masse der Bevölkerung davon keine Notiz nimmt, wozu braucht man dann überhaupt so viele Friedenstage?

Ganz einfach. Um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass ein überwiegender Teil der Menschen auf diesem Planeten in katastrophalen Zuständen und unter inhumanen Bedingungen des Krieges leben, und um humanitäre Anteilnahme am Leid dieser Menschen zu spüren. Damit auch in Zukunft hierzulande die nachfolgenden Generationen von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont werden und die früheren Kriege und schrecklichen Erlebnisse unserer Großeltern als historische Lehre nie in Vergessenheit geraten. Frieden ist das wichtigste und kostbarste Gut auf Erden, das man hierzulande noch hat. Er ist schwer herzustellen, aber leicht zu zerstören.

Angesichts der düsteren Prognosen über das zunehmende Auseinanderklaffen von Arm und Reich weltweit, des immer skrupelloser werdenden Wettlaufs um die Sicherstellung von knappen lebenswichtigen Ressourcen auf diesem Planeten, kann schnell eine Atmosphäre der Gewalt und Selbstjustiz entstehen, in der das Faustrecht sich mehr und mehr durchsetzt. Dies sollte zu denken geben, dass es für den Frieden nirgendwo auf der Welt und in aller Ewigkeit eine Garantie gibt. Die Einführung eines weiteren Friedensgedenktages würde sich dann ohnehin als überflüssig erweisen, denn echte Wirkungen haben die diversen Gedenktage bislang nicht gezeigt.

Ümmü Susan

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