KAMUNA – zwischen Kultur und Kommerz!?

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Am 1. August 2009 lud die KAMUNA (Karlsruher Museumsnacht) zum elften Mal große und kleine Museumsgänger zu einer abwechslungsreichen Entdeckungsreise durch die Karlsruher Museen ein.

Neben 14 wohlbekannten Häusern wie dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), dem Badischen Landesmuseum (BLM) oder dem Staatlichen Museum für Naturkunde (SMNK) öffneten auch vier Gastinstitute für geschlagene sieben Abendstunden (18:00 – 1:00) ihre Pforten.

Das Virtual Reality Labor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) lockte bereits eine Stunde nach der Eröffnung eine große Menschenmasse an. Das Eintauchen in dreidimensionalen Welten mit Hilfe einer 3D-Brille machte die lange Wartezeit und die vorherrschende tropische Hitze allerdings mehr als wett und ermöglichte dem Besucher einen Einblick in die Forschungstätigkeiten des KIT.

Weniger heiß, aber nicht minder interessant ging es in der Waldstrasse beim Architekturschaufenster gegenüber dem Badischen Kunstverein zu. Eine kleine Fotoausstellung versuchte die Wahrnehmung der Besucher auf die Besonderheiten der Karlsruher Stadtarchitektur zu lenken und auf die Wichtigkeit des sonst Unbeachteten hinzuweisen. Im Mittelpunkt standen hierbei nicht die bekannten Baukonzepte wie der fächerförmige Stadtplan oder die stattlichen Bauten am Bahnhofsplatz, sondern Verkehrsschilder oder Blumenkübel. Die Ortskenntnisse der Besucher wurden dadurch auf eine harte Probe gestellt und beim Raten lag sicher nicht immer jeder richtig.

Die Kunstwerke der Ausstellung „Wahlheimat“ in der Nancyhalle wurden im Vorfeld von den Karlsruher Bürgern ausgewählt und somit bereitete das Exposé kunstinteressierte Besucher gedanklich schon einmal auf die in Kürze anstehende Bundestagswahl vor. Denn in der „Wahlheimat“ geht alle Macht vom Publikum aus.

Ab 22 Uhr konnte der interessierte Besucher dann eine polymediale Aufführung in der staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) bewundern. Akzente wurden hierbei vor allem durch dynamische Projektionsflächen, Videos und interaktive Lichtsteuerung gesetzt, so dass neben den Einzelperformances der jungen Künstler auch die Gruppenimprovisationen zur Geltung kamen.

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Aber nicht nur die Gäste, sondern auch die Dauerbrenner der KAMUNA zeigten sich mit Dauer- und Sonderausstellungen, aber auch mit eigens für die Museumsnacht ausgewählten Werken, von ihrer besten Seite.

So holte zum Beispiel die städtische Galerie wertvolle Kupferstiche und Radierungen von Dürrer, Schongauer oder van Dyck aus dem Archiv hervor, welche zwar seit 1896 im Besitz der Stadt Karlsruhe sind, aber aus konservatorischen Gründen normalerweise im Depot aufbewahrt werden.

Das Badische Landesmuseum wartete mit Tanzvorführungen zum Thema Jugendstil auf und präsentierte unter anderem Polka, Polonaise und Ländler.

Eher derb ging es hingegen im Ständehaus der Stadtbibliothek zu, wo der Karlsruher Kabarettist Konstantin Schmidt seine „Schwarzen Lieder“ zum Besten gab. Gewohnt bissig und humorvoll unterhielt er das Publikum mit Geschichten von heimlichen Gelüsten, sportlichen Beamten und sterblich Verliebten.

Naturbegeisterte Nachtschwärmer kamen im staatlichen Museum für Naturkunde ebenfalls voll auf ihre Kosten. Hier wurden besondere Attraktionen wie das Kakerlakenrennen geboten, das inzwischen zu den KAMUNA – Klassikern zählt. Dieser Augenschmaus erfreute ganz besonders die kleinen Museumsgänger, für welche die Museumsnacht noch zahlreiche weitere Angebote, wie eine Piratenschatzsuche oder eine Museumsrallye im ZKM, bereithielt.

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Die Highlights des Abends im Zentrum für Kunst und Medien waren insbesondere der Poetry Slam auf der Dachterrasse und die belgische Band „Jaune Toujours“, die den Besuchern auf dem Vorplatz des ZKM bis spät nach Mitternacht mächtig einheizte.

Das Angebot der diesjährigen Museumsnacht war zwar wieder sehr vielfältig und wurde dem Motto „…entdecken“ auch mehr als gerecht, die Kapazitäten allerdings waren angesichts des großen Besucherandrangs nicht annähernd ausreichend.

Nahezu alle Museen waren heillos überfüllt, was die Gäste vor allem durch lange Wartezeiten, vollgestopfte Führungen und stickige Räume zu spüren bekamen. Enttäuschend war ebenfalls die Tatsache, dass einige Attraktionen, wie beispielsweise der Poetry Slam, aus Platzgründen nur für wenige Besucher zugänglich waren.

Hier stellt sich die Frage, ob dass Konzept der KAMUNA für die jährlich ansteigenden Besucherzahlen überhaupt noch geeignet ist oder ob es nicht eventuell notwendig wäre, die Organisation der Museumsnacht vollkommen neu zu überdenken.

Auch wäre es sinnvoll, sich wieder auf die Grundidee der KAMUNA zurück zu besinnen – nämlich die Menschen fürs Museum zu begeistern, anstatt den kommerziellen Aspekt in den Mittelpunkt zu stellen. Auch wenn durch tolle Attraktionen und vielseitige Verköstigung eine große Menge an Besuchern angelockt wird, so ist deren Intention mitnichten allein das Betrachten von Kunstgegenständen. Sie interessieren sich oftmals weniger für die Ausstellungen, als für das, was aussenherum geboten wird.
Ist ein weiterer Spaß- und Vergnügungspark wirklich im Sinne einer Museumsnacht? Sollte sie sich nicht eher an wirklich Kunst- und Kulturinteressierte richten und für diese eine einmalige Gelegenheit bieten, auch mit eventuell kleinem Geldbeutel Kunst erleben zu können?

Schade ist in diesem Zusammenhang auch, dass ein Großteil der Veranstalter die Museumsnacht hauptsächlich für Werbezwecke und Merchandising zu missbrauchen scheint. Nicht jeder Kunst- und Kulturfreund möchte sofort Mitglied im Förderverein sämtlicher Museen werden oder handbemalte Tongefäße zu horrenden Preisen erwerben. Genauso verhält es sich mit den Werbeartikeln des KIT, welche ebenfalls den kommerziellen Anschein der Museumsnacht in den Vordergrund stellen.

Alles in allem war es jedoch ein gelungener Abend, an dem es viel zu „…entdecken“ gab. Man darf gespannt darauf sein, was die KAMUNA – Veranstalter sich für das nächste Jahr einfallen lassen. Lediglich zu hoffen bleibt, dass die Organisation zukünftig besser auf die zu erwartende Menschenmenge abgestimmt sein wird und der kommerzielle Aspekt, gerade auch angesichts der Wirtschaftskrise, wieder mehr in den Hintergrund rückt.

Sarah Stibig und Marie-Luise Miczka

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