Die Weststadt

Serie: Karlsruhe, deine Stadtviertel

Die Weststadt – historische Architektur, quirlige Bewohner und ganz viel zu erleben!

Wappen_Karlsruher_Weststadt Zwischen dem Stadtteil Mühlburg und dem Mühlburger Tor, im Norden von der Moltkestraße und im Süden von der Kriegsstraße begrenzt, erstreckt sich die Karlsruher Weststadt. Auch wichtige Einrichtungen wie die Kunstakademie, das Städtische Klinikum, das Rathaus West und die Karlsruher Volkshochschule sind hier zu finden. Dieser Stadtteil ist besonders wegen seiner ausnehmend schönen Architektur bekannt und beliebt. Hier sind noch viele Gebäude aus der Entstehungszeit der Weststadt um 1870 erhalten und so kann man nun bei ausgedehnten Spaziergängen die vielen Häuser im Stile der Gründerzeit und des Jugendstils mit ihren verzierten Fassaden, kleinen Balkons und verschnörkelten Gärten rundherum bewundern.

Dabei war die Weststadt zur Zeit ihrer Entstehung eigentlich eher ein Industriegebiet. Zuerst wurde hier 1848 das Gaswerk errichtet, das nun als Theater genutzt wird. Später siedelten sich noch verschiedene Brauereien an und auch das Militär war vertreten: Kasernen für die Infanterie und die Dragoner sowie eine Kadettenanstalt wurden in den 1890er Jahren errichtet. Heute werden die Räumlichkeiten als Behördenzentrum und als Sitz der Karlsruher Volkshochschule genutzt, an den alten Exerzierplatz erinnert ebenfalls nur noch eine Steintafel, da er Neubauten weichen musste.

IMG_1769Im Laufe der Zeit verwandelte sich die Weststadt allerdings zu einem beliebten Wohnviertel. Es wurde mehr und höher hinaus gebaut, was leider nicht immer mit den restlichen alten Gebäuden harmonisierte. Doch das tat der Beliebtheit keinen Abbruch, denn neben der Architektur gibt es noch viele weiter Vorzüge der Weststadt: eine Menge kleinere und größere Parks, viele Spielplätze, die Nähe zur Innenstadt, die man in kurzer Zeit mit der Straßenbahn, dem Rad und zur Not auch zu Fuß erreichen kann und die nahe gelegene Günther- Klotz- Anlage machen die Weststadt besonders attraktiv für Familien und Studenten.
Einziger Störfaktor: es herrscht ein absoluter Mangel an Parkplätzen und so werden alle möglichen und unmöglichen Stellen als Abstellplatz genutzt, was es sowohl für Fußgänger als auch für Autofahrer nicht gerade einfach macht, sich in der Weststadt zu bewegen.

Ein wichtiger Bestandteil des Lebens im Viertel ist natürlich der Bürgerverein der Weststadt, der sich um alle möglichen kommunalen Belange der Bürger kümmert. Gegründet wurde er 1894 und besteht also schon seit über hundert Jahren. Anlass war der Landgraben, ein Abwasserkanal, der durch die Sophienstraße floss und das Leben in der Weststadt mit seinem Gestank nicht gerade einfach machte. So schlossen sich einige Bewohner zu dem Bürgerverein der Weststadt e.V. zusammen, mit dem Ziel, den Landgraben zu überbauen. Dieses Vorhaben wurde denn auch erreicht und nun befindet sich unterhalb der Sophienstraße das 9000m lange Landgrabengewölbe, das mit 5,20m Breite und 4,60m Höhe den zweitgrößten Kanalquerschnitt Europas aufweist.
Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es in der Kanalisation so aussieht, der hat hier die Gelegenheit dazu, denn den Landgraben kann man besichtigen. Die Führungen sind kostenlos und Treffpunkt ist der Eingang zum Landgraben am Lameyplatz.

Der Bürgerverein der Weststadt blieb auch nach der Überbauung des Landgrabens aktiv, heute werden von ihm Feste und Veranstaltungen organisiert, die die Bewohner des Stadtteils zusammenbringen und für ein starkes Gemeinschaftsgefühl sorgen. Um jeden Bürger immer darüber zu informieren, was in seinem Viertel, in Karlsruhe und im Rest der Welt passiert, erscheint monatlich der Weststadtspiegel. Wer ihn nicht wie Weststadtbewohner im Briefkasten findet, der kann sich die Bürgerhefte auch als Pdf-Datei bei den Ka-News herunterladen. Der Bürgerverein bietet außerdem Stadtteilführungen an, bei denen man die schönsten Fleckchen entdecken kann.
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Wer lieber auf eigene Faust die Weststadt erkunden möchte, der sollte auf jeden Fall einen Abstecher zum Gutenbergplatz machen, am besten dienstags, donnerstags oder samstags, denn dann findet dort der Markt statt. Doch nicht nur der Markt ist ein Ereignis auf dem Gutenbergplatz, sondern auch das seit 1919 jährlich stattfindende Lindenblütenfest bei dem traditionell die Lindenblütenkönigin gekürt wird.

Außerdem lohnt es sich, einen Spaziergang auf der Hildapromenade zu unternehmen, die im nördlichen Teil der Weststadt zu finden ist. Der Weg rund um den breiten Grünstreifen mit dem großen Kinderspielplatz ist perfekt geeignet, wenn man mit dem Hund Gassi gehen, eine Runde joggen oder einfach ein bisschen spazieren gehen will. An der nördlichen Hildapromenade, neben dem Generallandesarchiv, befindet sich der Haydnplatz, der zu den schönsten Plätzen Karlsruhes zählt. Wer vom Joggen oder Spazieren müde ist, kann sich hier bei schönem Wetter zu den anderen Leuten auf die Wiese setzen, die Sonne und die Blumen genießen und die Füße ins Wasser des schönen Springbrunnens hängen.

Doch auch kulturell gesehen hat die Weststadt einiges zu bieten. In der Nähe des Mühlburger Tors befinden sich das Sandkorn-Theater, das Jakobus-Theater und das Figurentheater Marotte. Alle drei sind im ehemaligen Gaswerk untergebracht.

Das älteste ist das Sandkorntheater, das 1956 aus der evangelischen Jugendarbeit entstanden ist. Es wird von einem Förderverein, dem Freundeskreis des Sandkorn-Theaters e.V., finanziert und durch ehrenamtliche Arbeit unterstützt.
Das Jakobus-Theater hingegen ist ein kleineres Amateurtheater von 1972, das hauptsächlich mit Laiendarstellern und professionellen Regisseuren arbeitet. Es herrscht ein reger Austausch zu dem Theater „Die Käuze“ und zum Lace Market Theatre in Nottingham.
Das jüngste Theater ist das 1987 gegründete Marotte-Figurentheater, das zwar nicht ausschließlich, aber doch besonders für Kinder interessant ist. Die Vorstellungen decken die verschiedensten Arten des Figurentheaters ab, als Schattenspiel, mit Handpuppen und natürlich auch klassisch mit Marionetten. Vor oder nach einem Theaterbesuch bietet es sich natürlich an, noch in eines der zahlreichen Cafés, Restaurants, Kneipen und oder einen der Biergärten einzukehren und es sich gut gehen zu lassen.

All diese Eigenschaften machen die Weststadt zu Recht zu einem der beliebtesten Karlsruher Stadtviertel und wer nicht hier wohnt, der sollte sich einfach mal einen Tag Zeit nehmen, durch die Straßen schlendern und die schöne Architektur des Viertels genießen.

Claudia Brändle

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