Buchrezension: “Dreck am Stecken” von Erling Jepsen

Rezension dreck am stecken

Mit seinem Roman „Dreck am Stecken“ feierte der Däne Erling Jepsen 2006 in Deutschland seinen Durchbruch. Es war sein erstes Buch, das in Deutsche übersetzt wurde.
Wenn man es zu Hand nimmt, wird schnell klar, warum: Eine so skurrile Geschichte, genährt mit rabenschwarzem Humor, darf nicht allein den Dänen vorbehalten bleiben!

Mit diesem Roman ist Erling Jepsen eine wahre Krimiparodie gelungen, die in ihrer Handlung gar nicht so abwegig ist, denn zumindest die „Landeier“ unter uns wissen: Das Landleben ist nicht immer das, wofür man es hält! Diese Erfahrung muss auch sein Hauptprotagonist Robert Hansen machen.
Robert, ein Polizist aus Kopenhagen, wird nach Højer in Südjütland versetzt, einem scheinbar ruhigen abgeschiedenen Plätzchen Erde. Doch die Versetzung bringt alles andere als Ruhe in sein Leben.
Eigentlich will Robert nur ein bisschen Frieden finden, nachdem sich die Ereignisse in Kopenhagen überschlagen haben: seine Ehe ist gescheitert, seine innig geliebte Tochter Josefine ist mit ihrer Mutter samt neuen Mann nach Australien ausgewandert und auch seine im Rollstuhl sitzende Mutter, eine schillernde Persönlichkeit, ist scheinbar immer weniger auf ihn angewiesen, seit sie diesen jungen, knackigen Pfleger hat. Und zu guter Letzt ist da noch sein fieser mittlerweile Ex-Schwiegervater und gleichzeitiger Polizeichef, der ihn sowieso loswerden will.

Nach einem Gespräch mit seinem Vorgänger wird schnell klar, hier auf dem Land werden die Dinge anders geregelt: „Regel Nummer eins heißt, hier löst man die Probleme so weit wie möglich selbst.“
Im Klartext bedeutet das, statt einer Anzeige gibt es für den Täter erstmal eine ordentliche Tracht Prügel wie Robert im Dorfladen feststellen muss, als er wegen eines Ladendiebstahls gerufen wird.
An diese neuen Gepflogenheiten muss sich der sympathischer Hauptprotagonist erst einmal gewöhnen.
Aber wie sich herausstellt, gewöhnt er sich sehr schnell an alles: an Strohdächer, Holzschuhe, Gummistiefel wegen der morastigen Landschaft, Starkbier, den kleinlichen Kneipenkrawall der oft betrunkenen Bewohner, die ländliche Ruhe, das Vogelgezwitscher und den Mittagsschlaf an seinem einladenden Bürotisch.
Selbst als er zum ersten Mal die spektakuläre Rettung einer im Moor eingesunkenen Kuh miterlebt und die unheimlichen Geschichten der Dorfbewohner darüber hört, gewinnt er schnell seine Fassung zurück.
Doch spätestens als Ingerlise ihn aufsucht, eine Zugezogene aus Åbenrå, die mit dem Dorfhelden und Raufbold Jørgen verheiratet ist und zudem noch sehr hübsch, ist es zunächst einmal vorbei mit Roberts Gelassenheit. Wie kann man nur eine so schöne Frau verprügeln? , fragt er sich und beschließt ihr gegen Jørgen zu helfen.
Ab hier nimmt das Chaos seinen Lauf und Robert muss feststellen, dass er ganz plötzlich und ganz aus Versehen selbst einen ordentlichen Haufen „Dreck am Stecken“ hat.

Wer abgedrehte, skurrile Geschichten mag und ein Freund rabenschwarzen Humors ist, über den nicht jeder lachen kann, der sollte sich den Roman des Dänen unbedingt zu Gemüte führen.
Klar ist, dass nicht jeder mit diesem Schreib- und Erzählstil etwas anfangen kann, doch wer gern Krimis liest, über Skurriles lacht und wissen will, was das Moor von Højer außer Kühen noch so alles verschluckt hat, sollte vor diesem Buch nicht Halt machen.

Jennifer Korn

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