Wieder mal Theaterfestival

Auch das Partnerteam „Die Physiker“ traf mit dem Stück „Kasimir und Karoline“ von dem namhaften ungarischen Schriftsteller Ödon von Horvath den Nerv der Zeit. Es stellte dar, welch immensen Einfluss eine globale Finanzkrise auf die Lebenssituationen und die Emotionen einfacher Menschen hat und sich negativ auf ihren weiteren Lebensverlauf auswirken kann.
In dem Stück verlieren die Figuren, die Angestellte Karoline und der entlassene Chauffeur Kasimir, auf der verzweifelten Suche nach einem besseren Leben alles, was sie noch besitzen – ihre Liebe zueinander und ihre persönliche Würde. „Ich fand das Stück gut und lebhaft dargestellt, vor allem die aktuelle ökonomische Dramatik und die tiefgreifenden emotionalen Beziehungs- und Kommunikationsprobleme von Mann und Frau wurden sehr gut veranschaulicht“, so die begeisterte Zuschauerin Sabine. “Wer weiß, ob wir in Zukunft nicht auch so da stehen werden“, meint sie ein wenig nachdenklich.
Bunte Oktoberfestszenen mit reichlichen Schlagereinlagen, lebensphilosophisch angehauchte Sätze wie „Träume sind Schäume“ und “Nur der Mensch hat alleinig einen einzigen Mai” regten die Zuschauer sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken und letztendlich zum regen Applaus an.

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Szene aus dem Stück “Warten auf Godot”

Nicht vergessen sollte man natürlich auch das Gastschauspielerteam „Wir Boni“ aus Tübingen mit ihren Stücken „Warten auf Godot“ und „Winzige Alice“, die trotz geringer Zuschauerpräsenz versucht haben, witzige und vor allem außergewöhnliche Szenen zu präsentieren, so dass es sich doch gelohnt hat auf Godot zu warten. In welcher Inszenierung bekommt man sonst einen dicken und bärtigen Mann in einem bauchfreien Top und in einem sexy Blümchenrock zu sehen?

Für einen weiteren überraschend spektakulären Auftritt hat am Folgetag die Unitheatergruppe „NICHTS ALS THEATER“ aus Koblenz gesorgt. Das Stück „Le Grand Macabre“ vom ungarisch-jüdischen Komponisten György Ligeti, das eigentlich ein Opernstück ist, wurde vom Regisseur Michael Eisenhart zu einer Komödie umgeschrieben und sorgte mit zahlreichen grotesken und abstrusen Szenen für reichlich Gelächter.
Schon vor dem Einlass wurden die Zuschauer auf unterschwellige Art und Weise in das Geschehen miteinbezogen, indem die Hauptdarsteller Proprenaz und Nekrozotar mit Bierflaschen in der Hand theatralisch grölend das Publikum empfingen. „Der Einsatz von Diaprojektion am Anfang der Szene war phänomenal,“ meint Torsten, ein junger theaterbegeisteter Student, „die haben für eine richtige intermediale Abwechslung zwischen Leinwanddarstellung und Theater gesorgt“, bemerkte er beeindruckt.
Gegen Ende der ersten Pause war man vom Stück so hingerissen, dass niemand mehr wusste, ob die polternden Geräusche Teil der Inszenierung waren oder vom Hagel auf dem Theaterdach kamen. Letztendlich war es dem Publikum wohl egal, die Begeisterung und die positive Resonanz waren grenzenlos.

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