Vom Stoff aus dem die Träume sind

Vom Stoff aus dem die Träume sind

Wenn bis zu einem Drittel der Weltbevölkerung um einen einzigen Menschen trauert und die Medienindustrie das ganz große Geld wittert, dann ist eine Ikone von uns gegangen. So geschehen mit Elvis, mit Lady Di und vor ein paar Wochen mit Michael Jackson. Doch warum bewegen uns solche Menschen? Warum erschaffen wir Stars, erheben sie zu Ikonen, bewundern und betrauern sie – nur um sie anschließend genauso schnell zu vergessen?

Moderne Ikonen sind ein Produkt der Medien. Und die Medien geben ihrem Publikum schlicht was es sich wünscht, nämlich Ikonen. Prominente Menschen, Gegenstände und sogar Fiktives werden durch gesteigertes Interesse zum modernen Mythos erhoben. Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, Dinge oder Wesen zu mythologisieren, die seinen Verstand übersteigen oder unfassbar weit entfernt wirken. Wie in zahllosen Legenden und Sagen ranken sich auch um moderne Ikonen Gerüchte und angebliche Fakten. Die Stars und Sternchen unserer medial geprägten Welt nehmen den Platz antiker Helden ein, welche in der Menschheitsgeschichte als Projektionsfläche für erstrebenswerte Ideale, Sehnsüchte und Ängste dienten.

Let's talk about sex..Let’s talk about sex…

Die Menschen die wir an die Stelle antiker Helden gesetzt haben fungieren anhand vorgeschriebener Rollen oft als Vorbilder. Britney Spears „no sex until marriage“-Image aus den späten 90ern ist ein recht offensichtliches Beispiel, welches allerdings nie wirklich ernst genommen wurde und heutzutage völlig vergessen zu sein scheint. Allerdings ist gerade in diesem Zusammenhang die Verehrung von Musikstars ein nicht zu unterschätzender Aspekt des Ikonendaseins. Viele Jugendliche erleben ihre erste, wenn auch fiktive, Liebesbeziehung durch eine moderne Ikone. Auch Erwachsene richten persönliche oder intime Sehnsüchte und Wünsche des Öfteren gegen bekannte Persönlichkeiten. Dadurch eröffnen sich zahlreiche Marktnischen und ganze Industriezweige, zum Beispiel der Playboy, die dies geschickt auszunutzen wissen.

Oft steht hinter der Verehrung auch der Wunsch, an die Stelle der betreffenden Person zu treten. Der Wunsch nach Anerkennung und nach selbsterlangter Größe wird zum Ansporn für die eigenen Leistungen. Tatsächlich eifern viele derzeitige Idole einem viel älteren Idol hinterher, indem sie eben dieses zitieren oder nachahmen. So haben wir Sergio Leones Westernklassiker „Spiel mir das Lied von Tod“ dem Einfluss des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa zu verdanken.

Beinahe jeder hat die eine oder andere verklärte Erinnerung an ein Idol oder eine Ikone, die sich prägend auf die eigene Entwicklung ausgewirkt hat – meist ist der Wahrheitsgehalt dieser Erinnerungen allerdings nicht mehr nachvollziehbar.

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Typischerweise haben fast alle Ikonen auch eine „dunkle Seite“. Die bösen Alter-Egos der Helden aus Märchen und Mythen sind in all ihren Facetten auch bei den Stars von heute zu finden. Es ist für Boulevard- und Klatschmagazine ein beachtlicher Vorteil, dass die „Helden“ aus Film, Fernsehen und Musik eben auch nur Menschen sind. Negative Schlagzeilen in Form von Medikamenten- oder Drogensucht, Skandale unterschiedlichster Art oder einfach nur bestimmte Charaktereigenschaften gehören zum Ikonendasein.

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