Kreativität im Lebensalltag

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“Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.” Truman Capote, US-amerikanischer Schriftsteller.

Es ist Ferienzeit und an Urlaub ist mangels Geld nicht zu denken.
Wie wäre es, das anstehende Sommerloch anstatt mit Langeweile eher mit Gedanken über kreativen Fähigkeiten zu verbringen und diese im Alltag umzusetzen?

Die Routine im Alltag ist wichtig im Leben, da sie Halt und Orientierung gibt. Wir können Dinge tun, ohne über die einzelnen Handlungsschritte groß nachzudenken. Aber Routine ist hinderlich, wenn wir in entscheidenden Lebenssituationen etwas Neues wagen wollen oder müssen. Wer hauptsächlich routiniert lebt, vernachlässigt nachhaltig sein Kreativitätsvermögen.

Doch was kann man sich unter Kreativität vorstellen? Braucht man wirklich eine außergewöhnliche Begabung, die nach den allgemeinen Vorstellungen vieler Menschen Genies und Wahnsinnigen vorbehalten ist?

Auch wenn sich viele für absolut unkreativ halten, hat die Kreativität entgegen vieler Annahmen weniger mit Begabung oder Talent zu tun. Sie ist, nach der neuesten Kreativitätsforschung, wie jede andere Fähigkeit dem Menschen nicht nur angeboren, sondern steigerbar, sofern die Bereitschaft und Sensibilität dafür gestärkt wird. Die Fähigkeit zur Entfaltung von kreativen Potenzialen steckt schließlich in jedem von uns.

In der heutigen Zeit ist Kreativität zu einem vielseitigen Modewort geworden und wird in der freien Wirtschaft, den Medien und der Öffentlichkeit propagiert, um vielseitige Chancen in der globalisierten Welt umfassender nutzen zu können. Laut Beschluss der Europäischen Kommission sollen Kreativität und Innovationsfähigkeit Schlüsselkompetenzen für alle Bürger Europas werden, so dass die Europäische Union das Jahr 2009 zum Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation erklärt hat. Kurz gesagt: Die Kreativität gewinnt heutzutage immer mehr an Bedeutung .

Auch wenn die Vorstellungen darüber verschieden sind, wer oder was kreativ sein soll, haben Persönlichkeitsforscher mehrfach erklärt, dass Kreativität ein offenes, zu allen Seiten hinführendes Denken sei.
Es führe oft zu ungewöhnlichen neuen Lösungen, durch die jeglicher kreative Prozess in Gang gesetzt werde. Das Neue, nie Dagewesene wird aus zwei Blickwinkeln gemessen.

Kann man Kreativität erlernen oder vorhandenes Potential steigern? Dies scheint in erster Linie schwierig zu sein: Meist ist man längst aus der kindlichen Phase hinaus, in der man spontan und weniger zielorientiert handeln könnte. Das Tun und Denken eines erwachsenen Menschen ist größtenteils zweckorientiert. Das Streben nach Anerkennung, Erfolg und guten Leistungen schließt beim ersten Blick diese kindliche Denkweise aus. Es passt nicht in die vermeintlich erwachsene Welt, unsinnig zu agieren. Darum wird gerne logisch und nachvollziehbar gehandelt, um einen erwachsenen und vernünftigen Eindruck zu hinterlassen. Aber Erkenntnisse aus den Wissenschaften zeigen, dass Kreativität zu den grundlegenden Lebensbedürfnissen des Menschen zählt und eine evolutionäre Kraft darstellt, die in der Kindheitsphase stark ausgeprägt ist und einen notwendigen Gültigkeitsanspruch im Verlauf des weiteren Erwachsenenlebens als überlebenswichtige Eigenschaft haben sollte.

Für die Steigerung der Kreativität sind die Möglichkeiten natürlich grenzenlos.
Die bekannteste Form der Kreativitätssteigerung überhaupt bieten Tagträume und Träume, wie sie schon der Chemiker August Kekulé Mitte des 19. Jahrhunderts gehabt hat. Während er sich mit der chemischen Struktur von Benzol befasste, nickte er beim Abschweifen seiner Gedanken ein und träumte von einem festlichen Ball: Tanzende Paare verwandelten sich in ganze Atomgruppen, die schlangenähnlich aussahen und sich letztendlich in den Schwanz bissen. Infolge eines Geistesblitzes leitete Kekulé daraus die Erkenntnis ab, dass die Struktur des Benzols nicht linear sondern ringförmig ist – eine der prägnantesten Entdeckungen in der Chemie mit Hilfe der Kreativität.

Eine andere Möglichkeit, mit kreativen Gestaltungskräften des Unterbewussten in Verbindung zu treten, ist die Methode des inneren Dialogs. Mit diesem inneren Dialog nehmen wir innerlich Stimmen wahr und führen ein Selbstgespräch im Stillen. Durch permanente Fixierung der Augen auf einen Punkt verfällt man nach einiger Zeit in eine Trance. Auf diese Weise können unendliche Ressourcen des Unbewussten angezapft werden. Manche Menschen besitzen sogar auch einen fiktiven inneren Ort der Ideen, den sie in sich aufsuchen, wenn sie sich von alten Denkgewohnheiten befreien wollen. Für manche ist es eine Insel weit draußen im Meer, für andere ein imaginärer Stuhl oder eine Höhle, die dazu veranlassen, weitere Gegenstände zu sichten und Einfälle zu erlangen. Der Weg des inneren Auges wird damit frei für in eine vielfältige und ideenreiche Gedankenwelt.

Eine weitere kreativitätsfördernde Methode ist das Übertragen kreativer Zustände aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Eine Technik, die aus dem neurolinguistischen Programmieren (NLP) entlehnt wurde. Sie  kann dazu beitragen, dass die eigene Zukunft positiv gestaltet werden kann. Dazu ist es notwendig, die eigene Vergangenheit  zu vergegenwärtigen, das Gefühl einer vergangenen Situation erneut zu erleben, dieses typische Gefühl zu vertiefen und mit in die Gegenwart zu nehmen.

Falls die negativen und belastenden Lebensereignisse jedoch überwiegen sollten, schafft die Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) von Francine Shapiro Abhilfe. Diese Methode wird häufig für Trauma- Betroffene angewendet und ist auch zur Kreativitätssteigerung sehr nützlich, da belastende negative Gedanken durch Verarbeitung minimiert und Platz für neue Gedanken geschaffen werden. Diese Methode kann mit einem Partner oder auch alleine ausgeführt werden. Erforderlich ist ein Stift, der 20 bis 30 cm vor den eigenen Augen mehrmals hin und her bewegt wird, so dass die Augen dazu ermutigt werden den Bewegungen des Fingers mit den Augen zu folgen. Die schnellen Augenbewegungen haben zur Folge, dass die belastenden Gedanken sich in ihrer Wirkung stark abschwächen.

Welche Methoden letztendlich zur erfolgreichen Kreativitätssteigerung führen, bleibt nach dem Motto suum cuique dem Einzelnen überlassen. Wichtig ist, dass die innere Einstellung sich der Kreativität nicht verschließt, sondern eine kreative Geisteshaltung in Form von Neugier, Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, Scharfsinnigkeit und die lebendige Vorstellungskraft das ganze Leben hindurch aufrechterhalten wird.

Ümmü Susan

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