Die Nordstadt

Serie: Karlsruhe, deine Stadtviertel

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Ruhiges Fleckchen + amerikanisches Flair = Nordstadt

Die Nordstadt wurde 1996 gegründet und ist somit der jüngste Stadtteil Karlsruhes. Er entstand aus einem Teil der Weststadt, aus dem amerikanischen Viertel und der Hardtwaldsiedlung. Man erreicht die Nordstadt, indem man vom Adenauerring aus in die Erzbergerstraße einbiegt.

Paul-Revere-Village_180pxIm früheren amerikanischen Viertel, genauer gesagt in der „Paul-Revere-Village“, lebten ausschließlich Amerikaner, die dort vom Militär stationiert waren. 1989 zogen die US-Streitkräfte wegen einer Verminderung der NATO-Streitkräfte aus Karlsruhe ab. Das Gelände kaufte die Stadt Karlsruhe damals vom Militär zurück und sanierte die bestehenden Häuser und Wohnungen.
Wohnblöcke, Reihenhäuser und Doppelhäuser mit großen Vorgärten sind weit und breit zu sehen. Eine Bushaltestelle zwischen Willy-Brandt-Allee und Kanalweg heißt noch immer „Smiley Barracks“, wodurch ein richtiges US-Flair entsteht. Um das Amerikanische Viertel einzugrenzen, gab man ihm amerikanische Straßennamen wie z.B. Tennesseeallee oder New-Yorker-Straße.
In der Nordstadt leben sehr viele junge Menschen, circa 25% der Bevölkerung sind unter 18 Jahren. Einige Kinder werden zweisprachig erzogen, da noch heute amerikanische Bürger hier wohnen.

Ami_Mikado_180pxManche von ihnen helfen ehrenamtlich in der Amerikanischen Bibliothek, die sich im Kanalweg 52 in der Hardtwaldsiedlung befindet. Dort kann man sich englischsprachige Bücher und Magazine sowie DVDs, VHS-Kassetten und CDs ausleihen. Einige Bücher wurden von den Amerikanern, als diese wieder in ihr Heimatland gingen, zurückgelassen. Diese wurden dann gesammelt und in der Bibliothek abgegeben. Die freiwilligen Helfer der Bibliothek haben eine große Freude daran, wenn man sich mit ihnen auf Englisch unterhält. Sie beraten auch gerne, wenn man ins Ausland gehen möchte und auch Bücher zum Toefl-Test gibt es dort. Es finden viele Veranstaltungen in der Amerikanischen Bibliothek statt, wie z.B. „Poetry Please“ wo sich Leute treffen um über Gedichte zu sprechen und zu philosophieren, in Englisch natürlich.
Auch für Kinder gibt es Lesungen und Erzählungen in Englisch. Zweimal im Jahr gibt es einen Bücherflohmarkt, auf dem man zu günstigen Preisen ausrangierte Bücher erwerben kann. Der Jahresbeitrag für Studenten beträgt 12,50 Euro, Mitglieder der Stadtbibliothek können hier kostenlos Bücher ausleihen.

Im selben Gebäude wie die Amerikanische Bibliothek befindet sich das Kulturhaus Mikado. Dort werden Räumlichkeiten für verschiedene kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel Kleinkunst, Theater, Konzerte und Lesungen vermietet. Auch Kurse und Seminare werden regelmäßig im Mikado angeboten. Man kann verschiedene Tanzkurse besuchen oder auch die Hausaufgabenhilfe nutzen. Eine idyllische Abwechslung zu den bekannten Kulturräumlichkeiten der anderen Stadtteile Karlsruhes.

Für die Kinder und Jugendlichen der Nordstadt gibt es den NOC-Club in der Delawarestraße. NOC steht für „Non Commissioned Officier“, da, als die amerikanischen Streitkräfte noch in der Nordstadt stationiert waren, diese Räumlichkeit als Unteroffiziers-Club genutzt wurde. Der Club bietet heutzutage offene Kindernachmittage, einen Kinderzirkus und ein Ferienprogramm für die Kleinen an. Die Jugendlichen können sich im hauseigenen Jugendcafé austoben und für die Mädchen gibt es einen Mädchen Streetdance. Unter dem Motto „Schülerinnen und Schüler der Nordstadt wollen was für Sie tun“ bieten Jugendliche bei der Taschengeldbörse gegen einen geringen Lohn ihre Mithilfe an. Sie verrichten z.B. Gartenarbeit, kehren oder tragen Sperrmüll auf die Straße.

Maryland_180px_2In der Rhode-Island-Allee steht die Marylandschule. Eine Gebäudebeschriftung zeigt, dass es sich hierbei um die ehemalige Karlsruher American Elementary School handelt. Heute ist daraus eine Grund- und Hauptschule geworden, trotzdem wurde die historische Beschriftung nicht überstrichen.
Auch das Heisenberg-Gymnasium erinnert mit seiner Gebäudeaufschrift an die einstige High School der Nordstadt. Durch die amerikanischen Aufschriften und Straßennamen wirkt der Stadtteil sehr charmant und bringt das weit entfernte Amerika ein kleines Stückchen näher.

Flugplatz_180pxIm Westen der Nordstadt liegt der alte Flugplatz, der nach dem zweiten Weltkrieg von der US-Armee genutzt wurde. Heute steht auf einem Teil davon die Berufsakademie. Der Flugplatz zieht sich über eine Fläche von etwa 70 Hektar.

Seit 2003 ist der unbebaute Teil ein naturgeschütztes Biotop, auf dem der seltene Borstgrasrasen wächst und geschützte Tierarten wie zum Beispiel Wildbienen und Grabwespen leben. Er ist auch eines der wichtigsten Sandbiotope ganz Baden-Württembergs. Die Nordseite des Flugplatzes wird seit 2004 von Eseln beweidet und um die Instandhaltung der Südseite kümmert sich ein Landwirt. Einige Schilder weisen darauf hin, dass das Biotop zwar betreten werden darf, aber man nicht von den markierten Wegen abkommen soll. Das schöne Stück Natur wird von den Nordstadtbewohnern gerne zum Walken, Joggen oder Spazieren gehen genutzt. Für die Stadt dient der alte Flugplatz als Frischluftlieferant und bietet Erholung und Entspannung innerhalb Karlsruhes.

Restaurant_180pxAußerdem gibt es in der Nordstadt ein paar vereinzelte Restaurants sowie das Flughafenrestaurant in der Erzbergerstraß, dass nah am Flugplatz liegt. Dort hat sich ein Elsässer Wirt niedergelassen und verkostet die Gäste mit französischem Wein und leckeren Elsässer Flammkuchen aus dem Steinofen.
Eine größere Anzahl an Lokalen und Bars findet man jedoch in der Innenstadt von Karlsruhe, die man in circa zehn Minuten Fahrtzeit mit dem Fahrrad bequem erreichen kann. Auch mit der Straßenbahnlinie 3, die sogar bis zum Hauptbahnhof fährt, gelangt man schnell in die Innenstadt. Das Straßenbahnnetz der Nordstadt ging erst 2006 in Betrieb.

Die Nordstadt ist ein Stadtteil mit ganz eigenem Charme. Man fühlt sich dort ein bisschen wie in einem kleinen amerikanischen Vorort. Wenn man durch die Straßen schlendert hört man manchmal Kinder oder Erwachsene miteinander Englisch reden, was das Gefühl der amerikanischen Idylle noch verstärkt.

Heike Lanzendörfer

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