Was gibt’s denn da zu Feiern?

Der Stein des Anstoßes...Der Stein des Anstoßes…

Es ist allgemein bekannt, dass Feiertage keine Erfindung des Christentums sind. Beinahe jeder Feiertag des liturgischen Kalenders hat einen historischen Vorgänger, der oftmals sogar auf das gleiche Datum fällt.

Das bekannteste Beispiel dürfte Weihnachten sein; liegt das Fest doch nach dem julianischem Kalender auf dem Tag der Wintersonnenwende. Auch wenn dieses astronomische Ereignis häufiger am 21. als am 24. Dezember stattfand, lassen sich zahlreiche winterliche Licht- und Sonnenkulte auch heute noch im Weihnachtsfest finden.
Auch Ostern ist ein, wenn auch weniger bekanntes, Beispiel für einen Feiertag dessen Ursprünge in der vorchristlichen Mythologie zu finden sind. Auch hier spielen astronomische Ereignisse eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn das Osterdatum wird nach dem ersten Frühjahrsvollmond berechnet. Da der Frühlingsanfang auf den 21. März fällt lassen sich Verbindungen zu antiken Frühlingsfesten nachweisen, die sich um die Tagundnachtgleiche gruppieren. Osterbräuche in verschiedenen Ländern der Welt lassen auch auf fast vergessene Fruchtbarkeitsrituale schließen.

Ostern kommt zudem noch besondere Bedeutung zu, da alle anderen beweglichen Hochfeste des Christentums vom Ostersonntag aus berechnet werden. Christ Himmelfahrt, das 39 Tage nach Ostern stattfindet und immer auf einen Donnerstag fällt, wird abseits vom kirchlichen Kalender als Vater- oder Männertag gefeiert. Ein Tag, an dem die meisten Väter Familiensinn beweisen und mit ihren Kindern unterwegs sind. Beliebt sind aber auch reine Männerrunden an Grillplätzen, Angelseen und auf Wanderwegen.
Nicht zu vergessen ist auch die Ankunft des Heiligen Geistes, die Geburtsstunde der christlichen Kirchen, besser bekannt unter dem offiziellen Feiertagsnamen Pfingsten, womit schlicht der „fünfzigste Tag“ gemeint ist.. Ihr Ende finden die Osterfeierlichkeiten dann in Fronleichnam. Ein prunkvolles und symbolisches, kannibalistisches Gegenstück zum Gründonnerstag, bei dem der Leib und das Blut des Gekreuzigten vom Gläubigen symbolisch in Form einer Hostie verspeist wird.

für bevorzugte Geschenke...…für bevorzugte Geschenke…

Der Muttertag, welcher in die Osterfeiertagserie fällt, wird dagegen nicht zu den liturgischen Festen gezählt. Tatsächlich ist er in Deutschland nicht gesetzlich verankert. Dabei zählt gerade der Muttertag, völlig gleichgültig an welchem Datum er begangen wird, zu den ältesten rituellen Festen der Menschheit. Spektakuläre archäologische Funde wie die Venus von Willendorf bezeugen den Mutterkult bereits in der Altsteinzeit. In allen Kulturen der Menschheitsgeschichte ist der Gedanke der Verehrung der eigenen Mutter sowie einer großen Muttergottheit zu finden.
Erwähnenswert ist in dieser Hinsicht die Verehrung der griechischen Göttin Kybele, die so genannte „große Mutter von Berg“. Kybele galt als Fruchtbarkeitsgöttin, die zahlreiche Anhänger hatte und meist im März gefeiert wurde. Ihr Kult überdauerte das römische Zeitalter und wurde schließlich in dem liturgischen Kalender als „Mothering Sunday“ integriert. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um den Muttertag wie wir ihn kennen. Vielmehr nutzte die „Mutter Kirche“ dieses Ereignis, um sich selbst zu feiern.

Der Muttertag wie wir ihn kennen ist wesentlich jüngeren Datums und gründet auf der Idee der Amerikanerin Anna Marie Jervis, die am Sterbebett ihrer Mutter beschloss, den zweiten Sonntag im Mai zum Ehrentag aller Mütter zu erheben. In den USA ist der Muttertag seit 1912 ein gesetzlicher Feiertag. Ironischerweise bereute sie bereits in den 1920er Jahren ihr Engagement und bekämpfte bis an ihr Lebensende die Kommerzialisierung des Muttertages.

In Deutschland wurde die Idee vom Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber adaptiert. Da der Muttertag während der Zeit des Nationalsozialismus allerdings mitder Idee der „germanischen Herrenrasse“ und der „Förderung arischen Nachwuchses“ in enger Verbindung stand scheute man eine erneute Einführung des Ehrentages. Seit 1949 ist das Datum des Muttertags den deutschen Wirtschaftsverbänden überlassen die das US-amerikanische Vorbild, den zweiten Sonntag im Mai, übernahmen. Hier kann es zu einer Überschneidung mit dem Pfingstsonntag kommen, was zuletzt 2008 der Fall war und hat für zahlreiche Verwirrungen sorgte.

...und ihre alternativen…und ihre Alternativen.

Abseits aller historischen Vorgänger sollte aber auch der Muttertag mit der gleichen Würde gefeiert werden wie alle liturgischen und nichtliturgischen Feste, die sowohl im Kalender als auch im Gesetz ihre Verankerung gefunden haben. Immerhin geht es hier um die eigene Mutter, und die hat mehr verdient als einen halbherzigen Feiertag den der Staat aus Angst vor der eigenen Geschichte nicht einzurichten wagte. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja irgendwann. Bis dahin bleiben Kinder bevorzugt bei Blumengeschenken und die Kirchengänger bleiben unter sich.

Inci-Nur Memili

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