ton:art – Studenten zeigen digitale Klangkunst

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Aus einem Objekt Töne entlocken und mit ihm Musik spielen – dabei denkt man eigentlich an Geige und Klavier oder Gitarre und Schlagzeug. Eine ganz neue und andere Art der Musik, sowohl in ihrem Klang als auch vom Spiel her, wird momentan in der Ausstellung „ton:art“ in der Galerie Margit Haupt gezeigt.

Musikinformatik- und Musikwissenschaft-Studenten der Hochschule für Musik zeigen hier ihre eigens erfundenen und neuartigen „Musikinstrumente“, die es dem Benutzer auf vollkommen unterschiedliche Art und Weise ermöglichen, Musik zu „spielen“.

„Hauptgedanke war es, zu zeigen, was man heute eigentlich aus der Verbindung von Computer und Musik machen kann, welche Möglichkeiten gegeben sind, mit Klängen zu arbeiten“ erklärt Organisator Florian Vitez. Hört sich ziemlich abgefahren an – wie kommt man denn überhaupt auf solche Ideen? In ihrem Studium lernen die Studenten theoretische und praktische Grundlagen der „Musikwissenschaft/Informatik“, worunter man sich die „Herstellung“ von programmierbarer, elektronischer Musik oder auch Filmmusik und generell die Produktionsschritte von Musik vorstellen kann. Mit diesem Hintergrundwissen interpretierten die studentischen Künstler bereits vorhandene Gegenstände – wie etwa ein Fahrrad oder auch einen Fahrstuhl – um, sodass Klanginstallationen entstanden. Idee der Organisatoren Florian Vitez und Daniel Dominguez war es, diese verschiedenen Objekte einmal außerhalb des Hochschulkontextes zu zeigen. Schnell schlossen sich ihnen weitere Mitstreiter an und erarbeiteten mit ihnen zusammen die Ausstellung. Die Räumlichkeiten wurden von der Galerie kostenlos zur Verfügung gestellt und weitere finanzielle Unterstützung erhielten sie vom Freundeskreis e.V., das benötigte Equipment stellte das ComputerStudio der HFM und das ZKM zur Verfügung.

tonart-quadratZu sehen sind in der Galerie nun noch bis zum 2. August sechs verschiedene Klang-Kunstwerke, die den Besucher zum ausprobieren einladen. Mit dem Cycleonium von Daniel Dominguez kann man Fahrrad fahrend Musik spielen – durch mehrere Propeller am Hinterrad entsteht durch die Luft, die auf eine Flasche trifft, ein Ton. Dieser, ebenso wie das Geräusch der Kette sowie das eigene Atemgeräusch des „Fahrers“, bzw. „Musikers“ können dann noch mit einem Regler verändert werden. Li fluids von Vincent Wikström funktioniert wie ein Videospiel, wobei hier verschiedene Klänge erzeugt werden können. Bei der PulseGuitar verband er die Eigenschaften eines Synthesizers mit denen einer Gitarre. Patrick Borgeat und Juan Alzate Romero interpretieren bei SoundBubbles ein Computerspiel um, bei dem durch Spielen verschiedene Klänge erzeugt werden, die sich auch je nach Level erweitern. In einem abgedunkelten Raum der Ausstellung verbirgt sich meta_sonic in place, von Daniel Dominguez, Florian Vitez und Tobias Wächtershäuser, bei dem derBenutzer durch Leuchtstäbe an verschiedenen Stellen des Raumes verschiedene Töne erzeugen kann. Und sogar im zugehörigen Fahrstuhl der Ausstellung gibt es eine Klanginstallation von Matthias Schneiderbanger: Fahrstuhlmusik 2.0 nimmt die Geräusche des Fahrstuhlbenutzers auf, bearbeitet sie digital und gibt sie dann wieder – und zwar in jedem Stockwerk auf eine andere Art und Weise.

Alle diese Klangobjekte und –installationen sind interaktiv, also vom jeweiligen Benutzer mitgestaltbar, somit ist das Klangergebnis immer neu und einzigartig. Neben den Ausstellungsstücken gibt es noch einen Medienterminal, auf dem Konzertaufnahmen, Videokunst und Werke zu sehen bzw. hören sind.

Zusätzlich zu der Ausstellung wird es am Freitag, den 31. Juli ab 20:00 ein „artist in concert“ geben, bei dem die Künstler ihre Klangobjekte vorführen und zeigen, was klanglich alles mit ihnen möglich ist. Danach werden sie wie in einer Jam Session ihre „Instrumente“ zusammen spielen – man darf gespannt sein, was dabei rauskommt! Eine ähnliche neue Art der Musikdisziplin ist das „live coding“, das ab Mittwoch um 19:00 zu hören ist. Diese erst sehr junge Art der Performance verwendet den Computer als Musikinstrument, wobei „die Programmiersprache als Instrument genutzt wird. Die Töne werden dabei direkt erzeugt, durch eine direkte Kommunikation mit dem Computer“, erklärt Patrick Borgeat.

Hört sich irgendwie total abgefahren an? Kann man sich so erstmal nicht so viel drunter vorstellen? Darum lohnt es sich diese Ausstellung einmal anzuschauen, bei der die anwesenden Künstler gerne ihre Werke erklären und auch vorführen – wobei das „Selber-ausprobieren“ natürlich Sinn der Sache ist und sowieso eine Menge Spaß bringt.

Lea Scheffer
ton:art 23.08.-02.08.2009
Galerie Margit Haupt – Passagehof 13 – 76133 Karlsruhe
Montags bis Freitags 15:00-20:00 Uhr
Samstags 10:00-14:00 Uhr
Sonntag Finissage
Nähere Informationen zu den Künstlern und den Werken gibt es unter www.ton-art-expo.de

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