Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

Der Umschlagtext verheißt gutes:
„Viel mehr als reine Erotik ist es, was den pensionierten Studienrat aus dem Takt bringt: Es ist die fröhliche Frische und Unbekümmertheit von Pauline, die einer Amélie von Montmartre in nichts nachsteht.“

Für erfrischende Amélies aus Montmartre sind wir immer zu haben. Der neue Roman von Françoise Dorner unter der Lupe.

Der pensionierte Studienrat Armand Leclair trifft in einem Bus auf eine junge Frau, Pauline. Er ist sofort in ihren Bann gezogen.
Nun beginnt das wahre Abenteuer für den Witwer Armand. Er isst mit Pauline verboten gute Hot-Dogs mit ebenso sündhafter Cola, bringt mit seinem wieder instand gesetzten Wagen im wahrsten Sinne des Wortes wieder Bewegung in sein Leben. Doch schon bald macht sich Verzweiflung bei dem alten Mann breit. Pauline ist stets auf der Suche nach dem einen Lover, der mit der passenden Ersatz-Familie aufwarten kann, da ihre Eltern bei einem Unfall gestorben sind. Sie hat es jedoch satt, ihre Liebhaber dann fallen lassen zu müssen, wenn sie entdeckt, dass deren Familien nicht zu ihr passen. Überhaupt hat sie die jugendlichen Liebhaber satt, die ihren Körper nur „in Kommission nehmen“. Vermutlich aus diesem Grund sucht sie sich Armand nur als „Großvater“ aus. Dieser erkennt mit Verzweiflung, dass Pauline keine amouröse Beziehung mit ihm in Betracht zieht.

Armand versucht schließlich, sich das Leben zu nehmen, scheitert jedoch. Pauline und auch Pierre, Armands Sohn, besuchen den Witwer daraufhin im Krankenhaus. Hier entlädt sich Pierres jahrelang aufgestauter Zorn gegen den Vater.
Pierre wirft dem Vater vor, früher immer nur die Leistungen seiner Schüler anerkannt zu haben, und immer nur für Fremde da gewesen zu sein. Die eigenen Kinder konnte er jedoch nie loben oder ihnen seine Liebe zeigen. Nicht nur der Groll auf den Vater entlädt sich hier, sondern auch Pierres Frustration über seine eigene, gescheiterte Existenz.

Nun beginnt das Drama: Armands Kinder wollen ihn unter Vormundschaft stellen lassen, damit er mit dem vermeintlichen Flittchen Pauline nicht ihr Erbe verhökern kann.
Der Rentner räumt indes mit Pauline die Habseligkeiten seiner drei Jahre zuvor verstorbenen Frau aus seiner Wohnung aus. Danach macht er sich mit der jungen Frau auf den Weg in die Normandie zum Ferienhaus der Familie. Auf dieser Tour wird dem Witwer bald seine mittlerweile dürftige körperliche Verfassung schmerzlich bewusst.
Am Morgen einer letzten Nacht im Hotel, Wand an Wand mit Pauline, trifft Armand eine folgenreiche Entscheidung…

Nun, die Geschichte an sich hat keinen sonderlichen Reiz. Die Konstellation alter Mann/junge Frau, erfahren/unerfahren, gebildet/einfach kommt in der Literatur schon zu Genüge vor.
Er, der als Kind von seinen Eltern darauf getrimmt wurde, Leistung zu erbringen und Gefühle zu unterdrücken, und sie, die in einem lieblosen Elternhaus immer nur überflüssig war, finden in ihrer schwierigen Jugend einen gemeinsamen Nenner. Doch Armand hat sein Leben schon fast hinter sich. Erst jetzt fällt ihm auf, dass er immer „das Scheusal“ war, das seinen Kindern und wohl auch seiner Frau das Gefühl gab, ihm weniger wichtig zu sein als seine Schüler. Nun ist er eine übrig gebliebene Last und schon im ersten Kapitel fragt er sich, wann er es wohl schafft, den finalen Schritt zu gehen.
Doch was genau ist Pauline nun für Armand? Einerseits scheint sie ein natürliches Einfühlungsvermögen für Armand zu besitzen, wenn sie ihn beispielsweise beim Besuch des Ferienhauses oder im Hotel umarmt. Zu anderen Zeitpunkten ist Armand schockiert, wie grausam „schlicht und illusionslos“ Pauline alles auf den Punkt bringt, völlig teilnahmslos von ihrem eigenen Leben spricht, oder beispielsweise nicht auf seine Probleme eingeht, sondern auf ihr Vergnügen aus ist. Sie ist also keineswegs der rettende Engel, den Armand in ihr sieht.

Die Schwäche der Geschichte liegt in den vielen angesprochenen Problemen, die nur oberflächlich bearbeitet werden. Das Verhältnis zwischen Armand und Pauline genauso wie auch der Konflikt mit den Kindern im Roman wird nur dürftig ausgeführt. Die Dialoge wirken platt und emotionslos, es gelingt Donner nicht, hier Spannung aufzubauen.
Der Stoff bietet eine Fülle an Möglichkeiten der Ausgestaltung, die Dorner jedoch nicht ergreift. Die Charaktere wirken unausgereift, die Beschreibungen von Gefühlen oder auch schlicht der Umgebung sind nur skizziert und ziehen den Leser nicht in ihren Bann. Die Charaktere von Pauline und Armand hätten dem ganzen die besondere Note verleihen können, vor allem Pauline jedoch wirkt in ihrer Persönlichkeit uneins, ist voll von Widersprüchen und erscheint wie eine blutleere Schattengestalt.
Leider ganz und gar nicht fabelhaft.

Daria Polanský
Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand. Diogenes Verlag, Dezember 2008.
144 Seiten, broschiert, 7,90€.
ISBN-10: 3257239033

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