Eine Geschichte ganz ohne den Buchstaben zwischen Q und S

cover-die-zwillingeWem ist es schon einmal in den Sinn gekommen, einen Text abzufassen, in dem man einen Buchstaben aus dem Alphabet in keinem einzigen Satz benutzt? Genau dies wollte ein Poet aus Wien, eine Gestalt, die 1813 in dem Stück „Die Zwillinge“ die Bemühung machte, eine ganze Geschichte ohne den siebzehnten Buchstaben im Alphabet festzuhalten. Als Neuheit kann man das nicht bezeichnen, denn schon in antiken Publikationen gab es Hymnen und Fassungen zu bekannten Epen wie Ilias und Odyssee, die von einem bestimmten Buchstaben abließen.

Dem Poeten gelang es mit viel Geschick seinen Text zu beenden. Die Aufgabe bestand nicht bloß in dem Punkt, den siebzehnten Buchstaben wegzulassen, Bekannte sollten ihm auch 60 Bezeichnungen zuteilen, die dann allesamt im Buch zum Einsatz kamen. Zugegeben, manchmal mit nicht genügend Gewandtheit. So ist es faktisch wohl unmöglich, die Haut mit Speck gelb zu tünchen, doch musste eben etwas mit dem Speck zu machen sein. Leicht fiel die Aufgabe wohl nicht, denn noch einmal zwei Auflagen sollten in die Öffentlichkeit gelangen, ehe die Aufgabe als abgeschlossen gelten konnte. Doch damit nicht genug: es folgte die Geschichte „Emma und Gustav von Falkenau“, ein Text ebenfalls ganz ohne den genannten Buchstaben und in dem nun 70 gestellte Bezeichnungen auftauchen sollten.

Die Handlungen sind diesbezüglich gut gelungen, da meist nicht zu entdecken ist, dass ein Buchstabe fehlt. Gewiss, wenn man genau aufpasst, fällt auf, dass zum Beispiel „um ihn wohnende Bekannte“ eine umständliche Aussage ist.

Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, die Geschichten zu lesen lohnt sich. Auf jeden Fall für jemanden mit genügend Achtung, was diese Bemühung angeht. Es benötigt wohl etwas Zeit bis man sich in den altdeutschen Duktus eingelesen hat. Und das Buch ist mutmaßlich auch nicht zu empfehlen, wenn man lediglich eine spannende und amüsante Geschichte lesen möchte, doch das ist ja auch nicht die eigentliche Absicht des Textes.

Wer jetzt gespannt auf den Namen des Poeten oder das Buch selbst ist, kann in der Badischen Landesbibliothek bei 80 A 975 nachschauen.

Sandra Wienke

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