Deutsch-Französische Doppeldiplome

Deine Uni ist inzwischen Elite – aber du möchtest noch mehr Elite? Doppeldiplome machen’s möglich!

Dass die Uni Karlsruhe – also eigentlich vielmehr das KIT – zur Eliteuni befördert worden ist, sollte allgemeinhin bekannt sein unter den Studenten. Doch dass die Uni auch namhafte Partner im nahen Ausland hat, wissen nur wenige Studenten. Und dass man nicht nur mit Erasmus dort ein Auslandssemester machen, sondern gleich ein Deutsch-Französisches Doppeldiplom erwerben kann, ist noch weniger bekannt. Hier eine kleine Einführung.

DeFI-LogoSeit den 90er Jahren gibt es an der Universität Karlsruhe Doppeldiplomprogramme mit mehreren führenden französischen Hochschulen, den „Grandes Écoles“. Zunächst nur als DEFIS (Deutsch-Französischer Ingenieurstudiengang) im Maschinenbau machbar, sind inzwischen auch die meisten anderen Fakultäten nachgezogen und bieten Doppeldiplomstudiengänge an. „Doppeldiplom“, das bedeutet neben dem Grundstudium in Karlsruhe mindestens vier Semester Studium an einer der Partnerhochschulen in Frankreich – und am Ende ein doppeltes Diplom: französisch und deutsch. Zuständig für die Koordination der Doppeldiplomprogramme ist KIT-DeFI, die Deutsch-Französische Initiative am KIT.

Wie läuft das ab?
Nach dem viersemestrigen Grundstudium an der Universität Karlsruhe (TH) haben die Studenten die Möglichkeit ihr Hauptstudium an einer französischen Partnerhochschule fortzusetzen und dort auch ihre Studienarbeit zu schreiben. Für die Vertiefungsfächer und die Diplomarbeit kommt der Student dann wieder zurück nach Deutschland. In einigen Fächern besteht auch die Möglichkeit, erst nach dem Hauptstudium nach Frankreich zu wechseln und dann dort die Vertiefungsfächer zu belegen und die Diplomarbeit zu schreiben. Für die französischen Studenten läuft das ganze Programm analog. Auch sie haben die Möglichkeit im Gegenzug nach Karlsruhe zu kommen.

Die Doppeldiplomprogramme werden dabei von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) unterstützt. Das heißt, dass die Studenten sich für ein Mobilitätsstipendium bewerben können und dann für die Zeit des Auslandsaufenthaltes finanziell unterstützt werden. Studiengebühren zahlt man übrigens nur für die Heimatuniversität.

Was muss man können?
Vorraussetzung für die Teilnahme an einem Doppeldiplomprogramm sind neben ordentlichen Noten natürlich auch gute Sprachkenntnisse des Deutschen und Französischen. Außerdem muss man sich frühzeitig nach dem 2. Semester bewerben, um in das Programm aufgenommen zu werden. Die Bewerbung erfolgt über den Programmbeauftragten der jeweiligen Fakultät.

Was sind die Vorteile?
Neben Spaß, Abenteuer und Erfahrung, die ein Auslandsaufenthalt zu bieten hat, bringt ein doppelter Abschluss aber noch mehr Vorteile. Interkulturelle Kompetenzen und eine bilinguale Ausbildung sind Qualifikationen, die heute auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind. Außerdem finden die Programme nicht nur in Kooperation mit hochrangigen Partnerhochschulen in Frankreich statt, sondern zum Teil auch in Kooperation mit großen deutsch-französischen Wirtschaftsunternehmen. Neben Praktika und Studien-, bzw. Diplomarbeitsplätzen vergeben diese auch Preise unter den besten Absolventen des Doppeldiplomprogramms.

KIT–DeFI: Was machen die genau?
Die 2008 neu gegründete Deutsch-Französische Initiative am KIT hat die Aufgabe, die bestehenden, deutsch-französischen Kooperationen von Universität und Forschungszentrum zusammenzufassen. Sie unterstützt die deutsch-französische Zusammenarbeit in Lehre und Forschung, zum Beispiel bei der Vermittlung von Studien-, Diplom- und Doktorarbeiten oder gemeinsamen Forschungsprojekten.

Angegliedert an die Fakultät für Maschinenbau ist KIT-DeFI auch für die Doppeldiplomprogramme im Maschinenbau zuständig.

Diplom? Was ist mit Master?
Die Umstellung aller Studiengänge von Diplom auf Master, die bis 2010 vollzogen sein muss, ist auch für die Koordination des Studienablaufs der Doppeldiplomprogramme eine Herausforderung. Aber selbstverständlich wird es auch für die Materstudiengänge die Programme mit doppeltem Abschluss in ganz ähnlicher Form wie bisher geben.

Welche Fakultäten bieten Doppeldiplome an? Und mit welchen Partnerhochschulen?

Maschinenbau (DEFIS) (und Chemieingeneurwesen)

  • ENSAM Metz/Paris
  • Grenoble INP
  • INSA Lyon
  • École Polytechnique de Paris

Physik

  • Grenoble INP
  • École Polytechnique de Paris
  • UJF Grenoble

Elektro- und Informationstechnik

  • Grenoble INP

Informatik

  • INSA Lyon
  • Grenoble INP

Biotechnologie

  • ESBS Straßburg

Mathematik

  • UJF Grenoble

Wirtschaftswissenschaften

  • Grenoble INP

Geodäsie/Topographie

  • INSA Strasbourg

Ein kurzer Erfahrungsbericht
Tobias Müller war mit dem Doppeldiplomprogramm in Frankreich. Für die KA.mpus und ihre Leser hat er sich bereiterklärt darüber zu berichten und einige Fragen zu beantworten.

Wie kamst du auf die Idee, am DEFIS teilzunehmen?
In der Messe Karlsruhe gab es eine Veranstaltung für Schüler mit Schulabschluss. Dort hat sich die Uni Karlsruhe vorgestellt und beim Maschinenbaustudium auch das Doppeldiplom erwähnt, das war der erste Kontakt, da dachte ich schon: “interessant”.

Vor meinem Studium habe ich den Zivildienst im Ausland gemacht und so wollte ich auch während des Studiums wieder ins Ausland. Im Doppeldiplom habe ich einen Mehrwert zum normalen Auslandsaufenthalt gesehen.

Ist dir die Entscheidung, für so lange Zeit ins Ausland zu gehen, schwer gefallen?
Mir persönlich nein, da ich schon mal für 18 Monate im Ausland war und diese Erfahrung sehr positiv fand.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Mit einem französisch Kurs im Centre Culturel Franco-Allemand in Karlsruhe, an dem viele andere Doppeldiplomanden auch teilgenommen haben.

Was waren deine ersten Eindrücke von Frankreich?
-Gutes Essen
-Schönes Wohnheim
-Die französischen Studenten sind jünger als wir Deutschen

Wo und wie waren die französische Hochschule und das Studentenleben anders als gewohnt?
-Deutlich mehr Semesterwochenstunden als in Deutschland, deshalb weniger Freizeit & stressiger
-Hat mich mehr an Schule als an Uni erinnert
-Anwesenheitspflicht
-Man kommt schneller mit anderen internationalen Studenten in Kontakt
-Besseres Betreuungsverhältnis
-Studium beinhaltet deutlich mehr praktische Erfahrungen, z.B. CAD Kurs und Praktika an sämtlichen modernen Produktionsmaschinen
-Aufgrund der geografischen Lage des Wohnheims in Metz (direkt neben der Schule) ist man sehr unter sich geblieben, also unter Maschinenbaustudenten

In wieweit hat der Auslandsaufenthalt dein Studium beeinflusst?
Meine Studiendauer hat sich verlängert, aber nur um ein oder zwei Semester, also nicht sehr.

Welche Erfahrungen hast du mitgenommen?
-Wenn man sich wirklich in eine andere Kultur integrieren will, muss man selbst sehr aktiv, interessiert, anpassungsfähig und positiv von der Grundhaltung her sein.
-Manche Stereotypen werden bestätigt, andere abgebaut

Welche Vorteile hattest du bisher vom Doppeldiplomstudiengang, welche Vorteile versprichst du dir für die Zukunft?
- Ich spreche fließend Französisch
-Verständnis für Schwierigkeiten ausländischer Studenten
-Praktika im Ausland v.a. Frankreich waren einfacher zu finden

Zukunft:
-Zwei Arbeitsmärkte bei der Jobsuche
-Breitere Wahlmöglichkeiten beim Berufseinstieg
-Einfacherer Mobilität innerhalb von internationalen Unternehmen
-U.U. höheres Gehalt aufgrund des zweiten Diploms

Wenn dich jemand fragen würde, ob er einen Doppeldiplomstudiengang machen soll, was würdest du ihm antworten?
Ja, aber man muss sich klar darüber sein, dass es sehr wahrscheinlich schwieriger und stressiger wird, als man es sich vorstellt. Man sollte, zumindest bei einem Doppeldiplom in Frankreich, sehr fit in Mathe sein [zumindest die Maschinenbaustudenten], das vereinfacht einiges. Um auch wirklich mit Franzosen in Kontakt zu kommen, falls man das will, sollte man sehr flexibel und offen sein.

Vielen Dank für das Interview.

Silke Zimmer

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