Couch Surfing – Die Welt neu entdecken

Der Sommer ist da, die Klausurenphase kündigt sich an und die Lust am Urlaub steigt. Ein leerer Geldbeutel ist jedoch oftmals der Grund dafür, im Sommer arbeiten zu gehen anstatt relaxt am Pool ein paar Cocktails zu schlürfen. Doch diesen Sommer wird alles anders, denn es gibt eine tolle Alternative zum teuren Luxusurlaub, den sich keiner leisten kann: Couch Surfing.

Auf der Internetplattform www.couchsurfing.org eröffnen sich eine Unmenge an Reisemöglichkeiten auf allen fünf Kontinenten mit vielen begeisterten Anhängern. Alexandra Mühl, 23, Tourismusmanagerin aus Österreich, beschreibt Couchsurfing als „eine ideale Möglichkeit zu reisen und neue Leute kennen zu lernen.“

Die Internetseite, die seit 1999 existiert, versteht sich als weltweites Netzwerk zwischen Reisenden und Gastgebern und lässt eine vollkommen neue Weise des Reisens entstehen. Menschen aus allen Teilen der Erde bieten kostenlose Schlafplätze bei sich Zuhause an und „surfen“ selbst durch die Weltgeschichte. Das Nutzen dieser Gelegenheit verpflichtet nicht zum Aufnehmen einer Person bei sich zu Hause. Alexandra berichtet: „Wenn es im Beruf stressig ist, muss ich niemanden aufnehmen und treffe mich mit Couchsurfern auf ein Getränk.“. Jeder kann sich tagsüber als Stadtführer anbieten, sich mit dem Couchsurfer zum Kaffeetrinken treffen oder sich mit ihm in das Nachtleben stürzen.

Die Idee zu dieser Art des Reisens stammt von Casey Fenton, der das Glück hatte ein günstiges Ticket nach Island zu ergattern, allerdings auf die Schnelle keine Unterkunft fand. Nach der Kontaktaufnahme zu über 1500 Studenten bildeten sich Gruppen, die ihm Reykjavik zeigen wollten. Fenton war von diesem Zeitpunkt an besonders am Kennenlernen anderer Kulturen interessiert. Die Idee des Couch Surfings war geboren.

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Die kostenlose Bleibe ist in den meisten Fällen nicht der ausschlaggebende Grund dieses andere Reiseverfahren zu nutzen, sondern es geht vor allem darum neue Bekanntschaften in der ganzen Welt zu machen. „Couch Surfing wants to change not only the way we travel, but how we relate to the world!”(couchsurfing.org) Auch für Sabine, 23, Wirtschaftsingenieurstudentin aus Karlsruhe, steht vor allem das individuelle Reisen und der direkte Kontakt mit Leuten aus den jeweiligen Länder im Vordergrund: „Man wird in den Freundeskreis integriert, erhält Einblick in das Leben dort, hat einen Ansprechpartner und bekommt Insidertipps, die nicht im Reiseführer stehen.“ Alexandra ist derselben Meinung: „Ich lerne Stadt, Land und Leute auf eine ganz andere Weise kennen als beispielsweise als normaler Tourist.“ Dabei wird Couchsurfing nicht nur von Urlaubsreisenden genutzt, sondern stellt mitunter auch eine günstige Übernachtungsmöglichkeit für Wohnungssuchende dar.

Couchsurfer kann prinzipiell jeder werden, der Lust an neuen Erfahrungen hat, wobei die Altersspanne von 18 – 99 reicht. In einem ersten Schritt füllt man zunächst ein Anmeldeformular aus, das einem die Mitgliedschaft in dem weltweiten Netzwerk ermöglicht. Danach steht dem nächsten Urlaub nichts mehr im Weg.
Ganz nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, geben selbst angelegte Profile Aufschluss über das Alter, die Herkunft, Interessen, Vorlieben und gegebenenfalls die Couch, die genutzt werden kann. Die Mitglieder können sich verschiedensten Gruppen anschließen und sich dort austauschen, wodurch die Profile Ähnlichkeit zum Konzept der social networks StudiVZ oder Facebook aufweisen. Bewertungen und Referenzen geben einen Eindruck von Gastgebern sowie Gästen. „Man kann sich ja die jeweiligen Profile der Leute im Voraus ansehen und auch aus den Referenzen auf einiges schließen“, lautet Alexandras Tipp. Eine freiwillige, kostenpflichtige Verifizierung gibt zusätzliche Sicherheit. Mit Hilfe der angegebenen Kreditkartennummer werden die Identitäten überprüft und es gibt ein weiteres Bürgschaftssystem, bei dem bereits verbürgte für andere Mitglieder Verantwortung übernehmen. Gibt es bei dem ersten Zusammentreffen mit dem Gastgeber Bedenken, so steht es jedem frei das Angebot auszuschlagen. „Man kann immer noch gehen, wenn es einem nicht gefällt oder einem nicht wohl bei der Sache ist“, sodass sich Sabine „total sicher“ fühlt.

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Faszinierend sind die vielen neuen Bekanntschaften, die durch Couch Surfing entstehen. „Auf unkomplizierte Weise nette, offene, interessante Leute kennenzulernen“ macht nicht nur für Alexandra den Reiz aus. Richtige Freundschaften schließen oder auch nur Kontakte knüpfen– beides ist möglich.

Die Planung einer solchen Reise ist in den meisten Fällen sehr spontan und lässt Raum für eine flexible Urlaubsgestaltung. Hat man sich erst einmal für ein Reiseziel entschieden, kann es innerhalb weniger Tage losgehen. Schnell eine Mitfahrgelegenheit organisiert oder den nächsten Billigflug gebucht und das Abenteuer kann beginnen. Bei der Ankunft werden die Reisenden meist zuvorkommend aufgenommen. „Wir waren schon ein bisschen nervös, als wir in Paris bei unserem Host vor der Tür standen, danach war es aber kein Problem“, so Alexandra. Zu intensive und engagierte Betreuung seitens der Gastgeber kommt auch vor; Sabine sind „45-50% Prozent Beschäftigung lieber als eine ´Vollzeitbetreuung´“. Mit dem genauen Gegenteil sollte auch gerechnet werden, da die Einladenden sich aus Zeitmangel nicht immer mit den Gästen beschäftigen können.

Ein vorbildlicher Gast ist sich seiner Verpflichtung gegenüber dem Couchbesitzer bewusst. Dabei schränkt die Anpassung an die verschiedenen Lebensgewohnheiten und Gegebenheiten das Verhalten des Surfers etwas ein. „Man muss sich darüber im Klaren sein, das Bad oder das Schlafzimmer teilen zu müssen“, so Sabine. Zu hohe Erwartungen werden hier nicht erfüllt, aber wer sich auf etwas Neues einlässt, kann spannende Erfahrungen sammeln, wissen unsere Interviewten. Außergewöhnliche Erlebnisse jenseits des Alltags gehören dazu. „Sehr amüsant“, fand Alexandra es, als ein männliches Model vor ihrer Tür stand, auch Sabine war von ihrem peruanischen Gastgeber, der bereits über 100 Leute empfing, begeistert.

In Karlsruhe ist Couchsurfing mehr Mittel zum Zweck, mit hochrangigem Sightseeing wie in Berlin oder Hamburg ist die Fächerstadt natürlich nicht vergleichbar. Zurzeit sind 301 Couchsurfer für Karlsruhe registriert und jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat findet ein Treffen statt, bei dem jeder aus der Community willkommen ist.

Klingt alles zu schön, um wahr zu sein, oder? 1,160,675 Couchsurfer in 232 Ländern können sich nicht irren, dieses Konzept scheint aufzugehen. Aus diesem Grund lautet Alexandras Message an diejenigen, die bis jetzt noch nicht angemeldet sind: „Macht alle mit!

Reinschnuppern oder gleich Couchsurfer werden unter
www.couchsurfing.org
Laura Heftrich und Rebekka Zajonc

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Eine Reaktion zu “Couch Surfing – Die Welt neu entdecken”

  1. Flug

    Wo ich das erste mal von Couchsurfing gehört habe, konnte ich es gar nicht richtig glauben, dass jemand Fremde Leute einfach so bei sich schlafen lässt bzw. dass man selbst auch zu Fremden geht. Ich denke auf couchsurfing.org ist das ganze mittlerweile schon sicher, wenn man sich die Profile und Bewertungen anschauen kann, aber es gibt ja mittlerweile auch Nachmacher, wo man nicht so genau weiß, worauf man sich einlässt.
    Das Grundprinzip ist auf jeden Fall genial, wobei man als Frau vielleicht doch lieber zu zweit reisen sollte…

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