Casablanca – alter Schinken oder Klassiker?

„Ich seh’ dir in die Augen, Kleines.“ In den Unruhen des zweiten Weltkrieges lernen sich die hübsche Ilsa Lund (Ingrid Bergmann) und der Amerikaner Rick Blaine (Humphrey Bogart) kennen und lieben. Doch wird ihre Liebe die scheinbar unlösbaren Probleme überwinden können?

casaplancaDer zweite Weltkrieg ist in vollem Gange, Frankreich wird teilweise von den Nazis besetzt. Das französische Protektorat Marokko ist zu diesem Zeitpunkt noch neutrales Gebiet. Viele Menschen flüchten deshalb nach Casablanca, von wo aus sie weiter nach Amerika zu entkommen versuchen. Leichter gesagt, als getan, denn um nach Amerika zu können, brauchen die Flüchtlinge Transit-Visa, die nur von dem Polizeichef Louis Renault (Claude Rains) erteilt werden können. Renault rückt die heiß begehrte Ware jedoch nur gegen horrende Summen heraus und daher sitzen viele Flüchtlinge in Casablanca fest. Um die Not für einen Moment vergessen zu können, gehen die Emigranten in den Nachtclub Rick’s Café Américain. Der Besitzer Rick ist ein gefühlskalter Zyniker, der für niemanden den Kopf hinhält. Als eines Tages zwei Transit-Visa gestohlen werden, entbrennt eine Großfahndung nach dem Täter. Die Transit-Visa landen schließlich bei Rick. Kaum sind die Visa in seinem Besitz, da tauchen auch schon zwei Gestalten in seinem Nachtclub auf: Der tschechische Widerstandskämpfer Victor László und seine Frau Ilsa Lund. Als Rick hört, wie sein Pianist Sam (Dooley Wilson) das Lied „As Time Goes By“ spielt und er Ilsa dabei in die Augen sieht, kommen alte Gefühle wieder hoch. Er liebte Ilsa und Ilsa liebte ihn. Sie waren in Paris, als die Nazis dort einfielen. Er wollte mit ihr fliehen, doch zum vereinbarten Treffpunkt kam sie nie. László sucht derweil nach jemandem, der ihm Transit-Visa verkauft. Er erhält den heißen Tipp, sich an Rick zu wenden. Doch der verbitterte Rick lehnt jedes Angebot ab. Daraufhin versucht Ilsa Rick zu überzeugen, was ihr erst gelingt, als sie ihm ihre Liebe gesteht. Durch einen Trick kann er Lázló und Ilsa zum Flughafen bringen, wobei er Renault mit einer Waffe bedroht. Dort angekommen, besteht Rick darauf, dass Ilsa mit ihrem Mann nach Amerika fliegt. Sie will bei Rick bleiben, bis er ihr klarmachen kann, dass sie zu Lázló gehört. So steigen Ilsa und Lázló ins Flugzeug, doch dann trifft der deutsche Major Strasser (Conrad Veidt) ebenfalls am Flughafen ein und will den Kontrollturm über Lázlós Flucht verständigen. Rick tötet den Major. Die Polizei stürmt kurz darauf herbei, doch Renault verschweigt, wer den Major getötet hat. Rick entkommt damit dem Gefängnis und so endet der Film mit dem Zitat: „Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

Der Film Casablanca ist nicht nur ein romantischer Film mit unvergessenen Filmzitaten. Da er 1942 gedreht wurde verband er hochaktuelle Politik mit einer rührenden Liebesgeschichte. Man spürt die Verzweiflung und Hoffnung der Menschen in jeder Szene, sie versuchen sich am Glücksspiel, um eines der teuren Visa kaufen zu können. Besonders ergreifend ist die Szene, als deutsche Soldaten „Die Wacht am Rhein“ in Ricks Café singen und das Orchester daraufhin unter Lázlós Leitung die „Marseillaise“ anstimmt, um die Nazis mit ihrem Gesang zu besiegen. Kleinere Schwächen bleiben dem anspruchsvollen Zuschauer dennoch nicht verborgen, beispielsweise der Satz „Ich seh’ dir in die Augen, Kleines“, der im Film mehrmals wiederholt wird und so seine Wirkung in der Schlussszene verliert. Und auch die Filmmusik pendelt nur zwischen den beiden Liedern „Marseillaise“ und „As Time Goes By“ hin und her. Aber diese Mängel sind verschwindend gering im Vergleich zu der brillanten schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller. Beispielsweise Bogarts Darstellung des kaltherzigen Rick, der im Laufe des Films seine verletzliche, emotionale Seite offenbart. Und auch Ingrid Bergmann legt eine schauspielerische Glanzleistung hin, wenn sie schön und traurig zugleich in die Kamera lächelt und beiden Männern ihre Liebe verspricht. Man wird als Zuschauer von der Frage gepackt, wen sie nun wirklich liebt und erhält erst ganz am Schluss die Antwort.

Fazit: Casablanca ist kein alter Schinken, der in der Schublade verstauben sollte, sondern ein Klassiker, weil sich in ihm die Kriminal-, Liebes- und zeitgeschichtlichen Elemente so wunderbar vereinen.

Julia Schwibbe

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