Rezension Buch

Saša StanišiÄ: Wie der Soldat das Grammofon repariert

Politik und Geschichte wird von grauen Männern die Zigarillos rauchen gemacht! Ihre Auswirkungen betrifft hingegen jeden, auch den kleinen Jungen in dem bosnischen Dorf Višegrad, der den Krieg in Kroatien und Bosnien-Herzegowina erlebt, wie ihn nur ein Kind erleben kann. Er erzählt darüber, „Wann etwas ein Ereignis ist, wann ein Erlebnis, wie viele Tode Genosse Tito hat und wie der ehemals gefeierte Dreierschütze hinter das Lenkrad eines Centrotrans-Busses gelangt“. Der Krieg verwandelt sich in viele kleine Geschichten, die ihn langsam heraufbeschwören, seinem Grauen aber immer wieder Aufschub gewähren. Bis er da ist. Im eigenen Haus. In der eigenen Familie. Und die zauberhaften, ausgedachten Geschichten die Realität nicht mehr verschleiern.

Wie Saša StanišiÄ die Welt, in der er aufgewachsen ist beschreibt, lässt nicht nur den Geschmack und den Geruch der Pflaumen während der Pflaumenernte miterleben, man leidet auch bei den anschließenden Bauchschmerzen mit. Jedes Wort gibt der jeweiligen Szene genau die Nuance, die es braucht um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. Was der junge Autor StanišiÄ schafft, ist einen Roman über einen Krieg zu schreiben, der uns zeitlich und geographisch nahe steht und der unser Bewusstsein nicht mehr verlassen wird.

Btb-verlag, ISBN 978-3-442-73762-8

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