Interview: EuKlid

Einzigartiger Studiengang EuKlId

EuKlId – ein bekannter Name und ein noch nicht so bekannter Studiengang der Universität Karlsruhe. ‚Europäische Kultur und Ideengeschichte’ ist der volle Name des EuKlId-Studiengangs. Er ist relativ neu und vereint die Inhalte mehrerer geisteswissenschaftlichen Fächer zu einem interdisziplinären Studienangebot. Das Interview mit Professor Hans-Peter Schütt, Leiter des Instituts für Philosophie, Prodekan der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe (TH), gibt einen Überblick über Ursprung und Inhalte des Studiengangs und die beruflichen Möglichkeiten seiner Absolventinnen und Absolventen.


Seit wann gibt es den Studiengang EuKlId?

Dieser Studiengang existiert seit dem Wintersemester 2004/05. Einen Studiengang mit diesem Namen gibt es nur in Karlsruhe. Anderswo gibt es freilich European Studies. Das kommt als Bezeichnung aus der angelsächsischen Welt. Dort hat man schon länger Studiengänge, die sich aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplin einer ganzen Weltregion widmen — man spricht von area studies. Wir haben das aufgenommen und unserem Angebot, bezogen auf Europa, gezielt eine historische Note gegeben. Deswegen heißt es nicht einfach „Europäische Studien“, sondern eben „Europäische Kultur und Ideengeschichte“. Das Wort „Ideengeschichte“, als deutsche Übersetzung für history of ideas oder histoire des idées, ist eine modernere und international übliche Bezeichnung für das, was bei uns früher „Geistesgeschichte“ hieß.

Wie sind Sie auf die Grundidee dieses Studiegangs gekommen?

Unsere Fakultät hat ein kleines Institut für Philosophie, Geschichte und Geisteswissenschaft im Institut für Literaturwissenschaft. Wegen der geringen Größe der Institute war es schwer, speziell in den Fächern Philosophie und Geschichte Studiengänge anzubieten, die von der personellen Besetzung her mit gleichnamigen Studiengängen in Heidelberg, Freiburg oder Tübingen konkurrieren können. Die Institute dort sind sehr viel größer, und die Qualität eines Studiengangs hängt naturgemäß auch davon ab, wie viele hauptamtliche Lehrkräfte darin unterrichten. So war unsere Überlegung, ob wir unsere Schwäche nicht in eine Stärke verwandeln können, indem wir einen Studiengang entwickeln, an dem mehrere Institute beteiligt sind. Daß ein solcher Studiengang dann von vornherein interdisziplinär angelegt ist, schien uns ein weiterer Vorteil zu sein. Aus der Kooperation der drei genannten Institute ist dann EuKlId entstanden.

Welche Prioritäten werden im Studiengang EuKlId gesetzt?

Priorität haben die Inhalte, für die das Institut für Geschichte und dafür Philosophie über die nötige Forschungskompetenz verfügen. Für beide Institute ist der EuKlId-Studiengang in der Lehre die erste Aufgabe. Das weiterhin bestehende Angebot für die Ergänzungsfächer Philosophie und Geschichte ist darin als echter Teil enthalten. Eigentlich ist der EuKlId-Studiengang nichts wesentlich anderes als ein Mehrfächerstudiengang (z.B. Hauptfach Geschichte mit den Nebenfächern Philosophie und Mediävistik). Er ist aber eingepasst in unser B.A./M.A.-Format, d.h. mit stärkeren Vorgaben, was die Struktur des Curriculums angeht. EuKlId ist ausdrücklich historisch angelegt. Der Studiengang enthält verpflichtend für alle einen Durchlauf durch die europäische Kulturgeschichte von der Antike bis in die Moderne. Das ist das Grundgerüst. Aber an dieses Gerüst können die Studie-renden nach eigener Wahl vieles gleichsam dranhängen. Je weiter sie im Studium fortgeschritten sind, desto mehr können sie ohne Druck frei wählen, können etwas ausprobieren, z.B. ob sie ihren Schwerpunkt in der Geschichte, der Philosophie oder der Literaturwissenschaft haben möchten. So ist es angelegt und recht erfolgreich. Denn wir haben deutlich mehr Studierende als früher.

Welche Berufsaussichten haben die Absolventen?

Man kann für keinen geisteswissenschaftlichen Studiengang etwas Allgemeingültiges sagen. Wenn man von der Arbeit eines Deutsch- oder Geschichtslehrers einmal absieht, gibt es ja nicht den Beruf eines Germanisten oder eines Historikers. Es gibt Tätigkeitsfelder für die Philologen und Historiker, die besser ausgebildet sind als andere. Dies sind Information, Kommunikation und Dokumentation. Drei Beispiele: 1. Immer mehr große und mittlere Firmen entfalten Aktivitäten im Bereich der Kulturarbeit, des Kultursponsorings und dergleichen, weil sie bemerkt haben, dass das eine Möglichkeit der Werbung und der Imagebildung ist, die effektiver ist als bunte Zettel in Briefkästen zu werfen, auf denen steht, wie gut ihre Produkte sind. So unterhalten viele Firmen inzwischen regelrechte Kulturabteilungen. Dort finden studierte Germanisten, Historiker, Philosophen und seit neuestem eben auch EuKlIdler ihre Arbeitsplätze. 2. Für historisch qualifizierte Akademiker kommt etwas hinzu: Einige Firmen haben entdeckt, dass die Aufarbeitung ihrer Firmengeschichte aus den unterschiedlichsten Gründen immer wichtiger wird. Historiker finden überall dort Arbeitsplätze, wo es etwas in Archiven zu entdecken gibt, denn das ist eine Arbeit, die eben Fähigkeiten erfordert, über die Betriebswirte oder Ingenieure in der Regel nicht verfügen. 3. In dem Maße, in dem Kontakte innerhalb der EU zunehmen und Europa als Markt auch für kleinere Firmen immer bedeutsamer wird, werden Arbeitskräfte gebraucht, die über die dafür nötigen kommunikativen und kulturellen Kompetenzen verfügen. Das sind eher gut ausgebildete Geisteswissenschaftler als z.B. Techniker mit irgendwelchen Zusatzzertifikaten.Den Beruf eines „ EuKlIdlers“ gibt es selbstverständlich nicht. Aber alles, was Germanisten oder Historiker tun können, das können auch diejenigen, die EuKlId studiert haben. Eine EuKlId-Absolventin — der Mehrzahl unserer Studierenden sind Frauen — ist ja auch eine Historikerin, nur dass ihre Ausbildung auf Europa ausgerichtet ist.

Die Welt modernisiert sich. Im Lauf der Zeit ändern sich die Interessen der Menschen. Was früher war, ist heute nicht mehr aktuell. Inwiefern wird EuKlId aktuell bleiben?

Das Interesse der Menschen, auch der ganz gewöhnlichen Menschen, an den Themen, die auch Themen unseres Studiengangs sind, ist einfach und es wird bleiben. Denken Sie nur daran, wie viele TV-Sendungen an historischen Stoffen gewidmet sind. Wo kommen die Stoffe dafür her? Aus unserem Themenvorrat. Alle Leute haben Meinungen über ihre Geschichte, ihren kulturellen Hintergrund. Sie wissen zwar wenig, aber sie haben Meinungen darüber. Und deshalb muss es irgendwo auch Leute geben, die auf diesen Feld nicht nur Meinungen, sondern auch Wissen haben. Als Menschen sind wir von Natur aus leichtgläubig und am Spektakulären inter-essiert. Das sind gefährliche Neigungen, die nur durch die Vermittlung von Wissen zu zähmen sind. Der soziale Nutzen der Geisteswissenschaften besteht darin, für dieses Wissen zu sorgen. Das aber wissen genügend Leute. Deshalb ist die Nachfrage nach unseren Angeboten so groß.

Elzara, Svetlana, Julia

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Eine Reaktion zu “Interview: EuKlid”

  1. Willi

    Das Euklid-Interview ist leider, meines Erachtens, zu allgemein gehalten. Da hätte ich gern mehr zum anstehenden M.A. für die noch-Geschichtsstudenten gelesen.

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