Quo Vadis Fernsehen?

Das beliebte Fernseh-Bashing hat nun auch KA.mpus erreicht.

Es war einmal eine Zeit, da stellte ein dem Massenpublikum durchs Fernsehen bekannt gewordener Literaturkritiker fest, das hiesige Fernsehprogramm verblöde die Menschen. Wäre dem so, so wäre dies natürlich ein großer Skandal und ein wichtiges Thema. Die überragende Bedeutung Marcel Reich-Ranickis in Literaturdiskussionen rechtfertigt durchaus, dass sich verschiedene Stimmen zum selben Thema Gehör verschaffen wollen und mit in einen Kanon einstimmen, dessen Melodie noch keiner kennt und dessen Text jeder vergessen hat.

Shakespeare und Brecht also sollen nicht nur das Niveau des Fernsehprogramms retten sondern auch den Menschen aus der Versklavung des Geistes befreien. Der Griff in die Vergangenheit um Probleme im Hier und Jetzt zu lösen hat sich jedoch schon immer als Griff ins Klo erwiesen. Zugegeben: Kulturelle Errungenschaften der Vergangenheit, seien es nun Gemälde, Dramen oder Romane haben auch heute noch ihren Reiz und nicht notwendigerweise ihre Faszinationskraft verloren. Nicht umsonst wird die Mona Lisa noch heute von Tausenden besucht, nicht umsonst werden auch heute noch Filme verehrt, die teilweise älter als ihre Zuschauer sind. Aber eben nicht von allen. Um neun Uhr abends nach einem anstrengendem Tag? Mit ein paar Freunden bei ein paar Flaschen Wein oder Bier?

Tatsächlich gibt es im Fernsehen kein großes Niveauproblem. Zugegeben: Wer unter Fernsehen nur Daily Soaps und Volksmusik-Sendungen versteht kommt schnell auf den Gedanken, dass hier irgendwas schief läuft. Nur: Diese Sendungen wollen nicht bilden sondern unterhalten. Diese Sendungen mit der Banalitätspeitsche zu geißeln ist ungefähr so als würde man behaupten, man möge keine Äpfel – wobei die Vertreter der Hochkultur wohl unter einer hypochondrischen Apfel-Allergie leiden.
Dagegen gibt es so viele Sendungen, die informieren und bilden wollen. Nur finden diese Sendungen zu wenig Zuschauer. Gerade Kultursendungen machen sich damit unmöglich, dass sie irgendwelche metaphysischen Tagträume in ihren Gegenständen sehen wollen.

Kurzum: Das Fernsehen ist heutzutage ein Medium der Unterhaltung und keines der (Hoch-)Kultur, der Bildung oder der Werte. Am Ende entscheiden schließlich nur die Einschaltquoten und die sind mit (vermeintlich) anspruchsvollem Programm nicht zu holen. Nun mag einzuwenden sein, dass die Zuschauerzahl ja nicht das entscheidende Erfolgskriterium sei – zumal die Quoten ja nur statistische Hochrechnungen sind. Da diese aber mit Werbegeldern verbunden sind, sind sie eben doch relevant.
Schon mancher musste feststellen, dass sich die Zeiten verändert haben. Internet und DVD sind längst die Medien, die (stellenweise) audiovisuell Bildung transportieren können. Der Fernseher hat nur noch eine anspruchsvolle Funktion: Den Ausschaltknopf. Der aber lässt sich nur schwer betätigen, solange man davon überzeugt ist, dass das Fernsehen alternativlos ist. Ist es aber nicht. Dem Fernsehen eine Träne hinterherweinen? No, No Never! No, No Never!

Hans-Georg Kluge

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