Karriere – oder: Wer andern keine Grube gräbt, fällt selbst hinein

20.000 € fürs Studium ausgeben oder gleich Geld verdienen? Beim „Spiel des Lebens“ hat das Studium nur den einen Vorteil, dass man die Wahl zwischen drei Berufen und Gehältern hat. Welche Bedeutung hat das Studium heute? Die Bildung des Geistes oder des Geldbeutels? Welche Aufgaben müssen Akademiker erfüllen? Weltverbesserung oder Gewinnmaximum?


Seit Einführung der Studiengebühren haben sich die einstigen Bildungsinstitutionen zu Bildungsunternehmen entwickelt, in denen Angebot und Nachfrage den Erfolg bestimmen. Studierende als zahlende Kunden haben das Recht auf zufrieden stellende Dienstleistungen. Innerhalb dieses Systems herrschen Subsysteme und Hierarchien, die nicht alle zahlenden Kunden gleichberechtigt behandeln. Bestimmte Studiengänge werden großzügiger unterstützt als diejenigen, die als brotlos erscheinen. Die zukünftige Karriere stellt den Mittelpunkt des Studiums dar. Nicht als Bereicherung für die Gegenwart, sondern für die finanzielle Zukunft wird gebüffelt.

Berufsziel: Chef?

Nach welchen Kriterien entscheiden wir uns für einen Studiengang? Da gibt es viele Klischees: Der Germanistik-Lehramt-Student, der „früher die Schullektüren ganz gern gelesen“ hat, der emoartige Philosophie-Student, der lieber grübelt als lebt, oder der Informatik-Student, der davon träumt, selber mal ein PC-Rollenspiel zu programmieren. Harmlos und witzig erscheinen diese Begründungen im Gegensatz zu folgendem Zitat eines achtzehnjährigen Mädchens mit Hello-Kitty-Haarspangen zum Thema Wahl des Studiengangs: „Eigentlich habe ich mit Wirtschaftsingenieurwesen angefangen, weil alle gesagt haben, dass man damit später viel verdienen kann und vor allem eine hohe Position hat. Dann bin ich aber nicht so mit dem Druck zurecht gekommen, die Studenten werden total ausgesiebt, und außerdem wusste ich gar nicht, dass ich so viele technische Sachen lernen muss.“

Heute Hugo – morgen Boss

Kann man mit so einer Einstellung erstens glücklich und zweitens erfolgreich werden? Studieren, um später Asche zu machen und nicht wissen, was genau man da eigentlich tut? Wäre es da nicht sinnvoller, sich nach dem Abitur etwas Zeit zu nehmen, um sich ausführlich über das Studienangebot zu informieren oder gar einen Eignungstest zu machen, um herauszufinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen? Denn nur die Besten kommen an die Spitze, alle anderen werden spätestens im vierten Semester merken, dass sie 2400 Euro plus Mietkosten plus Nebenkosten umsonst investiert haben. Wie soll man auch zu den Besten gehören, wenn man nicht mit Leib und Seele studiert? Wenn man nicht bereit ist, Zeit in sein Studium zu investieren und sogar Spaß am Lernen zu haben? Das Interesse am Wirtschaftsingenieurwesen hat in den letzten Jahren auffällig zugenommen. Interessieren sich plötzlich alle für Werkstoffkunde, Rechnungswesen und Technisches Zeichnen oder steht hinter der Beliebtheit doch der Wunsch nach Karriere? Firmenkontaktmessen wie „Bonding“ an der Universität oder „CareerContacts“ an der Hochschule Karlsruhe lassen die Studierenden etwas Geldgeruch schnuppern und geben ihnen das Versprechen, auch schon ganz bald dazugehören zu dürfen.

CareerContacts und Bonding

Die vom CareerCenter der Hochschule Karlsruhe veranstaltete Kontaktmesse CareerContacts bietet dieses Jahr neben zahlreich präsenten Unternehmen eine Karrierelounge, in denen die Studenten mithilfe neuer Kontakte ihrer Karriere in spe auf die Sprünge helfen können. Bei der „Job Wall“ können Absolventen außerdem Stellenangebote durchwühlen oder sich beim „Bewerbungsmappencheck“ durch Fachpersonal beraten lassen. Keine Frage, Firmenkontaktmessen wie diese sind sinnvoll für Absolventen und motivierend für die Studierenden.Vor allem vermitteln sie den Studierenden und Absolventen ein Gefühl, das heutzutage wichtiger denn je zu sein scheint: Sicherheit. Die Sicherheit, dass erfolgreiche Unternehmen Interesse an Absolventen zeigen, da sie ihnen Stellen anbieten, die Sicherheit, dass man mit seinem Studiengang nicht falsch liegt und auch einmal Karriere machen kann, die Sicherheit, dass dadurch die eigene Zukunft gesichert ist. Aber auch wenn wir hier in der „Technologieregion Karlsruhe“ sind, könnten sich die Bildungsinstitutionen doch auch wenigstens ein bisschen um andere Studiengänge kümmern. Eine Messe für Germanisten, Kulturwissenschaftler und Kunstgeschichtler, das wär doch mal was! Vielleicht würden dann nicht alle Abiturienten die Wiwi-Hörsäle stürmen und sich wieder mehr für andere Studiengänge interessieren, denn es scheint tatsächlich so zu sein, dass der „Student von heute“ bei der Wahl des Studiengangs nicht mehr auf Ideologie, sondern auf Karriere setzt.

Christina Schindler
PSYCHOTEST: Studierst du das Richtige?

1. Nach welchen Kriterien hast du die Wahl deines Studiengangs getroffen?
a) Stadt mit gutem Nachtleben
b) Talent und Interesse
c) Beruf mit großen Einstiegsgehalt

2. Welche Gefühle lösen die 600 Euro pro Semester bei dir aus?
a) Scheiße, weniger Geld für Bier
b) Scheiße, weniger Geld für Bier
c) Scheiße, weniger Geld für Bier, dafür später mehr Asche

3. Klausuren/Hausarbeiten: Wie gehst du mit dem Stress um?
a) Gar nicht, ich bin im 15. Semester und ich brauch noch ziemlich lang
b) Meistens ist der Stoff interessant, manchmal wird der Stress aber zu viel
c) Mit Koffeintabletten und RedBull versuch ich mir den Stoff ins Hirn zu ballern

4. Was machst du in den Semesterferien?
a) Das Gleiche wie sonst auch: nix
b) Praktika, Lernen und Freizeit
c) Büffeln oder überlegen, wo ich später am meisten Geld verdienen kann

5. Bist du mit der Gesamtsituation zufrieden?
a) Klar
b) Normal
c) Noch nicht, erst wenn ich jeden Samstag meinen dicken Benz waschen kann

Auflösung:

TYP A: Studieren oder nicht studieren ist hier nicht die Frage. Du bist einfach ne faule Socke und kriegst dein Leben nicht in den Griff. Überleg dir mal, wo deine Stärken und Schwächen liegen und krempel dein Leben um.

TYP B: Glückwunsch, du hast dich für den Studiengang entschieden, der zu dir passt. Du hast meistens Spaß am Lernen und weißt, dass dich dein Studium weiter bringen wird!

TYP C: Du solltest dir jetzt schon einen Platz in der „Rehab“ sichern, denn Burnout ist bei deiner Lebenseinstellung vorprogrammiert. Such dir lieber einen Studiengang aus, der dir wirklich Spaß macht und dein Leben bereichert.

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Eine Reaktion zu “Karriere – oder: Wer andern keine Grube gräbt, fällt selbst hinein”

  1. Jenny

    Was will der Artikel vermitteln? Welche Fakten? Verstehe ich nicht. Man erhofft siich mehr, als man erhält

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