Das Dörfle in Karlsruhe

Die Welt ist ein Dorf und das Dörfle die Welt

Im zweiten Teil unserer Serie geht es um das Dörfle. Dieser kleine Stadtteil hat eine einzigartige Geschichte und eine einzigartige Gegenwart. Dank seiner Herkunft war er früher der Teil Karlsruhes, der aus dem geradlinig geplanten Stadtplan ausbrechen und so etwas wie eine gewachsene Altstadt bilden konnte. Und überhaupt: Es ist nicht vermessen zu sagen, dass es ohne das Dörfle Karlsruhe, wie wir es kennen, nie gegeben hätte.


Der heutige Stadtteil „Das Dörfle“ wurde zu Zeiten seines Entstehens ab etwa 1715 als Klein-Karlsruhe bezeichnet. Es handelte sich um eine Siedlung von Bauarbeitern und Handwerkern, die am Bau des Karlsruher Schlosses beteiligt waren. Da sie nur über wenig Kapital verfügten, konnten sie sich keine Bleibe im „offiziellen“ Bürger-Karlsruhe leisten und so entstand dieser Stadtteil als Siedlung vor den Toren Karlsruhes. Somit hat die Stadt eine Geschichte, die den Siedlungen um die berühmten ägyptischen Pyramiden während ihrer Bauzeit ähnelt.

Im 18. Jh. gab es weder Bürgermeister noch kommunale Institutionen, so dass die Bebauung wesentlich unstrukturierter verlief als in der benachbarten Stadt – auch weil es keinerlei Bauvorschriften gab. Ende des Jahrhunderts begann man das damalige Klein-Karlsruhe auch institutionell mit Regeln zu versehen und wertete es schließlich 1795 zu einer eigenen Gemeinde auf – nur um es 20 Jahre später in das große Karlsruhe einzugemeinden.

Aber auch diese Maßnahmen führten nicht dazu, dass das Dörfle seinen ursprünglichen Charme verlor. Erst mit der sogenannten ‚Altstadtsanierung‘ der Sechziger und Siebziger Jahre wurde das Dörfle in seine heutige Gestalt gebracht und ein Großteil der alten Bausubstanz zerstört. Die 1968 gebaute Fritz-Erler-Straße gab es in dieser Form vorher nicht und wurde erst möglich, nachdem an dieser Stelle alte Gebäude abgerissen wurden und bildet heute ein Mahnmal gegen willkürliche Zerstörung historisch gewachsener Strukturen. Im Verlaufe der Altstadtsanierung mussten etwa 3000 Bewohner umgesiedelt werden. Bis in die Sechziger Jahre hinein fanden die Planungen ohne jede öffentliche Beteiligung – aber auch ohne öffentliches Interesse – statt.

Da allerdings die Sanierungsbedürftigkeit des Dörfles nie angezweifelt wurde, musste es weichen. Die Bewohner, die auch bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu den Reichsten gehörten, waren nie in der Lage gegen die Zerstörung ihres Stadtteils eine erfolgsversprechende Kampagne ins Leben rufen. Da nach dem Abriss eines Teiles des Sanierungsareals noch nicht sofort mit dem Neuaufbau begonnen werden konnte, war der teuerste Parkplatz Europas für einige Zeit in Karlsruhe: Die bis dahin aufgelaufenen Kosten betrugen mehr als 90 Millionen DM und das planierte Gelände im Bereich der Fritz-Erler-Straße wurde als Parkplatz genutzt.

Ohne die Bewohner des Dörfles bzw. Klein-Karlsruhes hätte es kein Schloss gegeben, denn kein Schloss wird nur von einem Architekten gebaut. Mit der Seilerei beherbergt das Dörfle auch eines der ältesten Gebäude Karlsruhes. Und die Vorkommnisse während der Altstadtsanierung warnen uns alle davor, das Gewesene einfach platt zu machen.

Aber genug der Vergangenheit, die auch irgendwann in Ruhe gelassen werden will. Zumal an einigen Stellen alte Häuser erhalten geblieben sind und auch etwas von dem früheren Flair in die Gegenwart gerettet werden konnte.

Apropos Flair, der an Vergangenes erinnert:

Es ist ein ziemlich verlassener Ort in dieser Stadt, nur die Kinder kennen den grünen Fleck östlich der Altstadt. Wer sich von uns jedoch einmal die Mühe macht und dem Alten Friedhof einen Besuch abstattet, der wird angenehm überrascht sein. Hier bietet sich nämlich die einzigartige Möglichkeit, direkt in die Vergangenheit der Stadt einzutauchen und auf den Spuren bekannter Persönlichkeiten zu wandeln. Der Friedhof an der Kapellenstraße ist somit als ein offenes Bilder- und Lesebuch der Karlsruher Stadtgeschichte zu verstehen. Im Herbst 1874 wurde der alte Friedhof geschlossen,es fanden jedoch bis 1882 noch einzelne Bestattungen statt. Nach Ablauf der gesetzlichen Ruhefrist erfolgte seine Umgestaltung zu einem öffentlichen Park.

Das Kap

Gegenüber des Friedhofs befindet sich die etwas belebtere Kneipe „Kap“. Dieses Lokal ist für seine Parties zu Fasching oder zum bevorstehenden Halloween (wieso auch immer wir Halloween feiern müssen) berühmt berüchtigt. Das Kap wird dann von ortsansässigen Künstlern immer aufwendig dekoriert, und gefeiert wird 6 Tage!!! lang. Am 31.10.08 gibts ab 20:00 Uhr Süßes oder Saures…
Wer auf den ganzen Trubel keine Lust hat, kann Sonntags zum Weinprobiertag anrücken, und sich hinterher schön auf die Couch im Kap flacken, um sich den Tatort, der dort jeden Sonntag gezeigt wird, anzusehen. Ein Besuch lohnt sich also immer. Weitere Infos unter www.kap-ka.de

Dorfschänke

Am Künstlerhaus, direkt neben dem Bordell, ist die Musik-Bar zu Hause. Jeden ersten Freitag und Samstag im Monat finden Konzerte mit regionalen Bands statt. Was die Dorfschänke so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass Ihr dort eure eigenen Parties feiern könnt! Richtig gehört! Wenn Ihr keine Lust habt, eure eigenen vier Wände für ne Sause aufs Spiel zu setzen, dann seid hier genau richtig! So wirbt die Dorfschänke mit den Sätzen: „Die Dorfschänke ist die Location, in der Du deine Party feiern kannst. Du bestimmst die Musik, kannst die Kneipe nach deinen Vorstellungen dekorieren und Essen kannst Du auch mitbringen. Egal, ob es Deine Geburtstagsparty, eine Vereinsfeier oder Semesterparty usw. ist, in der Dorfschänke bist Du richtig! Wir kommen Dir in vielen Sachen entgegen, organisieren Dir auf Wunsch einen DJ, bieten Sonderpreise für Getränke an und kümmern uns um alles, damit Du mit Deinen Freunden eine feine Party bei uns feiern kannst.“ Weitere Infos: www.dorfschaenke-ka.de

Das Dörfle hat also neben seiner Geschichte und seinen Jahren trotzdem ne Menge zu bieten. Wir haben euch hier nur eine kleine Auswahl geboten, den sehenswerten Rest gilt es selber zu entdecken.

Hans-Georg Kluge und Tina Zovko
Neugierig geworden? Weitere Informationen findest du hier:

www.kap-ka.de

ka.stadtwiki.net/index.php/Kategorie:Dörfle

www.dorfschaenke-ka.de

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