Sommerarschlöcher

Touristen – oder: Der Kampf der Giganten

Die winzige griechische Insel Zakynthos im Ionischen Meer besteht aus idyllischen Buchten, Oliven- und Feigenbäumen, Ziegen und Bergen. Eine landschaftliche Augenweide und ein harmonisches Urlaubsparadies für Verliebte, Familien und Freundinnen –

wäre sie, ohne Frage, hätte der bösartige globale Virus sie nicht infiziert. Besonders die Städtchen Lagana und Tsilivi sind bereits von den sich vermehrenden Bazillen Häagen Dazs, Lidl, McDonald’s und Starbucks befallen. Doch der gefährlichste aller Krankheitserreger auf Zakynthos lauert hinter jeder Ecke: Der Engländer. Bestimmt ist der Engländer an und für sich ein netter Mensch. Vielleicht. Doch wenn der Engländer Urlaub macht, lässt er das Komplettpaket an positiven Eigenschaften auf seiner Heimatinsel zurück und reiht sich in die „Animalisch, alkoholisiert, Sonnenbrand“- Fraktion seiner Landsleute ein. Erstaunlicherweise sorgen sich weder Menschenrechts- noch Naturschutzorganisationen um das Auftreten und Fortschreiten der Massenpauschaultourismuskrankheit. Im Gegenteil: für die Erreger wird ein optimaler Nährboden geschaffen, in dem sie sich ganz wie zu Hause fühlen, so dass sie für einen kurzen Zeitraum in ihm gedeihen können und mit einer hoher Wahrscheinlichkeit in der nächsten Saison wieder kommen. Zutaten für diesen speziellen Anglo-Nährboden sind: british breakfast in jeder Bar, Free Shots in den Discos und soccer evenings auf der Partymeile.

Zwar füllt man mit Hilfe dieses Nährbodens viele Hotels und seine Kassen, doch die Verkümmerung der landesspezifischen Kultur des angeblichen Urlaubsparadieses schreitet voran! Warum soll man denn überhaupt noch verreisen, wenn es mittlerweile überall fast gleich ist.

Aber sind wir Deutschen da eigentlich besser? Da gibt es neben dem beliebten Sport „Die Liege am Pool um 6:00 Uhr morgens mittels Handtuch schon mal für sich reservieren“ auch den dringlichen Wunsch nach frisch gebrühtem Filterkaffee.

„Man braucht kein Handy, um mit Gott zu sprechen“

In dem beliebten türkischen (Pauschal-)Urlaubsort Antalya wirbt so manches Café mit dem Slogan „Bei uns erhalten Sie frisch gebrühten Melitta-Filterkaffee“ um die Gunst des deutschen Touris. Aber warum haben wir überhaupt den Anspruch, dass im Urlaub bitte alles so wie zu Hause sein muss? Und warum stellt sich das Urlaubsland genau diesen Ansprüchen? Bedeutet Urlaub denn nicht auch Urlaub vom Alltag? Warum tut`s der türkische Mokka dann nicht genauso?

Jedem Erdenbewohner eilt im Urlaub ein gewisser Ruf voraus. Sei es der Japaner mit seinem unendlichen Geknipse, der Russe und sein Pelzmantel, der mittlerweile fast jedes Urlaubsdomizil für sich eingenommen hat, oder der Niederländer (auch Holländer genannt), der mit seinem Oranje-Geschrei jedes Bierzelt in Europa locker auseinandernehmen könnte.

Na? Liege schon gesichert?

Urlaub bedeutet also immer auch ein Austausch von Kulturen und Vorurteilen. Nicht nur die Kultur des bereisten Landes wird mitgenommen, sondern auch die Kultur derer, mit denen man sich morgens am Pool um die Liege prügelt.

Christina Schindler Martina Zovko

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Eine Reaktion zu “Sommerarschlöcher”

  1. Vlasta Schindler

    Ihr spricht mir aus der Seele!!!
    Super Artikel, würzig, witzig, Klasse!

    P.S. Das Beste – Der Beitrag wurde am 06.August veröffentlicht
    nicht wahr Kristy ?

    Schöne Grüsse
    Vlasta Schindler

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