Ab ins Ausland

Studieren, wo andere Urlaub machen

Irgendwann reicht’s jedem mal. Jeder kennt sie, jene Tage, an denen man sich am liebsten weit weg beamen würde. Man sitzt in einer Vorlesung und denkt dabei an ferne Länder, Sommer, Strand und Heiterkeit. Man hat einfach keine Lust mehr, weder auf die Uni, noch an seine Umgebung, und überlegt sich, wie es denn so wäre – einfach woanders zu sein.

Viele packen deshalb ihre Siebensachen und pilgern zur Selbstfindung nach Indien oder Australien, fühlen sich (mit ihrem Lonely Planet in der Hand) untouristisch, alternativ und frei, arbeiten auf Farmen oder versuchen sich als Tabakerntehelfer. Es gibt jedoch weitaus mehr Möglichkeiten, seinem Alltag den Rücken zu kehren, ohne sein Studium aus den Augen zu verlieren. Eventuell findet man sich auf diesem Weg sogar leichter als im Outback Australiens.

Urlaub für den Lebenslauf

Seien wir mal ehrlich, mit der Umstellung zum Bachelor haben wir kaum noch Zeit. In sechs, spätestens sieben Semestern müssen die Credit Points samt fünf Praktika und drei ehrenamtlichen Stellen (als soziale Kompetenz aufzuführen) in der Tasche sein, denn die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Und nicht zu vergessen der Lebenslauf, der nicht unnötig in die Länge gezogen werden darf. Doch jetzt -als Student- ist die Zeit dazu, die Welt zu erkunden und Erfahrungen zu sammeln! Im Berufsleben und mit drei Kindern an der Backe, die zum Fußballtraining oder Ballettunterricht gefahren werden möchten, werden wir schlichtweg nicht mehr die Möglichkeiten dazu haben. Daran haben wohl auch andere Leute gedacht und deshalb Programme erstellt, die es jedem Studenten erlauben, Auslandsluft zu schnuppern, ohne den Lebenslauf zu schädigen.

Wer ist eigentlich Erasmus?

Das wohl bekannteste unter den Auslandsprogrammen nennt sich Erasmus und hat schon einigen Studenten das Leben versüßt. Dieses Austauschprogramm bietet Studenten die Möglichkeit, für ein bis zwei Semester ihr Studium im Ausland weiter zu führen. Da Erasmus seit Kurzem Teil des EU-Programms für Lebenslanges Lernen ist, wird den Austauschstudenten sogar finanziell unter die Arme gegriffen und sie können kostenlos an einem Sprachkurs teilnehmen. Zu Hause versäumen sie nichts, denn die im Ausland erworbenen Scheine werden an der heimatlichen Uni größtenteils anerkannt. ECTS sei dank.

Da die Auswahl an Auslandsaufenthalten innerhalb der Fakultäten variiert, ist es ratsam, sich im Akademischen Auslandsamt einen Termin für die umfassende Beratung geben zu lassen. Generell sollte man für die Vorbereitung eines Auslandssemesters etwa 1 Jahr einplanen.

Zwischen Bachelor und Master

Da oft eine Lücke zwischen dem abgeschlossenem Bachelor und dem angestrebten Master-Studium liegt, denn Master-Studiengänge beginnen meist im Wintersemester, kann man diese Zeit für ein Praktikum im Ausland nutzen. Hierfür eignet sich das Programm Leonardo, das Studenten und Graduierte bei ihrem Praktikum im europäischen Ausland sowohl organisatorisch als auch finanziell unterstützt.

Mei Inglisch is not sou gut

Wer viel Geld übrig hat, zu faul ist, um sich um Erasmus oder Leonardo zu kümmern oder nicht weiß, was er in den langen Monaten der Semesterferien anstellen soll, empfehlen sich Sprachreisen im Ausland. Sowohl die Intensität des Sprachkurses, als auch die Unterkunft ist dabei frei wählbar. Neben dem Sprachtraining bieten viele Schulen auch kulturelle Lektionen und Sightseeing-Touren an, so dass der Sprachschüler die Chance bekommt, Land und Leute kennenzulernen. Im Internet wimmelt es von Agenturen, die solche Sprachreisen anbieten. Wichtig bei der Auswahl einer Schule ist, dass sie staatich anerkannt und überprüft ist. Außerdem sollte eine Klasse nicht mehr als 8 Teilnehmer übersteigen, da sonst der Lerneffekt flöten geht. Auch von Vorteil ist ein deutscher Sitz der Schule, da so für den Teilnehmer das deutsche (Reise-)Recht gilt. Für eine Sprachreise sollte man sich mindestens 4 Wochen Zeit nehmen, man muss dabei mit Kosten um 1.500€ rechnen.

Tu es!

Es gibt so viele Möglichkeiten, im Ausland seinen Horizont zu erweitern, dort interessanten Menschen zu begegnen oder einfach nur Spaß zu haben. Also: Tu es!

Christina Schindler
Erasmus ( „European Region Action Scheme fort the mobility of University Students) Gründung im Jahr 1987 durch die Europäische Union. Ziele: Intensivierung der Zusammenarbeit internationaler Hochschulen und Austauschprogramme. Seit 2007 ist Erasmus Teil des EU-Programms für Lebenslanges Lernen. Dies ermöglicht die Anerkennung von im Ausland erworbenen Credit Points (Scheinen) und die finanzielle Unterstützung der Austauschstudenten. Weitere Informationen: Akademisches Auslandsamt Karlsruhe (Adenauerring 2) : http://www.aaa.uni-karlsruhe.de/ Deutscher Akademischer Austauschdienst: http://eu.daad.de/eu/sokrates/05353.html http://www.daad.de/de/index.html
Leonardo Politisch verantwortlich für das Leonardo-Bildungsprogramm ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Leonardo unterstützt Praktikanten im europäischen Ausland organisatorisch und finanziell. So erhalten diese einen Leonardo-Zuschuss von durchschnittlich 350 €/Monat, einen Reisekostenzuschuss von bis zu 350 € sowie ggf. einen Zuschuss von bis zu 200 € für Sprachvorbereitungen. Weitere Informationen: http://www.europapol.de/bildung/leonardo_allgemeine_infos.htm
Sprachschulen
http://www.sprachkurse-weltweit.de http://www.dialog.de http://www.carpe.de

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben