Endstation Drehtür!

Vergnügt schlendere ich durch die Kaiserstraße in Richtung Uni bis ich plötzlich schockiert feststelle: Oh nein, der Frühling ist vorbei und mein Händchen hält lediglich eine dm-Plastiktüte voller lebensnotwendiger Hygieneartikel.


Der Prinz, der Trottel, ist im Frühling mit seinem Gaul geradewegs an mir vorbei galoppiert. Mir kommt es plötzlich so vor, als wimmele es in der Fußgängerzone von mal mehr, mal weniger süßen Pärchen. Verliebte Blicke, Küsschen hier, Küsschen da. Rosa Herzchen-Invasion! Sogar die beiden Tauben da, neben der Mülltonne, teilen sich in idyllischer Zweisamkeit die nahrhaften Pommesreste. Meine angestauten Endorphine sind verwirrt. Energisch und ungeduldig piepsen die Winzlinge mit ihren hellen Stimmchen im Chor: „Wooohin?“ Ja, ihr Schreihälse. Ich weiß: Höchste Eisenbahn! Entweder laufe ich jetzt ein Paar Runden schreiend im Kreis, um mich zu beruhigen, oder ich begebe mich auf die Suche nach dem perfekten, potenziellen Lebensabschnittgefährten, mit dem ich überglücklich eine herzhafte Arschbombe in die Masse der zuckersüßen Turteltäubchen starten kann. Ich entscheide mich vorerst für den „Arschbomben“-Plan. Auf dem Ehrenhof angekommen, schaue ich mich nach einem geeigneten zukünftigen Besitzer meines linken Händchens um. Meine Augen folgen irgendwann – natürlich völlig unauffällig, schließlich bin ich Profi – einer Gruppe vorbei eilender, durchaus knackiger Studenten. Hui, schnell hinterher! Leider verliere ich ihre Spur in dem Gewimmel vor der Bibliothek. Moment mal… Na klar, die Bib! Eine geballte Ladung potenzieller Lebensabschnittgefährten versammelt sich hier auf wenigen Quadratmetern. Elite-Studenten, die emsig nach mehr Wissen und Können streben, um später die Karriereleiter konsequent nach oben zu klettern. Rund um die Uhr ist die Bib in Dauerbereitschaft, den Wissensdurst dieser täglich andrängenden, neugierigen Köpfe zu stillen. Das ist es! Der wahr gewordene Traum vieler Töpfe auf der verzweifelten Suche nach dem passenden Deckel. Bestandsaufnahme im Lesesaal Drei. Die Lektüre der Geist-Soz`ler ist sicherlich nicht so spannend, dass sie sich nicht von einem dezenten Winken und Grinsen ablenken lassen würden. Denkste, der Versuch geht voll in die Hose. Der schlaksige Dichter und Denker schaut mich an, als sei ich Mephisto höchstpersönlich und versteckt sein verdattertes Gesicht schnell wieder hinter seinem gelben Reclam-Heftchen. Pffh…Naja egal, schließlich hängen hier sowieso nur brotlose Künstler ab. Ich starte erneut eine Flirt-Attacke, aber diesmal bei den WiWi`s. Die fröhliche Begrüßungsmelodie eines gerade hochgefahrenen Laptops setzt mein Eintreten in Lesesaal Zwei passend in Szene. Lasziv schwinge ich mich neben einen putzigen Informatik-Studenten und frage ihn, was er denn so eifrig in seinen Computer tippt. „Hausarbeitenendspurt“, antwortet er knapp und starrt weiter stur auf seinen flimmernden Bildschirm. Verdammt, kein Knistern zwischen den Regalen in dieser Bude. Ich gebe auf, gehe zum Ausgang und finde Gefallen am Benutzen der Drehtüren. Schreiend natürlich…

Steffi Mohr

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