Der Weg war das Ziel!

Michael erzählt das “Märchen vom Automatisierten Aschenputtel“

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ heißt es so schön in dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm vom armen, getriezten Aschenputtel. Eine neunköpfige Studentengruppe der FH stellte sich dieses Sommersemester der Herausforderung, eine Anlage zu entwickeln, die eine ähnlich mühsame Sortierarbeit vollautomatisch ausführen kann. Es galt, einen Prototyp für eine automatisierte Qualitätsprüfung von kleinformatigen Spritzgussteilen zu entwickeln und zu fertigen. Statt Erbsen und Linsen sollte die Anlage der Studenten Beschriftungselemente der Siemens S7-Steuerung in „Gute” und Ausschussteile selektieren. Das alles mit Hilfe einer Kamera und der Bildverarbeitungssoftware „Coake“. KA.mpus interviewte Michael Löffelhardt, der an dem Projekt mitwirkte.


Was war das primäre Ziel des Projekts „Automatisiertes Aschenputtel“?

Alle Teammitglieder haben bereits im dritten Semester die Veranstaltung „Konstruktionsmethodik“ besucht. Die jetzige Veranstaltung „Teamorientierte Projektstudien“ knüpft daran an. Es geht dieses Semester nun hauptsächlich darum, das Gelernte an einem praktischen Beispiel umzusetzen. Es ist sehr wichtig bei einer Neukonstruktion alle Einzelschritte der Entstehung genau zu planen. Macht man das nicht, dann riskiert man, den Anforderungen des Kunden nicht gerecht zu werden. Oder vielleicht noch schlimmer: Man steht am Ende bei der Präsentation mit einer nicht funktionierenden Konstruktion vor dem Kunden. Der Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt ist bei unserem Projekt also das Hauptziel.

Wie hat das teamorientierte Arbeiten bei eurem Projekt funktioniert? Wo lagen dabei die Vor- und Nachteile?

Das Arbeiten im Team hat wirklich sehr gut funktioniert. Wir haben den großen Vorteil, dass wir für jede benötigte Fachrichtung einen oder zwei Experten in der Gruppe haben. Wir haben uns von daher gut ergänzt. Unsere Aufteilung war so, dass zwei die mechanische Konstruktion, zwei die SPS-Programmierung, zwei das Platinen Layout und zwei die Bestellung der richtigen Bauteile übernommen haben. Nachteilig bei der Teamarbeit war eigentlich nur, die ganzen Dateien der Dokumentation für alle immer mit der richtigen Version bereit zu halten. Das war teilweise schon recht mühsam. Manchmal war es auch schwierig sich über die verschiedenen Lösungsansätze zu einigen und Kompromisse zu finden. Aber ich denke, das ist bei Teamarbeit immer das Schwierigste. Da wir uns zum Glück alle gut verstehen, haben wir es irgendwie immer geschafft uns zu einigen und zusammen zuraufen.

War das Projekt sehr zeitaufwendig?

Das Projekt war bisher sehr zeitaufwändig und sprengt eigentlich auch den Rahmen, der dafür vorgesehen war. Andererseits haben wir dabei auch viel gelernt und ich denke, dass zum Schluss auch eine gute Lösung dabei raus kommen wird. Somit hat sich der Zeitaufwand auf jeden Fall gelohnt.

Welche Erfahrungen hast du mittlerweile gesammelt, die dir vor Beginn des Projektes bei der Arbeit hätten nützlich sein können?

Auf jeden Fall das richtige Organisieren in einem Team. Das war anfangs nicht einfach, aber da haben wir schon viel dazu lernen können. Die Kenntnis, dass Bestellungen von Normteilen manchmal recht lange dauern und diese auch sehr teuer sein können, hätte uns im Vorfeld sicher auch genützt.

Welche Vorteile hat das Prüfverfahren mit Videoanalyse im Gegensatz zu anderen Methoden der Qualitätssicherung, wie zum Beispiel der Sichtprüfung oder dem Prüfen mit Lichtschranken?

Bei unserem Projekt hat es den Vorteil, dass mit einer Prüfung alle zu prüfenden Merkmale auf einmal geprüft werden können. Dies ist mit der einfachen Sichtprüfung oder mit Lichtschranken nicht möglich. Die verlässlichste Messmethode in der Praxis, das „Taktile Messen“, hätten wir nicht einsetzen können, da die Methode die verschiedenen Nummern nicht erkannt hätte.

Ist dieses Prüfverfahren neuartig oder wird es in der Industrie bereits angewandt?

Nein, neuartig ist es nicht. Es wird aber immer besser, genauer und vor allem billiger. Deshalb findet es in der Industrie auch mehr und mehr Anwendung. Ich habe mich in meinem Praxissemester ebenfalls mit dem Thema Qualitätsprüfung mittels einem Kamerasystem befasst, was zeigt, dass es in der Industrie definitiv Anwendung findet.

Wie wird das Projekt bewertet?

Anhand der Dokumentation und der Art und Weise, wie wir an verschiedene Probleme heran gegangen sind. Ebenfalls nach der Umsetzung der Methoden, welche bereits in der Vorlesung im dritten Semester vermittelt wurden. Natürlich fließt die Beurteilung des fertigen Projekts auch in die Endnote mit ein.

Wo und für welche Zwecke wird eure Sortieranlage nun eingesetzt?

Die Anlage wird in das Qualitätsmanagement Labor integriert und soll dort Studenten als Beispiel einer optischen Prüfung dienen. Zur Forschung und Lehre wird es also eingesetzt. Eventuell wird es auch am nächsten „Tag der offenen Tür“ ausgestellt.

Welchen materiellen Wert hat die Sortieranlage schätzungsweise insgesamt? Von wem wurdet ihr finanziell unterstützt?

Alles zusammen hat schätzungsweise 8000 Euro gekostet. Finanziert wir das ganze Projekt von Herrn Prof. Dr. Wilhelm, der das Projekt später auch in sein Labor integrieren wird.

Habt ihr einen Tipp, den ihr anderen Projektgruppen geben könntet, wenn bei allen die Nerven mal blank liegen sollten und irgendetwas mal wieder länger dauert als ursprünglich geplant?

Es war immer sehr aufbauend und trug zur allgemeinen Aufheiterung bei, wenn wir uns ab und an abends Pizzas in die FH bestellt haben. Also mein Tipp: Wenns mal wieder länger dauert, die Pausen trotzdem nicht vergessen!

Steffi Mohr

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben