Das Aschenputtel Prinzip

…und wieder macht der Mensch der Maschine Platz

Neun Studenten der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft entwerfen eine Sortieranlage – es folgt ein technisches Thema, ganz ohne geistewissenschaftlichem Hintergrund, aber mit viel geistreichem Einsatz.



Es war vorgesehen, dass beim Öffnen dieser Seite ein lautes „TATAAA!“ erschallt. Dieses „TATAAA!“ hätte dazu gedient, ein äußerst einschneidendes Ereignis anzukündigen. Leider war das technisch nicht möglich. Die Technik hat sozusagen versagt, was sagt man dazu?! Nun hat das angesprochene Ereignis doch sehr viel mit Technik zu tun und scheint für einen Laien, für den ich mich halte, zunächst sehr verwirrend und hier liegt der Hase im Pfeffer. Diese Seite ist in der Historie der KA.mpus Ausgaben eigentlich vorrangig für geistes- und sozialwissenschaftliche Themen reserviert gewesen. Aber nicht heute! Nein, heute ist alles anders und deswegen präsentiere und erkläre ich nun, lieber Leser, ein technisches Thema: Aschenputtel, oder die unglaubliche Entwicklung einer Sortieranlage. Im Rahmen der Vorlesung „Teamorientierte Projektstudien“ entwerfen Michael Löffelhardt, Micha Hilligardt, Björn Lampart, Sören Valet, Simon Uhl, Torben Luther, Matthias Schaaf, Felix Burget und Jürgen Schütze, alles Karlsruher Studenten der Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKa), eine Sortieranlage, die nach dem Aschenputtel- Prinzip agiert: „Die Guten ins Töpfen, die Schlechten ins Kröpfchen…“ Ziel dieser Arbeit ist es nicht nur ein funktionsfähiges Modell zu entwerfen und zu bauen, sondern auch von der Problemstellung zu einer praktikablen Lösung zu finden und dies entsprechend zu dokumentieren. Am Anfang des Projektes steht also das Problem, in diesem Fall: Spritzgussteile, industriell hergestellte Bauelemente in kleinerem Umfang, können nicht toleranzfrei, das heißt, ohne fehlerhaften Ausfall gefertigt werden. Dies ist ein langläufiges Problem in der Fertigung maschinell hergestellter Gegenstände. Ziel der Qualitätssicherung ist also nicht nur, den Ausfall zu minimieren, sondern auch mangelhafte Produkte zu erkennen, um sie auszusortieren und von der weiteren Verarbeitung ausschließen zu können und so viel Geld zu sparen. An das Projektteam sind Anforderungen gestellt, die es erfüllen muss. Die Taktzeit der Anlage ist vorgegeben, die Toleranzbreite der Messeinrichtung muss 0,1mm entsprechen und natürlich muss die Funktion auch bei normaler Raumbeleuchtung gegeben sein. Ein mobiler Aufbau muss, nicht zuletzt durch das geringe Gewicht von maximal 100 Kilo gewährleistet sein, was durch die Verwendung von Standart Aluminiumprofile ermöglicht wird. Da ein Prototyp für diese automatisierte Qualitätsprüfung an der Fachhochschule in Karlsruhe nicht vorhanden ist, erstellt die benannte Studentengruppe ein solches Gerät zu Forschungs- und Schulungszwecken. Das kleinformatige Spritzgussteil, um das es sich hier handelt, ist ein Beschriftungselement der Siemens S7-Steuerung, ein kleines Rad, so groß wie ein Handrücken, in das 18 kleine herausbrechbare Quadrate integriert sind. Auf diese kleinen Zahlenquadrate ist die ganze Aufmerksamkeit gerichtet: Mit Hilfe einer Kamera und der zu erstellenden Bildverarbeitungs- Software Coake werden diese Plättchen auf ihre Fehlerlosigkeit in der Form, aber auch nach der richtigen Anordnung der darauf stehenden Zahlen geprüft. Anschließend, und dazu ist der Prototyp dieser Anlage zusätzlich fähig, kommt es zur Sortierung nach den Teilen, die in die Norm passen und von der Software als „gut“ oder „normal“ erkannt wurden und nach Ausschussteilen, die nicht weiter verwendet werden können. Kamerasoftware und die benötigten Materialien, im Wert von ca. 4000 Euro, sind programmiert und vorhanden, das Konzept steht. Was die neun Studenten in tage- und nächtelanger Arbeit ausgetüftelt haben, gilt es nun im Labor des Gebäudes F, der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik, in Feinarbeit zusammen zu bauen und auf Herz und Nieren zu prüfen. Bis zum Ende dieses Semesters ist somit ein Projekt verwirklicht worden, das von einer Problemstellung über die Lösungsfindung und Umsetzung, sowie Dokumentation und gruppendynamische Prozesse alles enthält, der Weg ist das Ziel.

Sarah Wilhelm

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