Buch: Uwe Timm – Rot

Farbe des Blutes und der Revolution


Thomas Linde überquert bei Rot eine Straße und wird in einen tödlichen Unfall verwickelt. In einer Art Nahtoderlebnis kreisen die irrlichternden Gedanken des sterbenden Helden in assoziativen Sprüngen um die Farbe Rot, die symbolisch für die Liebe steht wie für die Fahne der Revolution. Linde lebt davon, Beerdigungsreden zu verfassen und zu halten. Mit dem Tod und seiner Allgegenwart ist Linde als Grabredner bestens vertraut. Aber nirgends findet er den Trost, den er für sich und die „verehrte Trauergemeinde“ nötig hätte, angesichts einer Sinnlosigkeit des Todes, die zurückzuweisen ihm nicht gelingen mag. Die Zufallsbekanntschaft mit der Lichtdesignerin Iris und eine eigenartige Bestellung einer Grabrede für einen Unbekannten bringen das Leben des etwa 50 Jahre alten Altachtundsechzigers gehörig aus dem Gleichgewicht. Keine Neuerscheinung mehr, gewiss aber ein Hauptwerk deutscher Gegenwartsliteratur, erzählt Uwe Timms Roman „Rot“ (2001) von Liebe, Veränderung, Vergänglichkeit und Tod. Eine meisterhafte Komposition, in der bewegende und skurrile Geschichten wie mit leichter Hand inszeniert werden, ironisch gebrochen und witzig erzählt. Nicht nur für Germanisten ein Muss.

Kiepenheuer&Witsch, ISBN 978-3462034646

Friedrich Trenkle

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