140 Jahre Kunstgeschichte

Und es gibt noch immer viel zu tun

Viele Studenten wissen nicht, dass es ein Institut für Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe (TH) gibt. Dieses Jahr feiert das Institut ein Doppeljubiläum. Anlässlich dieses Ereignisses hält der Privatdozent Dr. Martin Papenbrock eine Vorlesung, in die er die Geschichte des Instituts einbezieht. KA.mpus hat für Euch Herrn Dr. Papenbrock interviewt.



In diesem Jahr steht ein großes Jubiläum für das Institut für Kunstgeschichte vor der Tür. Können Sie uns kurz etwas darüber schildern?

Im Grunde ist es ein Doppeljubiläum. Im Jahr 1868, also vor 140 Jahren, wurde an der Technischen Hochschule in Karlsruhe auf Wunsch der Architekten eine Professur für Kunstgeschichte eingerichtet. Das war damals eine der ersten Professuren für Kunstgeschichte an einer deutschen Hochschule. Wir gehören damit zu den ältesten kunsthistorischen Instituten im deutschsprachigen Raum. Die Kunstgeschichte in Karlsruhe hat sich dann im Laufe der nächsten Jahrzehnte mehr und mehr zu einer Baugeschichte gewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist man dazu gekommen, nicht zuletzt auf Anregung des Wissenschaftsrates, die Kunstgeschichte gezielter zu stärken und eine neue, eigenständige Professur für Kunstgeschichte einzurichten. Es hat allerdings noch bis zum Jahr 1958 gedauert, den neuen Lehrstuhl zu besetzen. Dieses Datum jährt sich nun zum 50. Mal. Zu den wichtigsten der frühen Lehrstuhlinhaber zählt vor allem Wilhelm Lübke, der eine Reihe von Standardwerken zur Geschichte der Kunst und Architektur geschrieben hat. Aus der jüngeren Zeit ist Klaus Lankheit zu nennen, der 1958 den neuen Lehrstuhl besetzt hat. Er hatte ein starkes Interesse an der Verbindung von Kunst und Technik und versuchte, das Fach zu modernisieren. Gegenwärtig wird das Institut für Kunstgeschichte von Norbert Schneider geleitet, dessen Forschungsspektrum von der altniederländischen Malerei bis zur Ästhetik und Kulturtheorie der Gegenwart reicht und der zusammen mit Jutta Held zwei Grundlagenwerke zur Sozialgeschichte der Malerei und zu den Grundzügen der Kunstwissenschaft geschrieben hat. Es ist daran gedacht, das Doppeljubiläum im Sommer oder Herbst mit einem Fest in den Innenhöfen zu feiern.

Wie sehen Sie die Rolle des Faches Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe (TH)?

Das Fach Kunstgeschichte in Karlsruhe ist ein sehr kleines Fach mit relativ wenigen Studenten. Wir haben rund 150 Studierende, zwei Professoren und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter. Unser Institut hat eine fast schon familiäre Größe. Es hat Vor- und Nachteile, ein so kleines Fach zu sein. Der Kontakt zwischen den Lehrenden und den Studierenden ist einfach enger, als das bei größeren Instituten der Fall ist. Es hat aber den Nachteil, dass das Lehrangebot natürlich nicht so weit gespannt ist, das heißt, dass das Repertoire der Veranstaltungen einfach begrenzter ist.

Was sagen Sie zu der Entwicklung, dass immer mehr Frauen Kunstgeschichte studieren?

Das ist in der Tat so. Zu meiner Zeit war das Verhältnis unter den Studierenden noch eins zu eins. Allerdings hatte ich während meines Studiums mehr akademische Lehrerinnen als Lehrer, was damals ungewöhnlich war. Hier in Karlsruhe ist das Verhältnis umgekehrt, rund 90 Prozent der Studierenden sind weiblich und nur 10 Prozent männlich. Auf der anderen Seite haben wir bei den Lehrenden ein fast umgekehrtes Verhältnis. Dennoch ist insgesamt auf der Seite der Lehrenden, was das Verhältnis von Frauen und Männern betrifft, eine Verbesserung eingetreten, auch wenn wir noch nicht bei einer ausgeglichenen Stellenbesetzung angekommen sind. Es gibt immer mehr Lehrstühle, die von Frauen besetzt werden, und das Fach Kunstgeschichte entwickelt sich gerade für Frauen sehr positiv.

Was würden Sie Ihren Studenten raten für deren berufliche Laufbahn?

Schon während des Studiums sollte man versuchen, über Praktika Kontakte zu knüpfen. Gerade im Ausstellungsbereich, in Museen oder in der Denkmalpflege kann man auf diese Weise den Einstieg in den Beruf finden. Insbesondere in der heutigen Zeit ist es sehr wichtig, Praxiserfahrungen zu sammeln, in Vorleistung zu gehen, um sich dadurch weiter zu empfehlen.

Welchen Stellenwert nimmt das Fach Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe (TH) im Vergleich zu anderen Universitäten in Deutschland ein?

Dazu muss man sagen, dass in den bisherigen Rankings das Fach Kunstgeschichte nicht auftaucht. Allerdings gibt es eine Untersuchung, die auf einer der letzten Kunsthistorikertage von einer Journalistin vorgestellt wurde, die die verschiedenen Studienordnungen von der Wirtschaft auf Berufstauglichkeit überprüfen ließ. Es handelte sich dabei um Bachelorstudiengänge von etwa zwanzig verschiedenen Instituten für Kunstgeschichte. Karlsruhe war unter den zwei, drei bestbewerteten Instituten. Das lag vor allem an dem Verhältnis von Theorie und Praxis in unserem Studiengang, das sehr positiv bewertetet worden ist. Da unsere Studierenden ein sehr umfangreiches Programm absolvieren müssen, ist es für die meisten leichter, die Universität zu wechseln, als es für Studierende anderer Universitäten ist, zu uns zu wechseln. Das spricht letztlich auch für die Qualität unseres Studiengangs.

Wo sehen Sie ihre Studenten nach dem Studium?

Die traditionellen kunstgeschichtlichen Arbeitsfelder sind die Universität, das Ausstellungs- und Museumswesen und die Denkmalpflege. Darüber hinaus kann man im Medienbereich arbeiten oder auch ganz andere Bereiche ansteuern. Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten . Gerade Betriebe aus der Wirtschaft beschäftigen im Bereich der Unternehmenskommunikation immer häufiger Geisteswissenschaftler, da sie kreativ sind, flexibel im Denken und geübt beim Einarbeiten in neue Themenfelder. Das Tätigkeitsfeld ist groß!

Ist der Master-Abschluss für einen guten Start ins Berufsleben notwendig?

Das hängt natürlich von der beruflichen Laufbahn ab, die man später einschlagen möchte. Falls man später einmal in der Kunstgeschichte wissenschaftlich arbeiten möchte, wie beispielsweise im Museum oder der Denkmalpflege oder auch weiter an einer Universität, ist der Master Voraussetzung. Mit dem Bachelor sind sie im weitesten Sinne im kulturellen Bereich oder im fachfremden Bereich gut qualifiziert. Bei einer wissenschaftlichen Laufbahn auch an Museen ist der Master die Voraussetzung.

Weitere Informationen:

www.ikg.uni-karlsruhe.de

Laura Göckeler und Wanda Wirth

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