Irrungen und Wirrungen

Anmelden leicht gemacht!

Das neue Semester hat begonnen. Manch einer meldete sich für seine gewünschten Veranstaltungen bei ILIAS an, manch anderer beim e-Studium. Wiederum ein anderer bei beiden – um auf Nummer sicher zu gehen… und der Rest ging auf gut Glück in die Seminare. Funktioniert hat es auf jedem Weg, doch die Verwirrung ist geblieben.



Wir schreiben das Jahr 2010. Es ist kurz vor Semesterbeginn. Student X, nennen wir ihn Kevin, studiert im sechsten Semester Germanistik und Multimedia. Er möchte demnächst seinen Bachelor machen, es fehlen ihm jedoch noch ein paar Scheine. Verächtlich wirft er einen Blick zurück auf seine verstaubte, gedruckte Studienordnung und setzt sich an sein Notebook. Er loggt sich mit seinem Rechenzentrum-Account bei www.estudium.org ein und sieht auf einen Blick seinen Studienplan. Mit einem Klick meldet er sich für die noch fehlenden Veranstaltungen an und beäugt gleichzeitig kritisch seinen momentanen Notendurchschnitt. Zwei Tage später wird er per E-Mail benachrichtigt, dass das Seminar X wegen einer zu hohen Teilnehmerzahl in Kurs A und B gesplittet werden musste. Kein Problem für Kevin, er öffnet die angehängte Stundenplan-Datei. Natürlich wurde er Kurs A zugeteilt, da sich Kurs B mit einer seiner weiteren Veranstaltungen überschnitten hätte. Selbstverständlicher Service des E-Studiums. Schließlich zahlt Kevin Studiengebühren.

Der Kunde ist König

Anstatt sich den Kopf über seinen Studienplan und fehlende ECTS-Punkte zu zerbrechen, kann sich Kevin nun aufs Wesentliche konzentrieren: Die Semesterpläne sind auf derselben Internetseite zum Download bereit gestellt, Referatsthemen sind einsehbar und empfohlene Literatur bereits mit amazon.de verlinkt.Kevin kann sich gelassen für eines der Referatsthemen entscheiden und sich in die Liste eintragen. Die Termine werden automatisch in seinem Online-Terminkalender auf E-Studium verzeichnet. Kevin kann nun in Ruhe die notwendigen Bücher bestellen und über den Aufbau seiner Referate reflektieren. Denn es ist auch selbstverständlich, gut auf die Seminare vorbereitet zu sein, da keine Zeit für die Organisation des Seminarablaufs verwendet werden muss. Schließlich kann die Uni für ihre Dienstleistungen Engagement erwarten.

… und heute?

Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist Semesterbeginn, Montag morgen 10 Uhr, erster Vorlesungstag. Studentin X, nennen wir sie Jana, studiert im sechsten Semester Germanistik und Kulturwissenschaften und möchte demnächst ihren Bachelor machen, es fehlt ihr jedoch noch eine ihr unbekannte Anzahl an Scheinen. Sie durchforstet den unermesslichen Berg an Unterlagen nach ihrer zerfetzten Studienordnung und sucht sich die notwendigen Seminare aus. Sie schaut im Internet nach, welche davon überhaupt dieses Semester angeboten werden. Bei ILIAS meldet sie sich für die Germanistik-Veranstaltungen an und versucht dasselbe für ihr Nebenfach Kulturwissenschaft, doch sie stellt verwirrt fest, dass ihre Pflichtveranstaltungen nicht online sind. Sie erinnert sich an die zweite Plattform namens E-Studium und will es dort mit den Anmeldungen probieren. Leider hat sie sowohl ihr Passwort als auch ihren Benutzernamen vergessen. Entnervt fährt sie schließlich an die Uni, um sich vor Ort ihren Stundenplan zusammen zu stellen. Dabei fällt Jana auf, dass eine Veranstaltung bereits begonnen hat; sie eilt zum Hörsaal, der die Studentenmenge nicht fassen kann, so dass sie auf dem Boden rechts von der Eingangstür Platz nehmen muss. Schließlich zahlt Jana Studiengebühren.

Zwar Kunde, kein König

Nach einer Seminareinführung durch den Dozenten, möchte Jana ein Referatsthema ergattern, indem sie versucht, sich im Stimmengewirr Gehör zu verschaffen. Doch die Themen reichen nicht für die Anzahl der Studenten aus, deshalb soll der Kurs wahrscheinlich gesplittet werden, was zu einer Überschneidung mit anderen Seminaren führen würde. Man wird wohl im Laufe der Woche irgendwie darüber informiert werden und muss dann seinen Stundenplan gegebenenfalls anpassen. Da der Sauerstoffgehalt des kleinen Raumes zunehmend sinkt, beendet der Dozent die Einführungsveranstaltung vorzeitig. Schließlich kann die Uni etwas Flexibilität von ihren Studenten erwarten.

ILIAS – eine Odyssee?

Diese Frage hat sich wahrscheinlich nicht nur Jana gestellt, sondern auch viele andere Studenten, die sich jedes Semester auf ein Neues für ihre Kurse einschreiben wollen. Aber was ist eigentlich mit dem allgemeinen Vorlesungsverzeichnis und den Institutsseiten passiert? Seit dem letzten Wintersemester ist die Anmeldung für die Veranstaltungen über die Institutsseiten nicht mehr möglich. Stattdessen wurde ILIAS eingeführt, um sich über ein Portal für seine Veranstaltungen eintragen zu können. Doch seit diesem Semester gibt es eine weitere Option zur Anmeldung: das E-Studium. Manchen Instituten ist das E-Studium bereits bekannt, da sie es, wie beispielsweise die Berufspädagogen, die Sportwissenschaftler und die BOZler, schon seit längerem nutzen. Alle anderen Studenten wurden bei ihren Anmeldungen auf eine Irrfahrt geschickt.

Kein homerisches Epos

ILIAS steht für „integriertes Lern-, Informations- und Arbeitskooperations-System“. Es handelt sich um eine Open Source Software für das gleichnamige Learning Management System, mit dessen Hilfe Lehr- und Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden und Dozenten sich mit ihren Studenten austauschen können. Die Software wurde 1997/98 an der Universität Köln entwickelt. Seit dem Jahr 2000 wurde sie im Kooperationsnetzwerk „ILIAS open source“ immer weiter perfektioniert und wird heute von einer Vielzahl deutscher Hochschulen verwendet. Seit einiger Zeit wird ILIAS von den Karlsruher Wirtschaftswissenschaftler genutzt, seit letztem Wintersemester nimmt auch die geisteswissenschaftliche Fakultät Gebrauch von dieser Lernplattform. Aber da gibt es ja noch moodle…

Kuddelmoodle

Moodle ist eine open-source-Software, die die Basis für das E-Studium darstellt. Moodle stammt ursprünglich aus Australien und wurde zunächst als schulisches Projekt entwickelt. Auch hierzulande wird es vorwiegend an Schulen und für die Lehre genutzt. Das E-Studium, basierend auf der moodle-Software, wurde von der Berufspädagogik initiiert. Da es vom Ausschuss für Informationsverarbeitung (AIV) sehr positiv evaluiert wurde, wird es zur Fakultätsplattform ausgeweitet und wie auch schon ILIAS demnächst vom Rechenzentrum betreut werden. Das E-Studium wird durch die Mittel der Studiengebühren finanziert. In Zukunft soll es an das Hochschulinformationssystem (HIS LSF), das das Vorlesungsverzeichnis der Universität beinhaltet, gekoppelt werden, so dass eine Weiterleitung möglich ist.

Ende der Irrfahrt?

Um den Verwirrungen um die beiden Plattformen ein Ende zu setzen, ist es ratsam, sich zunächst einen Account im Rechenzentrum anzulegen, da die Tendenz aufgrund der zukünftigen Verbindung zum Rechenzentrum generell zum E-Studium geht. Auch sollen Anmeldungen bald nicht mehr über ILIAS vollzogen werden, es sollen jedoch Verlinkungen zwischen den Portalen eingeführt werden. Die Uni Karlsruhe verfügt über kein systematisches e-learning- Konzept wie andere Hochschulen, es bleibt also den Dozenten selbst überlassen, welche Plattform sie nutzen, um ihre Inhalte zu transportieren und um das Seminar zu organisieren. Natürlich bieten beide Portale ihre Vorteile; so hat man auf ILIAS die Möglichkeit sich einen persönlichen Schreibtisch anzulegen, der eine Übersicht über die besuchten Veranstaltungen bietet. Man kann einsehen, wer mit einem die Seminare besucht und in Foren miteinander kommunizieren, sowie Seminarinhalte verbreiten. Über neu hinzugefügte Dateien durch den Dozenten wird man stets informiert. Im Grunde genommen unterscheidet sich aber das E-Studium nicht so sehr von ILIAS, denn auch dort wird das gleiche Angebote offeriert – nur mit einer anderen Verpackung. Darüber, welcher Dozent welche Plattform nutzt, werden die Studenten weiterhin in den Seminaren informiert… bis eines Tages das Jahr 2010 kommt.

moodle: Software auf Open-Source-Basis; unterstützt kooperative Lehr- und Lernmethoden.

E-Studium: Lernplattform, basierend auf moodle. (support@estudium.org)

ILIAS: Learning management system; Open-Source-Software und gleichnamige Lernplattform.

Clix: Learning management system für Unternehmen und (Fort-)Bildung.

Julia Knifka und Christina Schindler

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